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Mitfahren als Geschäft

Jetzt kommt die App für Mitfahrer, und zwar von Mobility. Das Angebot unterscheidet sich in wichtigen Punkten von der Konkurrenz.

Es geht bequemer: Statt mit dem Daumen können Reisende sich per App günstig eine Mitfahrgelegenheit organisieren.
Es geht bequemer: Statt mit dem Daumen können Reisende sich per App günstig eine Mitfahrgelegenheit organisieren.
Gregor Fischer, Keystone

Die roten Mobility-Autos an den Bahnhöfen und in der Innenstadt kennt jeder. Mit ihnen sollen Reisende den letzten Kilometer zu ihrem Ziel zurücklegen. Nun baut die Mobility-Genossenschaft ihr Angebot weiter aus und geht dabei einen schwierigen Markt an, jenen für Mitfahrgelegenheiten. Dafür startet das Unternehmen die neue App Mobility Carpool. Das neue Mitfahrangebot unterscheidet sich in wichtigen Punkten von der Konkurrenz, wie etwa vom französischen Platzhirsch Blablacar.

«Wir wollen individuelle Mobilität aus einer Hand anbieten, daher steigen wir in den Carpooling-Markt ein», erklärt Mobility-Sprecher Patrick Eigenmann. Das Potenzial scheint gross: Im Schnitt sitzen in der Schweiz nur 1,5 Personen in einem Auto, im Pendlerverkehr sind es nur 1,1 Personen. «Wir zielen vor allem auf die Pendlerströme», erklärt Eigenmann. Mit einem schnellen Erfolg rechnet das Unternehmen aber nicht.

Schwieriger Schweizer Markt

Denn der Schweizer Markt gilt als besonders schwierig. «Meiner Ansicht nach hat das Mitfahrkonzept in der Schweiz noch nicht den Durchbruch geschafft», sagt Mobilitätsforscher Francesco Ciari von der Forschungsgesellschaft Joanneum Research. Zum einen sei der öffentliche Nahverkehr im Vergleich zum Ausland sehr gut ausgebaut, auch die Kleinräumigkeit der Schweiz bremse die Entwicklung. Zum andern sei die Schweiz wohlhabend, daher könnten sich viele Menschen ein eigenes Auto leisten.

Mobility setzt auf fixe Preise

Im Unterschied zum Marktführer Blablacar setzt Mobility Carpooling auf fixe Preise, deren Höhe von der Distanz abhängt. Insgesamt gibt es fünf Preisklassen: Strecken von bis zu 10 Kilometern kosten 3 Franken, 2.40 Franken davon gehen an den Fahrer. Eine Fahrt zwischen 25 und 50 Kilometern kostet 9 Franken, zwischen 50 und 150 Kilometern 15 Franken, die höchste Preisstufe umfasst Fahrten von über 150 Kilometern, sie kosten 18 Franken.

Sprich, eine Fahrt von Zürich nach Basel von knapp 90 Kilometern würde demnach bei Mobility Carpool 15 Franken kosten. Zum Vergleich: Bei den SBB kostet eine einfache Fahrt Zürich–Basel ohne Halbtax 34 Franken.

Der Mobility-Mitfahrservice ist aber teurer als jener von Blablacar, wo laut einer Stichprobe für diesen Mittwoch acht Fahrten im Schnitt für umgerechnet knapp 6 Franken angeboten werden. Allerdings müssen Mitfahrer bei Blablacar noch zusätzlich ein Nutzungspaket kaufen, mit dem die Vermittlungsdienstleistung vergütet wird.

Marktführer ohne eigene Schweiz-Plattform

Solch ein Paket ist dann entweder für eine Woche oder gleich ein halbes Jahr gültig. Bei einer vergünstigten Einführungsaktion in den ersten drei Monaten gibt es das Wochenticket für 1.50 Euro und das Sechs-Monats-Paket für 1.99 Euro. Nach der Einführungsphase vom 13. Juni an liegen die Preise dann bei 2.99 Euro beziehungsweise 14.99 Euro. Eine eigene Website für die Schweiz gibt es bei Blablacar aber nicht, Nutzer müssen sich bei der deutschen, französischen oder italienischen Plattform einschreiben.

Wie gross der Schweizer Markt für Mitfahrdienste ist, dazu gibt es keine Zahlen. Blablacar bezeichnet den Schweizer Markt aber als «interessant». «Im vergangenen Jahr fuhren an nur einem Tag Blablarcars von bis zu 1000 verschiedenen Treffpunkten in der Schweiz ab», teilte Sprecherin Jasmin Schlegel mit. «Gerade bei Fahrten innerhalb der Schweiz ist aber noch Luft nach oben», ergänzt sie.

Blablacar ist Marktführer bei Mitfahrgelegenheiten, das Unternehmen ist in 22 Ländern aktiv, rund 18 Millionen Reisende nutzen den Service pro Quartal. Im Schnitt legen sie 301 Kilometer zurück. In Deutschland und Frankreich hat Blablacar einen eigenen Service für Pendler gestartet.

Das ist genau der Markt, auf den Mobility nun in der Schweiz zielt. Im Unterschied zu Konkurrenten wie Karzoo oder Blablacar vermittelt Mobility dafür keine Fahrten ins Ausland.

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