Commerzbank streicht 9600 Stellen

Kahlschlag in der Finanzbranche: Die Commerzbank will nahezu jede fünfte Stelle des Unternehmens streichen. Der Stellenabbau sei Teil der strategischen und finanziellen Ziele bis 2020.

Einst ein stolzes Bankhaus: Der Sitz der Commerzbank (Mitte) in Frankfurt.

Einst ein stolzes Bankhaus: Der Sitz der Commerzbank (Mitte) in Frankfurt.

(Bild: Keystone Michael Probst)

Nach dem Milliardengewinn im Vorjahr ist die Commerzbank auf dem harten Boden der Tatsachen gelandet und setzt die Axt beim Personal an. Mit dem Abbau Tausender Jobs versucht die zweitgrösste deutsche Bank den Befreiungsschlag.

Zudem soll das Geschäft mit mittelgrossen Firmen radikal neu aufgestellt werden. Die endgültige Entscheidung soll am morgigen Freitag fallen.

Unter dem Strich bleiben 38'000 Vollzeitstellen

Nach den Plänen sollen einerseits 9600 Vollzeitstellen abgebaut werden, andererseits aber auch rund 2300 neue Stellen in Wachstumsfeldern entstehen. Sodass unter dem Strich rund 38'000 von derzeit rund 45'000 Vollzeitjobs bleiben.

Damit wandelt der seit Mai amtierende Konzernchef Martin Zielke auf den Spuren seines Vorgängers Martin Blessing: Dieser hatte seit 2013 etwa 5000 Stellen abgebaut. Blessing wechselte zur UBS, wo er seit Anfang Monat der Leiter des Schweizer Geschäfts ist.

Gewinneinbruch im Halbjahr

Die Commerzbank kämpft wie die Konkurrenz mit den Folgen des anhaltenden Zinstiefs und deutlich verschärften Auflagen der Aufseher. Im ersten Halbjahr brach der Überschuss im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 40 Prozent auf 372 Millionen Euro ein.

Nun gibt es einen radikalen Umbau. Aus bisher vier Sparten sollen zwei werden: Firmenkunden sowie Privat- und Unternehmerkunden. Das Geschäft mit mittelgrossen Unternehmen wird mit der weiter verkleinerten Investmentbank zusammengelegt, die kleineren Firmen werden im Privatkunden-Segment betreut.

Das Mittelstandgeschäft, lange der mit Abstand grösste Ertragsbringer des Konzerns, litt zuletzt immer stärker unter den niedrigen Zinsen. Im Investmentbanking will sich die Bank aus grossen Teilen des Handels zurückziehen.

«Dadurch werden Ergebnisvolatilität und Risiken aus regulatorischen Änderungen verringert sowie Kapital freigesetzt und in das Kerngeschäft mit Kunden investiert», hiess es in der Mitteilung.

Happige Abschreiber

In der bisherigen Mittelstandsbank und im Kapitalmarkt-Segment müssen rund 700 Millionen Euro abgeschrieben werden – etwa auf eigene Software und Kundenbeziehungen. Dadurch sei im dritten Quartal mit roten Zahlen zu rechnen – auch weil die Bank auf ihre Schiffskredite mehr abschreiben muss als zuletzt. Zum Jahresende will die Commerzbank aber noch knapp in der Gewinnzone bleiben.

Der Umbau soll 1,1 Milliarden Euro kosten. Deshalb streicht die Bank ihren Aktionären vorerst die Dividende. In Aussicht gestellt waren ursprünglich für dieses Jahr 20 Cent je Papier, es wäre die zweite Gewinnausschüttung seit der Finanzkrise gewesen.

2015 hatte die Commerzbank den Gewinn auf eine Milliarde Euro vervierfacht. Das war der erste Milliardengewinn seit fünf Jahren. Der langjährige Konzernchef Blessing konnte sich in diesem Frühjahr mit der ersten Dividende seit 2007 verabschieden. Doch schon damals wackelte das Vorhaben, den Milliardengewinn 2016 zu wiederholen. Im Sommer kassierte die Geschäftsleitung dieses Ziel.

kat/AFP

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