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So viele Frauen wie nie an der Spitze von Schweizer Firmen

94 Frauen in Kaderpositionen: Der aktuelle «Schillingreport» zeigt Fortschritte in Sachen Geschlechtergleichheit bei Unternehmen.

Monika Ribar ist bereits seit 2016 Verwaltungsratspräsidentin bei den SBB. Foto: Dominique Meienberg
Monika Ribar ist bereits seit 2016 Verwaltungsratspräsidentin bei den SBB. Foto: Dominique Meienberg

Die Zahl der Hoffnung heisst 10. Denn 10 Prozent beträgt der Frauenanteil in über 100 Geschäftsleitungen dergrössten Schweizer Unternehmen im Jahr 2020. Das zeigt der neue «Schillingreport»des Personalberaters Guido Schilling. Bereits zum 15. Mal wurden Schweizer Unternehmen zum Thema Frauen in Führungspositionen von ihm befragt. Und zum ersten mal hat der Anteil von Frauen in der Geschäftsleitung einen zweistelligen Wert erreicht. Vergangenes Jahr stand an dieser Stelle noch eine neun, davor eine sieben.

«Diese Entwicklung zeigt aus meiner Sicht, dass die Schweizer Unternehmen in den nächsten Jahren einen weiteren starken Schub in Richtung der Geschlechtergleichheit machen werden», sagt Guido Schilling. Insgesamt besetzten die grössten Schweizer Arbeitgeber im vergangenen Jahr jede fünfte freie Stelle in der Geschäftsleitung mit einer Frau. Heute sind 94 Frauen in Geschäftsleitungen von Schweizer Unternehmen zu finden.

Die Pipeline der Unternehmen seigefüllt mit Mitarbeiterinnen, die auch vermehrt intern befördert würden. Das heisst: Die Unternehmen merken, dass sie Frauen internaufbauen müssen, um letztendlich mehr Kandidatinnen für Kaderpositionen zu haben. Mit 61 Prozent wurden über die Hälfte der neuen weiblichen Geschäftsleitungsmitglieder innerhalb ihres Unternehmens befördert. Der Anteil der Männer liegt mit 59 Prozent etwas tiefer.

Wobei die Zahlen des «Schillingreports» auch zeigen, dass bei den Schweizer Unternehmen noch grosser Aufholbedarf herrscht: Mit 53 Prozent haben nur knapp über die Hälfte überhaupt Frauen in der Geschäftsleitung. Und auch bei diesen sind es nur eine – maximal zwei.

«Sicher ist das wenig, aber Frauen werden sich eher bei einem Unternehmen bewerben, das Frauen in der Geschäftsleitung hat, als bei einem mit einer reinen Männerbelegschaft», sagt Schilling. Unternehmen, die es nicht schaffen, Frauen anzuziehen, würde früher oder später austrocknen. Das Ziel, mehr Frauen in Kaderpositionen zu befördern, sieht Schilling als Generationenprojekt mit drei Phasen. Die erste Phase, die er Sensibilisierungsphase nennt, sei nun beendet.

Nun folge die Bewusstseinsphase, in der die Unternehmen den Frauenanteil in ihren Geschäftsleitungen weiter erhöhten. Bis in diesen Gremien aber eine Geschlechtergleichheit erreicht sei, brauche es sicher noch zehn Jahre, sagt der Personalberater. Aber der Durchbruch sei geschafft.In den nächsten Jahren werde sich die Spreu vom Weizen trennen. Gewinner seien dann die Unternehmen, die es ihren Mitarbeitern ermöglichten, eine Laufbahn parallel zur Familie aufzubauen. Die dritte Phase, die Normalisierungsphase, in der eine ausgewogene Geschlechtergleichheit zum Normalfall gehöre, scheint somit noch in weiter Ferne.

Etwas besser gestaltet sich der Frauenanteil in Verwaltungsräten. Im vergangenen Jahr beschlossen National- und Ständerat, dass sich börsenkotierte Unternehmen rechtfertigen müssen, wenn sie weniger als 30 Prozent Frauen in Verwaltungsräten haben. Im Vergleich zum letzten Jahr stieg der Frauenanteil hier von 21 auf 23 Prozent. Unternehmen haben laut Schilling knapp jedes dritte vakante Verwaltungsratsmandat neu mit einer Frau besetzt. In absoluten Zahlen sitzen heute 189 Verwaltungsrätinnen und 636 Verwaltungsräte in 90 untersuchten Verwaltungsräten. Bei einem jährlichen Anstieg von zwei Prozentpunkten sollte die 30-Prozent-Marke laut Schilling in vier Jahren durchbrochen sein.

Was verheissungsvoll klingt, ist im internationalen Vergleich immer noch wenig. Im Vergleich mit 17 europäischen Ländern rangiert die Schweiz auf dem vorletzten Platz – nur Griechenland weist mit 10 Prozent noch weniger Frauen in Verwaltungsräten auf. Die Spitze führt Frankreich mit einem Frauenanteil von 45 Prozent an. Dicht gefolgt von Norwegen (40 Prozent) und Schweden (38 Prozent). Schaut man sich die Schweizer 23 Prozent genauer an, zeigt sich, dass es immer noch zu wenige Frauen bis ganz an die Spitze schaffen: Neben Monika Ribar von den SBB oder Ursula Nold vom Migros-Genossenschafts-Bund besetzen derzeit nur fünf Frauen den Posten der Verwaltungsratspräsidentin in einem der 100 grössten Schweizer Unternehmen.

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