Nestlé führt Lebensmittel-Ampel in der Schweiz ein

Nestlé setzt in der Schweiz, Frankreich und Belgien nun doch auf den Nutri-Score. Er signalisiert, wie gesund Produkte sind.

Bald auch in der Schweiz zu sehen und auf Nestlé-Produkten: Der Nutri-Score auf einer Lebensmittel-Packung in Frankreich. Foto: Getty Images

Bald auch in der Schweiz zu sehen und auf Nestlé-Produkten: Der Nutri-Score auf einer Lebensmittel-Packung in Frankreich. Foto: Getty Images

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé führt nun doch die Nährwert-Ampel Nutri-Score ein. Der Konzern wird für seine Produkte in der Schweiz, Frankreich und Belgien mit einer fünfstufigen Farbskala die Nährwertqualität der Lebensmittel auf der Verpackung abbilden.

Der Entscheid stehe im Einklang mit der Verpflichtung von Nestlé, die Konsumenten bei der Lebensmittelauswahl zu unterstützen, teilte der Nahrungsmittelmulti am Mittwoch mit. Als Grund für die Einführung nennt Nestlé neue Studiendaten und die breite öffentliche Unterstützung durch europäische Gesundheitsbehörden.

Der Nutri Score bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe oder Proteine ein und gibt dann einen einzigen Wert an - auf einer fünfstufigen Skala von dunkelgrün bis rot.

Ampel hat breiten Rückhalt

Zumindest in der Schweiz dürfte die Ankündigung von Nestlé vor allem bei den grossen Detailhändlern Migros, Coop und Manor für Überraschung sorgen. Denn diese haben sich gegen die aus den Federn des französischen Gesundheitsministeriums stammende Nutri-Score-Ampel ausgesprochen.

Nestlé hält dazu fest, dass Nutri-Score von mehreren europäischen Staaten inklusive der Schweiz befürwortet werde. Zudem seien auch Schweizer Konsumenten- und Gesundheitsförderungsorganisationen gegenüber Nutri-Score positiv eingestellt, wie Nestlé auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP mitteilte.

Auch der Konsumentenschutz bewertet den Entscheid von Nestlé positiv und sieht nun die Detailhändler gefordert: «Coop und Migros müssen nun nachziehen», teilte die Stiftung mit.

Migros, Coop und Manor geben sich zurückhaltend

Nestlé steht aber auch unter Druck, da Konkurrenten wie der französische Konzern Danone das System schon eingeführt haben. Zugleich nehmen die Schweizer in Kauf, dass eigene Produkte wie Schokoriegel, Müsli oder Eistee auf dem Nutri Score durchwachsen abschneiden könnten. «Die Bandbreite der Nestlé-Produkte ist gross, entsprechend wird alles dabei sein», sagte Annette Neubert, Ernährungswissenschaftlerin bei Nestlé.

Der Detailhandel gibt sich derweil zurückhaltend. Die von der IG Detailhandel vertretenen Unternehmen Migros, Coop und Manor wollen an ihrem Kurs festhalten, teilte die Geschäftsstelle auf Anfrage mit. Man ziehe transparente Informationen über Lebensmittel den Bewertungssystemen wie Nutri-Score vor, hiess es.

Mit Emmi ist auch der grösste Milchverarbeiter der Schweiz laut einem Medienbericht gegen eine farbliche Kennzeichnung der eigenen Lebensmittel. Kritisiert wird eine zu starke Vereinfachung in gute und schlechte Produkte.

Nun landen die Ampel-Produkte von Nestlé dennoch in den Regalen der Schweizer Detailhändler. Gespräche über eine Schweizer Lösung unter Federführung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit (BLV) laufen noch. Das BLV unterstütze die Einführung von Nutri-Score, da dies eine einfache Orientierungshilfe biete, teilte BLV-Sprecherin Nathalie Rochat auf Anfrage mit.

«Nutri-Score bewertet das Lebensmittel in seiner Gesamtheit und die Berechnungsgrösse ist mit 100 Gramm gut vergleichbar», so Rochat. Es sei aber auch im Interesse des BLV, dass grundsätzlich möglichst viele Unternehmen mitmachen. Daher sei für Firmen, die planen Nutri-Score einzuführen, für Anfang Juli zu einem weiteren Gespräch eingeladen worden: «Dort werden wir mit den Unternehmen und den eingeladenen Konsumentenorganisationen sowie Vertretern der Gesundheitsförderung die Rollen und das weitere Vorgehen besprechen» sagte Rochat dazu.

amc/sda

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