Zum Hauptinhalt springen

1.20-Franken-Limite: Anzeichen für SNB-Intervention

Gefährlich nahe kam der Euro-Franken-Kurs in den letzten Tagen an die Untergrenze. Nun gibt es Anzeichen, wonach die Nationalbank eingegriffen hat.

Der Euro hat in beiden Wochen mehrfach kurzzeitig bei 1.2010 Franken notiert, also bei jenem Kurs, bei dem die SNB 2012 laut Händlern jeweils interveniert hat. Nun verdichten sich die Anzeichen, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Kampf um den Euro-Mindestkurs erstmals seit September 2012 wieder am Devisenmarkt interveniert hat.

Darauf deuten die Giroguthaben inländischer Banken bei der SNB hin, welche die zweite Woche in Folge deutlich gestiegen sind.

Giroguthaben steigen

In der vergangenen Woche wuchsen die Kontostände so stark wie seit Juli 2013 nicht mehr. Die Giroguthaben der Banken bei der SNB stiegen um rund 5,0 Milliarden Franken auf 320,7 Milliarden Franken, wie die Notenbank am Montag mitteilte. In der Woche davor waren sie bereits um 4,3 Milliarden Franken geklettert.

Die SNB wollte sich am Montag nicht zu der Frage äussern, ob sie eingeschritten sei. Wie üblich, erläuterte sie die Ursachen für die Veränderungen der Guthaben nicht.

Schon einmal

Die Entwicklung der Giroguthaben gilt als Indiz für Interventionen am Devisenmarkt. Denn wenn die SNB von Banken Euro kauft, wird der Franken-Gegenwert den Girokonten gutgeschrieben.

So waren die Giroguthaben 2012, als die SNB im grossen Stil Interventionen zur Verteidigung der Euro-Untergrenze von 1.20 Franken tätigen musste, wöchentlich zum Teil um deutlich über 10 Milliarden Franken gestiegen. Eine Veränderung kann aber auch andere Gründe haben, etwa die Emission oder die Rückzahlung von Bundesanleihen.

«Starke Anzeichen»

Während Marktteilnehmer in der vorletzten Woche kaum Signale für Interventionen der SNB ausgemacht haben, ist es diesmal anders. Die Credit Suisse sprach am Montag von «starken Anzeichen» für Devisenkäufe. Zudem habe sich SNB-Direktoriums-Mitglied Fritz Zurbrügg diesbezüglich zuletzt weniger kategorisch geäussert.

Die Händler der deutschen Commerzbank verwiesen darauf, dass der Wechselkurs in den letzten Tagen immer wieder nach oben gesprungen sei. Auch die Ökonomen der UBS werteten die Entwicklung der Giroguthaben als Beleg dafür, dass die SNB in der vergangenen Woche interveniert habe. Nach ihrer Ansicht ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass die SNB bei der geldpolitischen Lagebeurteilung vom 11. Dezember Negativzinsen einführt.

Am Markt war ebenfalls spekuliert worden, dass die SNB Euro gekauft habe. Der Euro hatte sich gegenüber verschiedenen Währungen abgeschwächt, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) im Oktober angekündigt hatte, sie wolle weitere Massnahmen zur Lockerung der bereits expansiven Geldpolitik prüfen.

Zudem verfolgen Händler aufmerksam die Abstimmung über die Goldinitiative, welche die SNB in ihrer Geldpolitik und damit im Kampf um den Euro-Mindestkurs einschränken würde. Eine erste Umfrage hatte der Goldinitiative im Oktober noch mehr Befürworter als Gegner attestiert. In der neuesten Umfrage von vergangener Woche war es nun umgekehrt.

Leichte Entspannung

Der Druck auf den Euro-Franken-Kurs hat sich in den letzten Tagen etwas entspannt. Am Montagnachmittag notierte die Gemeinschaftswährung bei 1.2027 Franken.

SDA

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch