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«2017 war ein Ausnahmejahr»

Martin Nydegger, der neue Chef von Schweiz Tourismus, konnte an seinem ersten offiziellen Auftritt grossartige Zahlen verkünden. Doch nicht überall läuft es rosig.

Die Schweizer Hotellerie verzeichnete im vergangenen Jahr 37,4 Millionen Logiernächte.
Die Schweizer Hotellerie verzeichnete im vergangenen Jahr 37,4 Millionen Logiernächte.
Christian Beutler, Keystone
Asien ist weiterhin der Wachstumstreiber für den Schweizer Tourismus.
Asien ist weiterhin der Wachstumstreiber für den Schweizer Tourismus.
Alexandra Wey, Keystone
Mit Zuwächsen zwischen 5 und 8 Prozent verzeichneten insbesondere die Berggebiete nach Jahren im Sinkflug wieder ein deutliches Wachstum.
Mit Zuwächsen zwischen 5 und 8 Prozent verzeichneten insbesondere die Berggebiete nach Jahren im Sinkflug wieder ein deutliches Wachstum.
Alexandra Wey, Keystone
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Normalerweise erhalten Manager an neuer Position eine Schonzeit von 100 Tagen – Sie treten jetzt schon vor die Presse. Wie kommt das?Martin Nydegger: Ich bin zwar neu in meiner Position, aber ich habe ja bereits 12 Jahre für die Organisation gearbeitet und kenne viele Mechanismen. Hinzu kommt, dass meine Zeit als Direktor sehr gut begonnen hat. Wir haben für 2017 sehr positive Zahlen vermelden können. Das erleichtert den Start natürlich sehr.

Die Zahlen sind gut, alle Regionen vermelden mehr Übernachtungen – aber wie nachhaltig ist das? Das Wetter kann sich wieder ändern, Währungen wieder schwächer werden… Das ist so. Der Tourismus ist eine fragile Branche. Damit es gut kommt, müssen alle Faktoren stimmen, aber es reicht einer, damit es wieder schlechter läuft. Im letzten Jahr hatten wir tatsächlich ein sehr gutes Zusammenspiel von Wirtschaftsentwicklung, Währungseffekten und Wetter.

Das heisst, im nächsten Jahr kann es genauso gut wieder abwärtsgehen? Nein, so drastisch ist es nicht. Die Branche hat auch ihre Hausaufgaben gemacht, es wurde investiert, kooperiert, die Kosten wurden gesenkt. Das heisst, die Preise konnten auch sinken. Die Ergebnisse 2017 sind auch der Lohn dafür.

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Tourismus immer unwichtiger

Was der Schweizer Tourismus zu Wirtschaft und Beschäftigung beiträgt

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Bei den Regionen waren Zürich und Bern die Top-Performer. Wurde dort etwas besser gemacht als anderswo? Zürich ist eine Boomstadt und läuft schon länger gut. In anderen Städten spielt immer auch der Geschäftstourismus eine wichtige Rolle. Wenn die Wirtschaft boomt, gibt es mehr Business-Reisende. Und das schlägt sich in Übernachtungszahlen nieder.

Sinkende Preise bedeuten vor allem auch für Hotels geringere Margen. Wie lange kann das gut gehen? Die Hotellerie ist ohnehin sehr dünnmargig, ja. Da erträgt es kaum grosse Veränderungen. Aber es wurde dort auch in erster Linie optimiert. Und es wurden viele Kooperationen eingegangen, die die Effizienz gesteigert haben, etwa im Marketing.

Beim Marketing heben Sie vor allem Korea und Indien hervor. In beiden Ländern setzen Sie auf Stars, die auf Social Media erfolgreich sind. Und in beiden Ländern fällt die Steigerung der Übernachtungszahlen mit rund 23 respektive 35 Prozent enorm aus. Ist das Marketing dort wirklich der Hauptgrund? Sicherlich spielte das Marketing eine Rolle. In beiden Ländern läuft das Marketing über Köpfe, die dort sehr bekannt sind. In Korea funktioniert es eher so, dass die Fans den Stars alles nachmachen – also tatsächlich auch nach-reisen, wo der Star vor-reist. In Indien ist die Schweiz in den Köpfen der Menschen dagegen ohnehin schon eine Traumdestination.

Also – warum dann Geld in die Kooperation mit einem Bollywoodstar stecken? Ranveer Singh steht für eine neue Generation Inder. Er bricht viele Konventionen und spricht damit viele junge Inder an. Dank ihm erreichen wir diese.

Sind in anderen Ländern auch solche Influencerkampagnen geplant? Grundsätzlich ist der asiatische Raum dafür viel besser geeignet, die Asiaten sind da affiner. Sehr wichtig sind in dem Bereich auch die Golfstaaten. Dort haben wir dann aber nicht unbedingt die Superstars, sondern Leute, die in einem bestimmten Bereich besonders kompetent sind.

In der Werbebranche beäugt man Influencer eher kritisch. Wir sind da auch vorsichtig. Man muss aufpassen, weil das schnell missbraucht werden kann. Daher prüfen wir jede Kooperation dreimal, bevor wir sie eingehen.

Gibt es Märkte, die in den vergangenen Jahren vernachlässigt wurden? Vernachlässigt – nein. Aber es gibt Märkte, die mehr gelitten haben als andere. Japan zum Beispiel lief in den letzten 10 bis 15 Jahren nicht so gut, dort mussten wir sogar abbauen, und nun müssen wir dort wieder sorgfältig aufbauen. Russland hat vor allem wegen der Sanktionen und der Wirtschaftskrise keine gute Performance hingelegt, da konnten wir nicht viel dagegen tun.

Aber in beiden Ländern ging es jetzt wieder aufwärts. 2017 war ein Ausnahmejahr und daher müssen wir es vorsichtig betrachten. Die Entwicklung ist positiv, ja, aber in der langen Frist haben wir noch sehr viel Arbeit vor uns.

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