Thiams letzter Gefolgsmann muss gehen

Adam Gishen, zuständig für Marketing, Kommunikation und Investor Relations bei der CS, verlässt die Bank. Damit geht auch der letzte Mann aus Tidjane Thiams Machtzirkel.

Kommunikationschef Adam Gishen (r.) hatte als einer von wenigen einen direkten Draht zu Tidjane Thiam. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Kommunikationschef Adam Gishen (r.) hatte als einer von wenigen einen direkten Draht zu Tidjane Thiam. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

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Am Donnerstag hat Tidjane Thiam seinen letzten Auftritt als CEO der Credit Suisse. Er darf noch einmal die Jahresresultate präsentieren. Angeblich recht gute, denn der Gewinn soll die Erwartungen übertreffen, hiess es aus dem Umfeld Thiams schon am WEF in Davos. Darum hat er sich in der Nacht zum letzten Freitag, als sein Rücktritt bekannt wurde, ein paar Tage Zugabe ausbedungen. Mit Thiam hat auch sein Verantwortlicher für Investor Relations und Kommunikation, Adam Gishen, seinen letzten Auftritt. Dies hat diese Zeitung aus CS-Quellen erfahren. 

Gishen gehörte zur sogenannten «Viererbande» innerhalb der Bank.  Dazu gehörten neben Thiam selber auch Pierre Olivier Bouée, sein im Oktober gestürzter COO, sowie Peter Goerke, ehemaliger Personalchef. Goerke verlor schon vor einem Jahr einen Grossteil seiner Kompetenzen.

Gishen hatte als einer von  wenigen einen direkten Draht zu Thiam. Neben der Kommunikation und der Pflege der Beziehungen zu den grossen Aktionären gehörten auch die Bereiche Marketing und Branding sowie die interne Kommunikation zu seinen Aufgaben. Thiam kannte Gishen seit seiner Zeit als CEO des britischen Versicherers Prudential; der Ex-Lehman-Brothers-Banker Gishen war damals Partner bei der Investmentbank-Boutique Ondra, welche Prudential beriet.

Gishens Amtsführung als Kommunikationschef war stark umstritten. In der Praxis war es in den letzten Jahren bei der CS so, dass allein der in London stationierte Gishen über relevante Informationen verfügte. Die übrigen Mitglieder der Kommunikationsabteilung wussten meist nicht viel mehr als die Journalisten, denen sie Auskunft geben sollten. Umgekehrt fehlte Thiam zunehmend das Sensorium dafür, was in der Schweiz relevant war – ein Mangel, der mit entscheidend war für seinen unrühmlichen Abgang.

Turbulente Generalversammlung zu erwarten

Trotz dem nun vollständigen Abgang des Führungsquartetts ist bei der CS noch nicht ganz Ruhe eingekehrt. So hat die Finanzmarktaufsicht (Finma) eine Untersuchung der Beschattungsaffäre angekündigt.  Dem Vernehmen nach hat die aber noch nicht einmal begonnen. Jedenfalls wurde bei der Finma noch kein Verantwortlicher dafür bestimmt. Weiter ermittelt die Zürcher Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der Beschattungsaffäre. Hinzu kommt der Streit von CS-Präsident Urs Rohner mit den US-Grossaktionären wie Harris Associates.

Die Schweizer Anlagestiftung Ethos ist ebenfalls der Ansicht, die Credit Suisse sei noch nicht auf dem richtigen Weg.  So sagt Ethos-Direktor Vincent Kaufmann, zwar sei die Entmachtung Thiams richtig gewesen, aber: «Aus unserer Sicht hätten beide, also Rohner und Thiam, gehen sollen.»

Für Unmut sorgte in den letzten Tagen auch die mögliche Zahlung an Thiam über 30 Millionen Franken. Vincent Kaufmann fordert deshalb eine Lohnkürzung für den scheidenden CS-Chef: «Wegen des Reputationsschadens sollte Thiam den qualitativen Teil seines Bonus, der 33,3 Prozent ausmacht, nicht bekommen.»

Erstellt: 10.02.2020, 21:41 Uhr

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