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Schweizer Kleinfirmen kann so schnell nichts erschüttern

Die Aufwertung des Frankens erweist sich noch als grösster Bremsklotz. Handelsstreite und erst recht der Brexit scheinen die meisten KMU nicht zu tangieren.

Robert Mayer
Bei der Erhebung schliessen 70 Prozent der befragten Firmen negative Folgen durch die derzeit schwelenden Handelskonflikte aus: Die Produktion von Fahrradrahmen in der BMC-Produktionsstätte in Grenchen. Foto: Gaetan Bally (Keystone)
Bei der Erhebung schliessen 70 Prozent der befragten Firmen negative Folgen durch die derzeit schwelenden Handelskonflikte aus: Die Produktion von Fahrradrahmen in der BMC-Produktionsstätte in Grenchen. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Handelskonflikte, Brexit, abkühlende Konjunktur, erstarkender Franken – diese Unsicherheitsfaktoren haben 2019 in wechselnder Reihenfolge die Schlagzeilen in Wirtschaftsmedien beherrscht. Insbesondere in der exportabhängigen Industrie hinterliess die latente Verunsicherung augenfällige Bremsspuren, abzulesen an den gängigen Stimmungsindikatoren wie zum Beispiel dem Einkaufsmanager-Index.

Über weite Strecken unbeeindruckt zeigen sich hingegen die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in der Schweiz. Die Mehrheit unter den befragten Firmen verneint, negative Auswirkungen von den besagten Störelementen zu verspüren.

Mehr noch: Vielerorts herrscht die Meinung vor, es sei nicht nötig, vorsorgliche Massnahmen zur Absicherung gegen diese Risiken zu treffen.

Wenig Herausforderung durch Handelsschranken

Dieser Schluss ergibt sich aus der jährlichen KMU-Umfrage, die im Dezember von Visable, einem Betreiber von europäischen Onlineplattformen für Lieferanten und Geschäftskunden, durchgeführt wurde. Knapp 80 Unternehmen haben den Fragebogen ausgefüllt.

Zu teilweise ähnlichen Ergebnissen war im Sommer eine Umfrage der Credit Suisse bei 560 exportorientierten KMU gekommen. Demnach sehen über 40 Prozent der befragten Firmen keine oder nur geringe Herausforderungen durch Handelsschranken und Zollhürden.

Die Schweizer KMU sind dabei das Rückrat der Wirtschaft: Die Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern stellen zwei Drittel aller Arbeitsplätze und sind für 45 Prozent der Warenexporte verantwortlich.

60 Prozent stecken Frankenaufwertung gut weg

Bei der Erhebung von Visable schliessen 70 Prozent der befragten Firmen negative Folgen durch die derzeit schwelenden Handelskonflikte aus. Immerhin 18 Prozent der Unternehmen befürchteten aber, dass das rauere Klima im grenzüberschreitenden Handel den Geschäftsgang beeinträchtigen könnte. An den Kapitalmärkten dagegen war der Handelskonflikt zwischen beiden Supermächten eines der bestimmenden Themen des zu Ende gehenden Jahrs.

Zwei Drittel der Firmen haben laut Umfrage noch nichts von der Konjunkturabkühlung in den wichtigen Märkten zu spüren bekommen.

Auch mit Blick auf die Konjunktur scheinen die Schweizer KMU entspannt zu sein: Zwei Drittel der Firmen haben laut Umfrage noch nichts von der Konjunkturabkühlung in den wichtigen Märkten wie Deutschland, China oder den USA zu spüren bekommen. Wer Einbussen erlitten hat, verzeichnete sie am ehesten beim Auftragseingang. Demgegenüber waren die Umsätze kaum und die Gewinne so gut wie nicht tangiert.

Der im zweiten Halbjahr 2019 wieder stärker gewordene Franken erweist sich für die KMU als schwerer verdaulich. Immer noch knapp 60 Prozent der befragten Firmen gaben an, die Aufwertung der heimischen Währung wirke sich nicht auf den Geschäftsgang aus. Doch fast jedes vierte Unternehmen musste eine Gewinneinbusse wegen der verschlechterten Währungssituation hinnehmen. Und während aus Sicht von 68 Prozent der Befragten die eigene Wettbewerbssituation gegenüber ausländischen Konkurrenten in den letzten zwei Jahren gleich geblieben oder besser geworden ist, beklagten 18 Prozent eine Einbusse.

Keine Angst vor dem Brexit

Was die unselige Brexit-Saga betrifft, scheint nun immerhin Klarheit zu bestehen: Ende Januar 2020 wird Grossbritannien aus der EU austreten. Den 6 Prozent der KMU, die von diesem Ereignis Nachteile erwarten, stehen mehr als 75 Prozent gegenüber, die keine negativen Brexit-Folgen auf sich zukommen sehen.

Diese weitherum vorherrschende Gelassenheit widerspiegelt sich auch bei den Reaktionen der befragten KMU auf die oben genannten Risikofaktoren. Die häufigste Antwort (40 Prozent) lautete, man habe keine Massnahmen getroffen, um sich gegen einen Abschwung zu wappnen. Wenn Gegensteuer gegeben wurde, stachen zwei Entscheidungen klar hervor: Anstellungsstopp respektive Nichtbesetzen offener Stellen sowie Investitionskürzung oder gar -stopp – mit je 25 Prozent Nennungen (Mehrfach-Antworten waren hier möglich). Kurzum: Die Schweizer KMU blicken zuversichtlich in das neue Jahr.

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