Boeing 737 Max sollen wieder fliegen

Der US-Konzern arbeitet daran, dass der Flugzeugtyp nach zwei Abstürzen bald wieder starten darf. Allerdings stehen noch umfangreiche Tests an.

Die 737 Max soll bald wieder starten: Boeing-Werk in Seattle. Foto: Lindsey Wasson, Reuters

Die 737 Max soll bald wieder starten: Boeing-Werk in Seattle. Foto: Lindsey Wasson, Reuters

Jens Flottau@AirFlottau

Mehr als fünf Monate nachdem Luftfahrtbehörden weltweit das wichtigste Modell des US-Konzerns Boeing, die 737 Max, aus dem Verkehr gezogen haben, hat Boeing intern einen Zeitplan entwickelt. In den nächsten Wochen sollen nun wirklich alle Änderungen zur Genehmigung vorgelegt werden, damit der Bann im vierten Quartal aufgehoben werden kann.

Boeing kündigte an, demnächst mehrere Hundert Mitarbeiter in Moses Lake im US-Bundesstaat Washington anzustellen. Moses Lake ist ein kleiner Ort, hat aber einen Flughafen, den Boeing und andere Hersteller gerne für Flugtests verwenden. Derzeit ist der Flughafen aber mehr ein Parkplatz für Dutzende 737 Max, die dort abgestellt sind. Denn die Flächen in Seattle und dem Vorort Renton sind längst voll belegt.

Nun sollen die Maschinen dort bald reaktiviert werden, um dann zum Boeing Field nach Seattle zurückgeflogen zu werden. Dort werden sie in den nächsten Monaten mit neuer Software ausgeliefert werden.

Auch den Lieferanten hat Boeing nun offenbar konkreter mitgeteilt, wie die Produktion wieder beschleunigt werden kann. Noch vor Wochen hatte Konzernchef Dennis Muilenburg die Investoren mit der Aussage aufgeschreckt, dass die Montage der 737 bei einer noch längeren Wartezeit für eine Weile ganz ausgesetzt werden könne. Derzeit werden jeden Monat 42 Maschinen des Typs 737 auf Halde produziert, zehn weniger als vor dem Flugverbot.

Seit März am Boden

Die 737 Max war nach zwei Abstürzen von Maschinen der indonesischen Lion Air und Ethiopian Airlines, bei denen 346 Menschen ums Leben kamen, am 12. März dieses Jahres aus dem Verkehr gezogen worden.

Boeing ist inzwischen erstmals von einem Abnehmer des Unglücksfliegers auf Schadenersatz verklagt worden. Die zum russischen Staatsbetrieb Rostec gehörende Firma Avia Capital Services beschuldigt Boeing, beim Verkauf der 737 Max Informationen zur Flugtauglichkeit verschwiegen und Vertragsbruch begangen zu haben.

Bei beiden Unfällen hat eine Steuerungssoftware, die zur Unzeit mutmasslich wegen falscher Sensordaten eingriff, eine entscheidende Rolle gespielt. Boeing hat das sogenannte Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS) grundlegend überarbeitet und weitgehend entschärft, die US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) verlangte ausserdem weitere Änderungen, die die Rückkehr der Boeing 737 Max noch zusätzlich verzögert haben.

Es kann gut sein, dass die FAA Boeing aber noch einmal einen Strich durch die Rechnung macht. Denn das Rückkehrprozedere klingt nach einer sehr umfangreichen Aktion. Nicht nur die neue Software wird untersucht. Die Behörde will zudem Piloten aus aller Welt, darunter auch unerfahrene Co-Piloten, einladen und zur Probe fliegen lassen. So will sie sicherstellen, dass ganz normale Linienpiloten, die nicht extra geschult sind, das MCAS-System beherrschen können.

Behörden lassen sich Zeit

Der FAA ist es jedenfalls immer noch wichtig zu betonen: «Wir haben keinen Zeitplan», so der stellvertretende FAA-Chef Dan Elwell. Es gilt, nur nicht den Eindruck zu erwecken, als gäbe es irgendwelche Vorabsprachen mit dem Flugzeughersteller Boeing, was das Ende des Flugverbots für dessen 737-Max-Baureihe angeht. Wenn Boeing die überarbeitete Flug-Software vorlege, dann werde diese geprüft. Und dies dauere dann so lange, wie es eben dauere.

Es gibt aber noch eine weitere grosse Unbekannte: Die internationalen Aufsichtsbehörden wie die European Aviation Safety Agency wollen nach den schlechten Erfahrungen, die sie mit der FAA gemacht haben, die 737-Max-Baureihe selbst ausführlich prüfen. Schon um dies zu dokumentieren, dürfte sich die Testphase für das Flugzeug wohl noch einmal um etliche Wochen verlängern.

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