BKW plant Ausbau auf 10'000 Stellen

Die Einkaufstour der BKW ist trotz Kritik aus dem Gewerbe noch lange nicht fertig. Konzernchefin ­Suzanne Thoma führt weitere Übernahmeverhandlungen. Die Zahl der Mitarbeitenden soll sich auf 10'000 verdoppeln.

BKW-Chefin Suzanne Thoma hat grosse Pläne für den Konzern.

BKW-Chefin Suzanne Thoma hat grosse Pläne für den Konzern.

(Bild: Urs Baumann)

Julian Witschi

Wenn BKW-Chefin Suzanne Tho­ma ihre Strategie durchzieht, dann wird der Konzern mit der Bernische Kraftwerke AG von einst nicht mehr viel zu tun haben. Sowohl Bern als auch die Kraftwerke verlieren markant an Bedeutung: «Unser Ziel sind drei etwa gleich grosse Standbeine: Energie, Netze und Dienstleistungen», sagte Thoma am Freitag an einem Mediengespräch. Und: «Die Expansion im Geschäft mit Ingenieur- und Netzdienstleistungen sowie in der Gebäudetechnik setzen wir fort.» Dies vor allem in Nachbarländern sowie in der ganzen Schweiz.

Wie weit soll das gehen? Ziel ist, dass das gesamte Dienstleistungsgeschäft bis 2024 oder schon früher rund ein Drittel oder 100 bis 110 Millionen Franken zum Betriebsgewinn des Konzerns beiträgt. «Ende 2017 wollen wir dieses Ziel zu mehr als einem Drittel erreicht haben», sagte Thoma.

Die Zahl der Mitarbeitenden der BKW dürfte in der Folge in den nächsten Jahren von aktuell 6000 «auf gegen 10'000 im ganzen Konzern» steigen. Dies zu einem grossen Teil durch die Übernahmen im Dienstleistungsgeschäft, sagte Thoma. Zum Vergleich: Ende 2016 verfügte die BKW über 5000 Vollzeitstellen. Als Thoma 2013 Chefin wurde, waren es erst rund 3000. Das grösste Risiko für die BKW sieht die Chefin nicht in der starken Expansion im Dienstleistungs­geschäft, «sondern bei den Produktionsanlagen und dem tiefen Strompreis».

Kritik der Gewerbler

Mit dem rasanten Wachstum eckt die BKW trotzdem an. Der Gewerbeverband Berner KMU hat vor einigen Monaten eine auf die BKW gemünzte Kampagne lanciert. Unter dem Titel «Fair ist anders» kritisieren die Gewerbler, dass Unternehmen der öffentlichen Hand ihre Monopolstellung ausnutzten und mit ­neuen Dienstleistungen oder ­Firmenübernahmen zu direkten Konkurrenten der KMU würden.

Die BKW-Chefin weist die Kritik rundum zurück. Der Markt­anteil der BKW im Gebäudetechnikgeschäft im Kanton Bern betrage lediglich 2 Prozent. Ziel sei es, in der Schweiz gerade mal zur Nummer 5 zu werden. Es laufe sowieso eine Marktkonsolidierung, weil die Technologien und auch die Kundenanforderungen immer komplexer würden und zudem viele Patrons von Ingenieurbüros und Gebäudetechnikfirmen mit Nachfolgeproblemen kämpften.

«Wir sind längst nicht alleine am Einkaufen, sondern auch internationale Grossunternehmen drängen in den Schweizer Markt», sagte Thoma. Die BKW bezahle auch keine überhöhten Preise, sondern Marktpreise und kaufe nur, wenn es ein gutes Geschäft sei.

Monopole relativiert

Die Vorbehalte gegenüber der BKW-Expansion will Thoma nicht verstehen. Allerdings verfügt das Unternehmen in seinem Stammgebiet über ein Monopol bei den Verteilnetzen und über gefangene Kleinkunden, die den Anbieter nicht wechseln können. Von einer Netz-Monopolrente will die BKW-Chefin aber nichts wissen: «Wir verfügen über ein physisches Monopol, nicht über ein Preismonopol.» Denn die über die Netzgebühren einziehbare Rendite auf den Investitionen ins Verteilnetz legt der Bundesrat fest. Mit 3,8 Prozent sei die Rendite unterdurchschnittlich.

Und das regulierte Kleinkundengeschäft sei verhältnismässig unbedeutend: Nur rund 15 Prozent der Stromproduktion der BKW gehe an gebundene Kunden, der grosse Rest werde am Markt verkauft, sagte Thoma. Zum Konzernumsatz steuerten die regulierten Kunden bloss rund 8 Prozent bei.

Kein Staatsbetrieb

Resolut zeigte sich die BKW-Chefin auch gegenüber Forderungen, der Kanton solle der Expansion des Unternehmens Grenzen setzen oder zum Beispiel die Ver­gütungen für Strom aus Solar­anlagen wieder erhöhen: «Die Einmischung der Politik mit Vorstössen im Parlament beginnt uns jetzt zu belasten», beklagte Thoma. Dabei sei die BKW, das werde oft vergessen, «ein börsenkotiertes Unternehmen des privaten Rechts und damit nach Gesetz und Statuten gewinnorientiert». Es bestehe kein Leistungsauftrag vom Kanton Bern, auch nicht energiepolitisch oder für den Wirtschaftsstandort.

Selbst die Abschaltung des Atomkraftwerks Mühleberg sei ein rein unternehmerischer ­Entscheid gewesen, bekräftigte Thoma. «Die Einflussnahme der Politik muss sich auf die Gesetzgebung beschränken.» Die BKW-Chefin bringt mit solchen Aussagen nochmals Pfeffer in die Debatte über den Aktienanteil des Kantons. In der Novembersession wird der Grosse Rat über den Vorschlag der Kantonsregierung beraten, wonach der Kanton künftig mindestens eine Sperrminorität von 34 Prozent und höchstens 60 Prozent der BKW-Anteile halten können soll. Heute liegt der Kantonsanteil bei über 52 Prozent.

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