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Bern ist für Veolia ein idealer Standort

Der Konzern Veolia Environnement will in der Schweiz stärker werden. Gonzague Dejounay, Chef von Veolia Schweiz, will in Wimmis ein neues Recycling-Kompetenzzentrum errichten.

Veolia Schweiz eröffnet in Muri eine neue Niederlassung für die Deutschschweiz. Was ist der Grund für diesen Schritt? Gonzague Dejounay: Bisher war Veolia vor allem in der Westschweiz präsent. Unser Ziel ist, dass Veolia in der ganzen Schweiz zu einer anerkannten Marke wird, und wir unsere Dienstleistungen schweizweit anbieten können. Das Büro in Muri mit rund 10 Mitarbeitenden wird sich vor allem um die Aktivitäten in der Deutschschweiz kümmern. Unser Hauptsitz in der Schweiz bleibt in Lausanne. Da Bern eine Brücke zwischen der Deutsch- und Westschweiz ist, ist dies für uns ein idealer Standort.

In Wimmis betreibt Veolia über die Firma Batrec das Batterie-Recycling für die Schweiz. 12 Millionen hat Veolia in neue Anlagen investiert. Haben Sie in Wimmis noch weitere Pläne? Ja, das haben wir. Batrec in Wimmis hat ein enormes Wissen auf dem Gebiet von Batterien-Recycling – da sind wir weltweit führend. Dieses Wissen wollen wir erweitern und die Batrec zu einem weltweiten Kompetenzzentrum in einem Nischenmarkt machen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Künftig müssen auch die neuen Batterien, die heute in Elektroautos und Hybrid-Fahrzeugen verwendet werden, rezykliert werden. Unser Ziel ist, dass wir hier mittelfristig eine Lösung finden, mit der wir auf industrieller Basis die neue Generation von Batterien wiederverwerten können.

Veolia ist an Aufträgen von Städten und Gemeinden in den Bereichen Transport, Entsorgung, Wasser und Energie interessiert. Welche Sparte hat in der Schweiz für Veolia das grösste Potenzial? Das ist höchstwahrscheinlich die klassische Abfallentsorgung. Der Markt in der Schweiz ist heute von vielen kleinen Anbietern geprägt. Da wird es in den nächsten Jahren – infolge ungeregelter Nachfolge – zu einer Konzentration kommen. Das bietet für uns eine Chance, hier vermehrt unsere Dienste anzubieten. Zudem werden auch bei der Abfallentsorgung die Ansprüche immer höher. Um diese zu erfüllen, sind hohe Investitionen und viel Knowhow nötig. Kleinere Unternehmen können dies ohne Partner nicht machen.

In der Schweiz ist die Politik gegenüber Ausgliederungen an private Partner bisher zurückhaltend. Warum ist das so? Das hat verschiedene Gründe. Ein wichtiger Grund ist beispielsweise der Föderalismus: die öffentlichen Dienstleistungen sind in der Schweiz bekanntlich immer noch kleinräumig organisiert. Das verhindert, dass überhaupt grössere Volumen in den genannten Sparten für private Auftragnehmer auf den Markt kommen. Doch mit dem Trend zu grösseren Gemeinden ändert sich dies, und für uns entstehen potenzielle Kunden.

Was sind für Gemeinden und Städte die Vorteile, wenn sie Dienstleistungen durch einen privaten Dienstleister erbringen lassen? Eine Gemeinde kann sich damit von sehr komplexen und anspruchsvollen Aufgaben entlasten und sich auf Kernaufgaben konzentrieren. Die Ansprüche an Entsorgung und Versorgung werden weiter zunehmen, was viel Erfahrung, Wissen und oft hohe Investitionen erfordert. Zudem werden die Kosten bei einer Ausgliederung völlig isoliert und damit besser kalkulierbar. Als weltweit grösster Anbieter von Umweltdienstleistungen verfügen wir einfach über die Erfahrung, auch komplexe Aufgaben – seien sie klein oder gross – meistern zu können.

Hat eine Ausgliederung an einen privaten Partner für eine Gemeinde tiefere Kosten zur Folge? Das hängt von der Komplexität der Aufgabe ab, die Veolia für einen Kunden übernimmt. Oft sind wir günstiger, man kann aber nicht sagen, dass der private Anbieter immer günstiger ist. Neben dem Preis spielt die Qualität eine wichtige Rolle. Sie wollen beispielsweise nicht einfach das billigste Wasser, sondern auch das beste, sauberste und gesündeste.

Skeptiker sagen, dass man die Wasserversorgung nie privatisieren dürfe, weil man sonst die Kontrolle darüber verlieren würde. Was entgegnen Sie dazu? Wasser gehört per Definition allen. Also kann man es weder verstaatlichen noch privatisieren. Das Wort Privatisierung ist hier aber sowieso falsch, weil es einen falschen Eindruck vermittelt. Veolia betreibt für viele Städte in Europa die Wasserversorgung. Die Infrastruktur bleibt meistens bei der öffentlichen Hand. Wir sind also ein reiner Betreiber mit einem klaren Leistungsauftrag, der vom Kunden ständig überprüft werden kann. Mit einer eigentlichen Privatisierung hat dies nichts zu tun.

Veolia hat sich vor zwei Jahren für den Betrieb von Buslinien in der Region Worb beworben – und ging leer aus. Wird Veolia auch an künftigen Ausschreibungen teilnehmen? Wir nehmen an jeder Ausschreibung von öffentlichen Verkehrsmitteln, aber auch von anderen Services teil. Wir betreiben bereits in Genf die Busstrecke zwischen dem Flughafen und dem Zentrum. Gerne würden wir aber zeigen, was Veolia auf diesem Gebiet zu bieten hat. Wir sind europaweit der grösste private Betreiber im öffentlichen Verkehr.

Bisher ist Veolia bei Ausschreibungen im öffentlichen Verkehr mit einer Ausnahme noch nie zum Zuge gekommen. Merken Sie, dass man in der Schweiz vor dem grossen französischen Weltkonzern Veolia auch ein wenig Angst hat? Ja, eine gewisse Skepsis merken wir schon. Nun ist es unsere Aufgabe, den Gemeinden und Städten zu erklären, dass Veolia ein Partner vor Ort ist, mit dem man zusammenarbeiten kann. Wir wollen unseren Partnern zeigen, dass wir ein Unternehmen sind, das in der Schweiz verwurzelt ist und hier Arbeitsplätze schafft.

Kommt es für Veolia Schweiz in Frage, auch im Bereich Transport ein Schweizer Unternehmen zu kaufen? Ja, das ist durchaus eine Möglichkeit. Wir haben bereits in Genf eine Busfirma gekauft. Sollten sich weitere Chancen bieten, werden wir diese nutzen. Dies bezieht sich ausserdem nicht nur auf den Bereich Transport. Sobald die Krise vorbei ist, sind wir für weitere Akquisitionen in allen Bereichen bereit.

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