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Schuldenkrise Hörbares Aufatmen bei Bankern und Politikern Europas

Brüssel/Berlin Nach der Einigung am Eurogipfel ist nicht nur den europäischen Investoren und Analysten ein Stein vom Herzen gefallen.

Vor allem die ebenfalls verschuldeten Länder wie Italien oder Portugal klatschten Beifall. Am grössten war der Jubel aber in Griechenland. Zur Entscheidung des Euro-Gipfels kommentierte die Athener Zeitung «Ta Nea»: «Unsere Partner haben uns nicht den Rücken zugedreht, als wir einen Schritt vor der Zahlungsunfähigkeit waren.» Die Griechen müssten nun ihren Beitrag leisten und «selbst wollen, dass sie gerettet werden». Premier Giorgos Papandreou kündigte eine Zeitenwende an: «Griechenland wird sich ändern. Es ist der einzige Weg, damit unsere Kinder nicht wieder die tödliche Bedrohung der Schulden erleben.» Der von den Eurostaaten beschlossene «Marshallplan» stelle nur einen Schritt auf dem Weg dar. Papandreou forderte seine Landsleute auf, die Reformanstrengungen intensiv zu unterstützen. Merkel verhalten optimistisch Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich überzeugt, dass Griechenland die von ihm verlangten und zugesagten Spar- und Reformmassnahmen umsetzen wird. Welche finanziellen Auswirkungen die Beschlüsse von Brüssel haben werden, «das kann im Augenblick nicht gesagt werden», sagte die Kanzlerin. Gleichzeitig unterstrich Merkel, dass das Paket kein Anfang eines automatischen Finanzausgleichs in Europa sei. «Eine Transferunion, so wie ich sie verstehe, wäre ein automatischer Finanzausgleich», sagte Merkel am Freitag in Berlin. Applaus in Portugal und Italien In Portugal, das selbst gegen die Pleite ankämpft, wurden die Beschlüsse einhellig begrüsst. «Die Hilfe für Griechenland hilft Portugal aus der Patsche», titelte etwa das Massenblatt «Correio da Manhã». Für den italienischen Premier Silvio Berlusconi ist die Einigung am Eurogipfel ein Beweis, wie gut die EU funktioniere: «Das Abkommen über das Hilfspaket für Griechenland bezeugt, dass Europa ein wahres politisches Wesen ist», sagte er in Rom. «Heute belohnen alle Märkte den Euro», freute sich Berlusconi - allerdings zu früh, wie sich zeigte. Euro nur kurz im Hoch Nach anfänglicher Euphorie und einem Zwischenhoch rutschte der Euro am Freitagnachmittag nämlich wieder auf das Niveau von vor dem Sondergipfel unter 1,44 Dollar. Die Investoren signalisierten ihre Zustimmung zu den neuen Hilfen für Griechenland und den anderen Schritten gegen die Euro-Krise hingegen durch weltweit steigende Kurse. Der Nikkei-Index in Tokio schloss 1,2 Prozent im Plus, der Hang Seng in Hongkong legte sogar 2,1 Prozent zu. Auch die europäischen Börsen zeigten positive Tendenzen. «Dass es überhaupt eine Lösung gibt, sorgt erst einmal für Entspannung - auch wenn die Diskussion um die Details und Ausgestaltung der neuen Hilfsmassnahmen sicherlich schon bald wieder für die ein oder andere Unsicherheit sorgen könnten», erklärte ein Börsianer. Grundsätzlich begrüssten die Finanzexperten die Beschlüsse von Brüssel. Teil-Pleite angekündigt Die Ratingagentur Fitch kündigte derweil an, dass sie für die Dauer der im Herbst geplanten Umschuldung die Teil-Pleite Griechenlands erklären werde. Aber auch Fitch wertete die Beschlüsse aber als Schritt in die richtige Richtung. Nach dem Austausch, auch das deutete Fitch bereits an, dürfte Griechenland wieder höher eingestuft werden. Denn die neuen Schuldscheine werden vom Euro-Rettungsfonds EFSF abgesichert.

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