Wegen Pilzkrankheit: Zahlen wir bald mehr für Bananen?

Verheerende Bananenfäule ist zum ersten Mal im wichtigsten Anbaugebiet nachgewiesen worden. Ein Experte geht von bald steigenden Preisen aus.

Werden Bananen bald teurer? Ein Experte geht davon aus.

Werden Bananen bald teurer? Ein Experte geht davon aus.

(Bild: Keystone Gaetan Bally)

Philipp Felber-Eisele@PhilippFelber

Wenn Sie heute eine Banane bei einem Detailhändler kaufen, dann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine sogenannte Cavendish-Banane. Sie ist Symbol für den Siegeszug von Bananen weltweit. Seit Jahrzehnten wird sie angebaut und ist die wichtigste Sorte überhaupt. In der Schweiz zum Beispiel werden praktisch nur Cavendish-Bananen verkauft. Doch die Sorte hat ein Problem. Es heisst Tropical Race 4 (TR4), ist ein Pilz und wurde nun das erste Mal in Lateinamerika nachgewiesen.

Die Cavendish-Banane hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts zur wichtigsten Sorte gemausert. Die Stauden sind klein und beständig gegen Stürme. Sie ist perfekt für eine hocheffiziente und günstige Anbaumethode. Das machte die Banane auf der ganzen Welt zum Massengut.

Pilz seit Jahrzehnten bekannt

Der Pilz TR4 breitete sich seit Jahrzehnten aus. Zuerst im asiatischen Raum, dann ist er nach Afrika verschleppt worden. Ernteausfälle im grossen Stil waren die Folge. Noch ohne gröbere Auswirkungen für den globalen Bananenhandel. Viel entscheidender für den weltweiten Exportmarkt und vor allem für Europa und die USA ist Lateinamerika. Rund 90 Prozent der Bananen für Europa stammen von dort, in Amerika sind es fast 100 Prozent. Genau dort gab es nun Fälle von Bananenfäule wegen des Pilzes.

Betroffen seien zwei Bioplantagen in Kolumbien. «Glücklicherweise befinden sich diese nicht im Hauptanbaugebiet, sondern etwas entfernt», sagt Martin Blaser, Bananenexperte von Fairtrade Max Havelaar. «Man wusste es schon lange, dass die Krankheit auch Lateinamerika erreichen kann.» Gegen den Pilzbefall könne man grundsätzlich nichts machen. Auffällig sei, dass bei Mischkulturen TR4 weniger aggressiv sei. Doch den Anbau auf Mischkulturen umzustellen, sei derzeit nicht realistisch. «Der Bananenanbau ist hochindustriell, hochintensiv. Da wird um jeden Rappen gekämpft», sagt Blaser. Was passiert mit dem Preis?

Auch wenn es noch dauern könnte: Über kurz oder lang werde der Pilz auch in den Hauptanbaugebieten der Länder in Lateinamerika landen, sagt Blaser. Die Auswirkung ist klar: «Es wird auch danach noch von dieser Banane geben. Die Frage ist nur, zu welchem Preis?» Als Beispiel fügt Blaser den Fall Australien an. Das Land produziert selber Bananen und hat deshalb einen sehr abgeschotteten Markt. Nachdem die Krankheit dort wütete, stieg der Preis auf 9 Franken pro Kilo Banane. Zum Vergleich: In der Schweiz kostet ein Kilo Billigbananen zurzeit 1.40 Franken. Solche Tiefpreise könnten bald der Vergangenheit angehören, sagt Blaser.

Noch sind aber bei Schweizer Detailhändlern keine Preiserhöhungen zu erwarten. Für die Migros, die grösste Playerin auf dem Schweizer Bananenmarkt, wäre eine weitere Verbreitung der Krankheit aber ein Problem. Man beschaffe Bananen zwar in verschiedenen mittel- und südamerikanischen Ländern, wie Ecuador, Costa Rica, Panama. Aber auch in Kolumbien. «Natürlich hätte eine Ausbreitung von TR4 in ganz Kolumbien Auswirkungen auf die Beschaffung», sagt ein Sprecher.

Migros-Konkurrentin Coop bezieht ihre Bananen laut einer Sprecherin vor allem aus der Dominikanischen Republik, aus Peru und aus Ecuador. Dort wurde bis dato noch kein TR4-Fall nachgewiesen.

Keine Alternative

Kolumbien will dem Pilz nun Herr werden. Doch alle Versuche, TR4 auf seiner zerstörerischen Reise um die Welt zu stoppen, schlugen bis heute fehl. Noch vor sechs Jahren zeigte man sich bei den Produzenten überzeugt, dass er sich nicht in Lateinamerika verbreite. Nun steht der Pilz aber nicht nur vor der Haustür, sondern sozusagen in der Eingangshalle. Und die Bemühungen, eine Sorte zu finden, die resistent ist gegen den Pilz und ähnliche Eigenschaften aufweist wie die Cavendish-Bananen, schlugen bisher fehl.

So kann es gut sein, dass die Cavendish-Banane dereinst ein Nischenprodukt sein wird. So, wie es der Sorte Gros Michel passierte. Sie war Anfang des 20. Jahrhunderts noch die beliebteste Banane. Doch sie wurde von TR1 dahingerafft. Das war der Startschuss für die Karriere der Cavendish-Banane.

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