Thömu Binggeli findet neue Investoren für Stromer

Der Berner Unternehmer Thomas Binggeli hat neue Investoren für den E-Bike Hersteller Stromer gefunden. Und er löst das Unternehmen wieder aus der BMC Group von YB-Mitbesitzer Andy Rihs heraus.

Hohe Ziele: Stromer-Gründer und Mitinhaber Thomas Binggeli will das E-Bike intelligenter machen. Hier 2014 bei einer Modellpräsentation.

Hohe Ziele: Stromer-Gründer und Mitinhaber Thomas Binggeli will das E-Bike intelligenter machen. Hier 2014 bei einer Modellpräsentation. Bild: Susanne Keller

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Es war eine lange Suche. In den vergangenen acht Monaten wurde sie nochmals intensiver. Der Berner Velounternehmer Thomas Binggeli hat bei seiner Suche nach Investoren für die von ihm gegründete My Stromer AG auch prominente ­Namen wie Ernesto Bertarelli kontaktiert. Am Ende verliefen diese Kontakte indes ohne konkrete Resultate.

Doch nun ist er fündig geworden. Er hat eine Gruppe von Investoren an Bord gebracht, welche sich mit einem zweistelligen Millionenbetrag beim E-Bike-Hersteller engagiert. Zu den neuen Mitbesitzern gehören der ­Uh­renunternehmer Ernst Thomke, die Noser-Gruppe des Zürcher FDP-Ständerats und Informatikunternehmers Ruedi Noser und der Unternehmer Stefan Schwab, Chef und Mit­inhaber der Uhrenfederfabrik Schwab-Feller in Büren an der Aare. Hinzu kommen Investoren aus der Finanzindustrie, die nicht genannt werden wollen.

Die Gruppe beteiligt sich mit einer zweistelligen Millionensumme an der My Stromer AG. Die genauen Beteiligungs­verhältnisse gibt das Unternehmen nicht bekannt.

Abspaltung der BMC Group

Im Rahmen der neuen Lösung wird die My Stromer AG aus der BMC Group von Andy Rihs ­herausgelöst. Rihs hatte vor sechs Jahren eine Mehrheitsbeteiligung an der My Stromer AG gekauft und das Unternehmen unter das Dach seiner BMC Group mit Sitz in Grenchen gestellt. Der jetzige Schritt bedeutet eine Strategieänderung, die allerdings ­wenig überraschend kommt. «Der Stromer ist nach der anspruchsvollen Phase des Marktaufbaus nach wie vor technologischer Vorreiter und jetzt international etabliert.

Er ist definitiv reif für die Eigenständigkeit», lässt sich Rihs in der ­Medienmitteilung zitieren. Binggeli fügt als weitere Begründung an, dass es zwischen BMC, einer Herstellerin von Rennrädern, und Stromer immer weniger ­Synergien gegeben habe: «Die wichtigste Zielgruppe für Stromer sind Alltagsfahrer und Pendler. Das ist ein anderer Absatzmarkt als derjenige der Renn­räder von BMC. Zudem wird die Software immer wichtiger. Deshalb braucht Stromer heute eher ein Umfeld in der Informationstechnologie als im Bereich der Fahrradherstellung», erklärt er.

YB-Mäzen Andy Rihs bleibt als Privatinvestor weiterhin an der My Stromer AG beteiligt. Zusammen mit Thomas Binggeli hält Rihs weiterhin die Mehrheit der Aktien. Auch personell kommt es zu Veränderungen: Thomas Binggeli tritt als Präsident der BMC Group ab. Er wird sich künftig um die Weiterentwicklung der von ihm gegründeten Unternehmen Thömus und Stromer kümmern. Dem Verwaltungsrat der My Stromer AG werden die drei Investoren Thomas Binggeli, Ruedi Noser und Stefan Schwab angehören. Wer das Präsidium übernehmen wird, ist laut Binggeli noch offen.

Hohe Aufbaukosten

Der Aufbau der My Stromer AG war mit hohen Investitionen verbunden, die bislang noch nicht eingespielt werden konnten. Dem Vernehmen nach geht es ­dabei um den Betrag von rund 40 Millionen Franken. Mit den neuen Besitzverhältnissen will Rihs wohl auch ein Zeichen setzen. Stromer soll sozusagen verstärkt auf eigenen Rädern stehen. Und nicht mehr mit Finanzspritzen des 74-Jährigen rechnen.

Laut Binggeli erzielt das Unternehmen einen Umsatz von rund 30 Millionen Franken und beschäftigt 85 Mitarbeiter, den grössten Teil davon in Oberwangen. Gewinnzahlen gibt das Unternehmen nicht bekannt.

Seit April 2016 führt Peter Althaus den E-Bike-Hersteller. Unter seiner Führung soll der «voll kommunikationsfähige Stromer vom Elektrobike zum Digitalbike weiterentwickelt werden». Neben dem Pendlermarkt sieht die Stromer-Führung auch im Markt für Fahrzeuge, die von mehreren Nutzern geteilt werden, Potenzial.

Im Gegensatz zu den Pionierjahren sieht sich die Stromer AG nun der Konkurrenz von grossen Herstellern ausgesetzt, die auch ins E-Bike-Geschäft eingestiegen sind. Doch Binggeli ist zuversichtlich: «Ich glaube fest daran, dass wir uns als kleiner Hersteller im Markt behaupten werden. Wir können viel rascher entscheiden als Konkurrenten, die in einem Grosskonzern eingebunden sind», betont er. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.03.2017, 12:23 Uhr

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