Air Berlin ist pleite

Berlin

Die Fluggesellschaft Air Berlin hat einen Insolvenzantrag gestellt. Die Bundesregierung hält die Fluglinie mit Finanzhilfen vorerst in der Luft. Übernahmegespräche laufen, Sorgen um die Arbeitsplätze bleiben.

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Es war ein Schock mit Ansage. Die schon länger taumelnde Fluggesellschaft Air Berlin hat am Dienstag einen Insolvenzantrag gestellt. Der Flugbetrieb geht dank staatlicher Hilfen vorerst weiter. Verhandlungen über einen Verkauf von Unternehmensteilen unter anderem an die Lufthansa sind offenbar weit gediehen.

Etihad dreht Geldhahn zu

Air Berlin fliegt seit Jahren in den tiefroten Zahlen, nur 2012 gab es einen Mini-Gewinn. 2016 lag der Verlust bei 780 Millionen Euro (890 Millionen Franken). Seit 2012 ist Etihad aus Abu Dhabi mit 29,2 Prozent Grossaktionär. Die Golf-Fluglinie hielt die Tochter mit Geldspritzen in der Luft. Nun haben die Araber den Hahn zugedreht, wie Air Berlin mitteilte. Damit bestehe «keine positive Fortführungsperspektive mehr». Es blieb nur noch der Gang zum Amtsgericht Berlin-Charlottenburg.

Flugbetrieb für drei Monate gesichert

Eigentlich müsste die Fluggesellschaft den Flugbetrieb einstellen. Doch die Bundesregierung gewährt über die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) einen Überbrückungskredit über 150 Millionen Euro. So kann der Flugbetrieb in vollem Umfang für etwa drei Monate weitergehen.

Alle Flugpläne bleiben gültig, ebenso die gebuchten Tickets. Alle Flüge sind weiter buchbar. Ansonsten wären zehntausende Reisende und Urlauber irgendwo auf der Welt mitten im Sommer gestrandet. Solche Bilder vermeidet eine Regierung gern, erst recht knapp sechs Wochen vor der Bundestagswahl.

Es gibt aktuell Verhandlungen mit der Lufthansa und einer weiteren ungenannten Fluglinie zur Übernahme von Unternehmensteilen. Die Gespräche seien «weit fortgeschritten», erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. Entscheidungen könnten in den nächsten Wochen «finalisiert» werden. Die Lufthansa selbst will die Gespräche «zu einem schnellen und positiven Ergebnis führen».

Die grösste deutsche Fluggesellschaft hatte mehrfach Interesse an einem Einstieg beim einstigen Rivalen signalisiert, ohne aber den Schuldenberg von über 1 Milliarde Euro übernehmen zu wollen. Dass Air Berlin den Geschäftsbetrieb vorerst aufrechterhalten kann, ist auch für die Kranich-Linie relevant. 38 von Air Berlin geleaste Maschinen fliegen derzeit für die Lufthansa-Töchter Eurowings und Austrian Airlines.

Sorge um Arbeitsplätze

Politik und Gewerkschaften sorgen sich nun um die rund 8400 Beschäftigten bei Air Berlin, die meisten davon an den Drehkreuzen Berlin und Düsseldorf. Wie viele im Lufthansa-Konzern oder anderswo unterkommen, ist unklar. Der Chef der Pilotenvereinigung Cockpit, Ilja Schulz, verwies auf den wachsenden Flugbetrieb in Deutschland und setzt darauf, dass die deutschen Arbeitsstellen erhalten werden können.

Skeptischer ist Christine Behle vom Bundesvorstand der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. «Wir haben grosse Sorge um die Arbeitsplätze der Beschäftigten.» Der Erhalt der Stellen müsse oberste Priorität haben. Auch Berlins Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke) befürchtet, dass ein Teil der Arbeitsplätze wegfallen könnte.

Air Berlin befindet sich schon länger im Dauerkrisenmodus, doch erst 2017 haben auch die Passagiere dies in grösserem Umfang zu spüren bekommen. Der Wechsel des Bodendienstleisters führte zum Kofferchaos in Berlin, dann fielen immer mehr Flüge aus. Vorstandschef Thomas Winkelmann, der vierte seit 2011, bat öffentlich um Entschuldigung.

Im Frühjahr stellte Air Berlin seine Flüge nach Mallorca ein, es war ein Symbol für den Niedergang. Die Flüge auf die Ferieninsel hat die 1978 gegründete Fluggesellschaft grossgemacht. Das Mallorca-Geschäft besorgt nun die österreichische Air Berlin-Tochter Niki, die von Etihad ganz übernommen werden soll. Für Niki wurde kein Insolvenzantrag gestellt.

Berner Zeitung

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