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Cola-Riesen reissen sich um süsse Blätter

Coca-Cola und Pepsi-Cola rivalisieren, wer als erster seine Getränke mit kalorienfreiem Süssstoff aus der Stevia-Pflanze anbieten kann. Die Substanz ist aber nicht unumstritten.

Zwei von drei Amerikanern sind übergewichtig, jeder Vierte ist sogar fettleibig. Mit schuld daran sind die Süssgetränke. In einer einzigen Dose stecken 39 Gramm Zucker, sieben Teelöffel. Jeder Amerikaner trinkt aber pro Jahr im Schnitt 200 Liter kohlensäurehaltige Süssgetränke.

Coca-Cola und Pepsi-Cola, die grössten Getränkehersteller der Welt, versuchen seit Jahrzehnten mithilfe verschiedener Süssstoffe, kalorienarme Getränke auf den Markt zu bringen, die den Geschmack der Konsumenten treffen. Vor einem Jahr teilte Coca-Cola mit, an der Entwicklung eines neuen, natürlichen Süssstoffs zu arbeiten. Vor einigen Tagen hat der ewige Rivale Pepsi angekündigt, bereits in wenigen Wochen ein Getränk namens SoBe Life auf den Markt zu bringen, das diese Art von Süssstoff enthält.

Gesundheitswächter sind skeptisch

Beide Konzerne setzen ihre Hoffnungen auf süsse Marktaussichten in die Stevia-Pflanze. Dieses Kraut wächst in den tropischen Gebieten Süd- und Zentralamerikas und wird dort schon seit langem als Zuckerersatz verwendet. Stevia ist allerdings umstritten. In der Schweiz und in der EU ist sie als Lebensmittel nicht zugelassen, in Japan und Brasilien hingegen seit den 70er-Jahren weit verbreitet.

Das Bundesamt für Gesundheit weist darauf hin, dass immer noch Daten für eine abschliessende Beurteilung fehlen. Deshalb sei nicht auszuschliessen, «dass die Gesundheit der Konsumentinnen und Konsumenten durch die Inhaltsstoffe der Pflanze gefährdet werden kann». Recherchen des «Tages-Anzeigers» ergeben allerdings, dass Apotheken Stevia als Kraut oder als flüssiges Extrakt verkaufen.

In den USA kam eine Studie 1985 zum Schluss, dass zu wenig Informationen vorliegen, um die aus Stevia gewonnenen Substanzen für gesundheitlich unbedenklich zu erklären. Diese könnten offenbar die Zeugungsfähigkeit beeinträchtigen. Das US-Lebensmittelamt FDA hat die Einfuhr von Stevia-Produkten deshalb 1991 verboten; 1995 wurde das Verbot für bestimmte Diätprodukte gelockert.

Weder Coca-Cola noch Pepsi haben bisher den Segen der FDA für ihre neuen Getränke. Pepsi wird SoBe Life zunächst in Lateinamerika auf den Markt bringen, als erstes in Peru. Coca-Cola geht davon aus, die FDA-Genehmigung noch dieses Jahr zu erhalten, und will dann einen Softdrink mit dem neuen Süssstoff in den USA herausbringen. Beide Unternehmen argumentieren, ihr neues Produkt sei reiner als die bei den damaligen Tests verwendeten Substanzen.

Ein Süssstoff, der natürlich ist, keine Kalorien hat und ausserdem gut schmeckt, ist quasi der Heilige Gral der Getränkebranche - die Suche danach dauert schon lange und war bisher erfolglos. Geschmackstests mit der neuen Substanz, die bei Pepsi PureVia heisst und bei Coca-Cola Truvia, sind offenbar vielversprechend verlaufen, obwohl Stevia dafür bekannt ist, manchmal einen bitteren oder lakritzeartigen Nachgeschmack zu hinterlassen.

Pepsi und Coca-Cola arbeiten bei der Herstellung des neuen Süssstoffs mit Unternehmen zusammen, welche diesen als Zuckerersatz für den täglichen Gebrauch anbieten wollen.

Cola nicht als Erstes

Allerdings schmeckt nicht alles gleich gut, was mit Stevia gesüsst wird. Pepsi liess verlauten, dass man viel Zeit investiert habe, herauszufinden, welche Aromen mit PureVia zusammenpassen. Gut seien Zitrusgetränke, Getränke mit sehr starkem Eigengeschmack und nur leicht gesüsste Produkte. Cola hingegen sei heikler, sagte ein Pepsi-Vertreter dem «Wall Street Journal», da dessen Trinker «besonders anspruchsvoll» seien. Dennoch schliesst Pepsi nicht aus, dass es ein Cola-Getränk mit dem neuen Süssstoff geben wird.

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