Meyer Burger versucht es mit einer radikalen Abmagerungskur

Der Solarindustrieausrüster Meyer Burger streicht rund 250 Stellen, davon ein Drittel in der Schweiz. Für etwa 80 Thuner Angestellte zerschlägt sich jäh die Hoffnung, die Krise mit ihrem Arbeitgeber durchstehen zu können.

Der Stellenabbau wird auch die Produktion von Meyer Burger betreffen. Welche Mitarbeitende an welchen Standorten und von welchen Abteilungen genau                 gehen müssen, ist aber noch ungewiss.

Der Stellenabbau wird auch die Produktion von Meyer Burger betreffen. Welche Mitarbeitende an welchen Standorten und von welchen Abteilungen genau gehen müssen, ist aber noch ungewiss.

(Bild: Keystone)

Julian Witschi

Noch vor Sonnenaufgang erreichte die Angestellten des ­Thuner Solarunternehmens Meyer Burger am Donnerstag eine Schreckensnachricht. Ihr Arbeitgeber streich weltweit rund 250 Stellen. Damit muss rund jeder sechste Mitarbeitende gehen, ­obwohl Konzernchef Peter Pauli für Meyer Burger zuletzt Licht am Horizont ausgemacht hatte.

Im ersten Halbjahr 2016 war es der Firma erstmals seit 2012 gelungen, operativ wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Das Ergebnis vor Zinskosten, Steuern, Abschreibern und Goodwillamortisationen (Ebitda) erreichte 6,2 Millionen Franken.

Unter dem Strich stand aber ein weiterer Verlust von 25,6 Millionen. Das Eigenkapital schrumpfte weiter. Dabei muss Meyer Burger im nächsten Frühling eine Anleihe über 130 Millionen Franken zurückzahlen.

Sparziel von 50 Millionen

CEO Peter Pauli sieht sich gezwungen, die Kosten radikal zu senken, damit Meyer Burger auch unter dem Strich in die Gewinnzone zurückkehren kann. Mit dem Sparprogramm will er die jährlichen Kosten um 50 Millionen Franken drücken.

Von den rund 250 Stellen soll ein Drittel in der Schweiz wegfallen, insbesondere am Standort Thun. Inklusive des Ablegers in Neuenburg zählt Meyer Burger hierzulande jetzt noch rund 450 Vollzeitstellen.

Eine konkrete Zahl zum Abbau in Thun will Pauli noch nicht nennen. Daher ist auch noch unklar, wen es genau betrifft. Denn am Donnerstag startete Meyer Burger die gesetzlich vorgeschriebene Konsultation, in der die Angestellten Alternativen zu Personaleinsparungen vorschlagen können. Erst danach können bei einer Massenentlassung Kündigungen ausgesprochen werden.

«Kündigungen sind wahrscheinlich für etliche Mitarbeitende ­nicht  zu umgehen»Medienmitteilung

Meyer Burger setzt zwar auch auf freiwillige Abgänge und auf Pensionierungen. Doch diese Möglichkeiten nutzte die Firma bereits in früheren Sparrunden. So sind «wahrscheinlich Kündigungen für etliche Mitarbeitende nicht zu umgehen», wie es hiess.

Der Abbau soll aber möglichst sozial verträglich erfolgen. Meyer Burger rechnet mit ausserordentlichen Kosten für den Abbau von 3 bis 4 Millionen Franken, auch zur Unterstützung von Betroffenen.

Tiefer Fall

Zur Jahresmitte zählte Meyer Burger noch 1547 Vollzeitstellen. Am Anfang der Krise in der Solarbranche vor fünf Jahren waren es gut 3000 Mitarbeitende gewesen. Bis dahin war Meyer Burger rasch gewachsen, unter anderem mit der Übernahme der deutschen Firma Roth & Rau und der Lysser 3S. Der Umsatz erreichte 1,3 Milliarden Franken.

Doch dann brach die Nachfrage massiv ein. Einige Länder kürzten trotz der Atomkatastrophe in Fukushima die Subventionen für Solaranlagen, und vorab chinesische Hersteller machten mit immer billigeren Produkten Konkurrenz.

Seither drückte Meyer Burger den Personal- und Betriebsaufwand bereits um ein Drittel auf noch 210 Millionen im Jahr 2015. Zuletzt fielen vor allem in den USA Stellen weg.

Angesichts des neuerlichen Sparprogramms warnte der Verband Angestellte Schweiz davor, den Betrieb zu schlank zu machen. Denn «ein magersüchtiges Unternehmen würde früher oder später zusammenbrechen».

«Es fragt sich, ob eine weitere Diät nicht mehr schadet als nützt.»Angestellte Schweiz

Es frage sich, ob eine weitere Diät nicht mehr schade als nütze. In der gestarteten Konsultation müsse es nun darum gehen, möglichst viele Stellen zu erhalten und den Verlust von Know-how zu vermeiden. Denn Meyer Burger will noch stärker auf neueste und qualitativ herausragende Technologie fokussieren.

Anleger nahmen das Sparprogramm zuerst erfreut auf. Die Aktie von Meyer Burger gewann am Morgen über 4 Prozent an Wert. Bis am Abend machte sich die Skepsis über die Zukunft der Firma wieder bemerkbar. Das Kursplus betrug zum Schluss noch 1,2 Prozent. Seit Anfang Jahr hat der Titel mehr als 40 Prozent an Wert verloren.

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