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Ivanka Trump steht unter Mauschel-Verdacht

China spricht der Tochter des US-Präsidenten Markenrechte zu – profitiert sie von der amerikanischen Handelspolitik?

Bei Ivanka Trumps Modelinie ist der Name Programm.
Bei Ivanka Trumps Modelinie ist der Name Programm.
SAUL LOEB, AFP

Die Produkte klingen nicht sehr glamourös: Steppdecken und Wickeltücher, Vorhänge, Bettwäsche, Tischdecken, Handtücher und andere Textilien. Aber zusammengenommen können sie viel Geld einbringen. Geld, das von China nach New York fliesst – in die Tasche von Ivanka Trump. China hat der Modefirma der Präsidententochter gerade sieben neue Markenrechte zugesprochen. Und das mitten in der heiklen Phase des Handelsstreits zwischen der US-Regierung und der Volksrepublik.

Nur wenige Tage vor der Genehmigung der Rechte hatte Donald Trump verkündet, er sei bereit, chinesischen Wirtschaftsinteressen entgegenzukommen: Es ging um den chinesischen Handyhersteller ZTE. Der US-Präsident erlaubt dem Unternehmen nach langem Streit nun doch, weiter Vorprodukte in den USA zu kaufen, wenn ZTE einer Strafzahlung von 1,3 Milliarden Dollar zustimmt, «umfangreiche Sicherheits­garantien» abgibt und das Management wechselt.

ZTE hatte gegen Iran- und Nordkorea-Sanktionen verstossen. Die US-Regierung verbot US-Zulieferern wie Qualcomm und Intel daraufhin, während sieben Jahren Bauteile oder Software an das Unternehmen zu verkaufen. Das trieb ZTE fast in den Ruin. Doch Mitte Mai erklärte Trump überraschend, er arbeite mit Chinas Präsidenten Xi Jinping an einer Lösung. Die Regierungschefs der weltgrössten Volkswirtschaften streiten über Handelsfragen wie Patentschutz und Währungsmanipulation. Trump droht mit Zöllen, zeigte sich zuletzt aber milder. Das liege offenbar auch an den Geschäftsinteressen seiner Familie, kritisieren Trumps Gegner.

Verdacht auf Mauschelei

Nicht nur Ivankas Modelinie, auch die Immobilienfirma des Präsidenten steht unter Mauschelei-Verdacht. Die Trump-Firma will in einem geplanten Vergnügungspark auf der indonesischen Insel Java Hotels und Golfplätze bauen. Ein chinesischer Staatskonzern hat nun einen Vertrag zum Bau des Parks unterzeichnet und dafür 72 Stunden vor Trumps Deal mit ZTE einen Kredit der chinesischen Regierung in Höhe von 500 Millionen Dollar erhalten.

Die Trump-Firma plant die Anlage in Indonesien schon seit 2015, also vor Trumps Präsidentschaft, trotzdem finden viele Beobachter das zeitliche Zusammentreffen des Staatskredits mit dem ZTE-Deal mehr als verdächtig. Trumps Anhänger halten es für puren Zufall – genauso wie die Zuteilung von Ivanka Trumps neuen Markenrechten.

Ihre Firma kann Kunden aus China jedenfalls gut gebrauchen. In den USA hat die Präsidentschaft ihres Vaters ihr eher negative Konsequenzen gebracht. Die Nobel-Einzelhandelskette Nordstrom hat Ivanka Trumps Schuhe und andere Produkte im Februar 2017 aus dem Programm genommen. Grund seien sinkende Verkaufszahlen, nicht die Politik, teilte die Firma damals mit, nachdem Trump-Fans sie per Twitter attackiert hatten.

Auch bei den Laden­ketten Burlington Coat Factory und Belk gibt es ihre Kleider nicht mehr im Onlineangebot. Zwar gibt es noch etliche Läden wie Walmart, Zappos, Macy’s und Bloomingdale’s, die Ivanka Trumps Marke verkaufen, doch laut Medien­berichten sinkt der Absatz. Vor gut einem Monat hat die Firma Ivanka Trumps Mode- und Lifestyleblog um eine eigene Verkaufswebsite für die Kleidung erweitert.

34 Markenrechte in China

Es ist nicht das erste Mal, dass die Präsidententochter in China in den Verdacht gerät, privaten Nutzen aus der Präsidentschaft ihres Vaters zu schlagen. Als Xi Jinping im April 2017 in die USA reiste, sass Ivanka Trump beim Abendessen mit am Tisch. Einen Tag später erhielt sie die Markenrechte für drei ihrer Produktlinien von den chinesischen Behörden. Es ging um Schmuck, Taschen und Wellness-Dienstleistungen in der Volksrepublik. Sie hatte die Rechte erst gut ein Jahr zuvor beantragt. Es war eine Genehmigung im Eiltempo – so wie jetzt wieder. Inzwischen hat sie 34 Markenrechte in China.

Ivanka Trump war im Januar 2017, kurz vor der Amtseinführung ihres Vaters, offiziell von der Führung ihrer Firma zurückgetreten, genauso wie ihr Vater Donald Trump den Chefposten in der Trump-Organisation aufgab. Stattdessen übernahm Trumps älteste Tochter eine Rolle als Beraterin im Weissen Haus. Sie blieb aber über ein Stiftungskonstrukt weiterhin Eigentümerin des Unternehmens.

Eine Zeitung hat ermittelt, dass Ivanka auf 68 Prozent aller Fotos ihre eigenen Produkte trägt.

Immer wieder gibt es Vorwürfe, dass die Trump-Familie Profit und Politik vermischt. «Als Beraterin des Weissen Hauses hat Ivanka die Vereinigten Staaten bei zahlreichen diplomatischen Veranstaltungen vertreten, trotz der potenziellen Konflikte, die ihre Geschäftsinteressen betreffen», kritisiert die Gruppe Citizens for Responsibility and Ethics. Gerade bei Ivanka Trump, die so sehr mit der Marke ihrer Firma verschmolzen ist, dass die Firma ohne ihr Gesicht nicht existieren würde, stellt sich die Frage, ob es überhaupt eine Bedeutung hat, wenn sie sich offiziell aus der Führung zurückzieht.

Das «Wall Street Journal» hat ermittelt, dass sie auf 68 Prozent aller Fotos, die sie in sozialen Medien veröffentlicht, ihre eigenen Kleider, Schuhe, Handtaschen oder ihren eigenen Schmuck trägt. Sie ist eine wandelnde Werbe­anzeige. Trumps politisches Team gibt sich eine grosse Mühe, die Trennung von Firma und Politik zu unterstützen. «Geh und kauf Ivankas Zeug, würde ich sagen», sagte Trump-Beraterin Kellyanne Conway in einem Interview mit «Fox News» in einer Zeit heftiger Kritik an Ivanka Trumps Vermischung von Geschäft und Politik.

Trump lässt einen grossen Teil ihrer Produkte von Auftragsfertigern in China herstellen. Dort gibt es Streit um Löhne und Arbeitsbedingungen. Als ihr Vater vor kurzem Zölle gegen etliche Waren aus China verhängte, liess er Kleider aus dem Land freistellen – inklusive die der Modefirma von Ivanka Trump.

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