CS-Chef reist doch nicht an Saudi-Konferenz

Tidjane Thiam plante ursprünglich eine Teilnahme an der Investorenkonferenz in Riad.

Eine Reise nach Saudiarabien dürfte im Moment wohl zu heikel sein: CS-Chef Tidjane Thiam.

Eine Reise nach Saudiarabien dürfte im Moment wohl zu heikel sein: CS-Chef Tidjane Thiam.

(Bild: Keystone Ennio Leanza/Archiv)

Die Rede ist von einem «Davos in der Wüste». Die Crème de la Crème der Unternehmensführer aus Europa und den USA hatte sich angesagt für die am 23. Oktober beginnende dreitägige Konferenz in der saudischen Hauptstadt Riad, die unter dem Titel «Future Investment Initiative» steht.

Kronprinz Muhammad bin Salman will als Gastgeber dem hochkarätigen Publikum aufzeigen, wie er das ölabhängige Königreich in eine moderne, wissensbasierte Wirtschaft und einen Magneten für Investitionen aus aller Welt umzubauen beabsichtigt. Auch Tidjane Thiam, Chef der Credit Suisse, war entschlossen, Ende Oktober nach Riad zu reisen, wie ein Sprecher der Bank erst noch sagte.

CS als wichtiger Partner der Konferenz

Heute ist aber von Branchenkennern zu erfahren, dass Thiam nun doch nicht an die diesjährige Konferenz reist. Die Schweizer Grossbank zählt zu den wichtigsten Partnern der Konferenz. Letztes Jahr trat Thiam am Anlass auf. Auf einem Podium zum Thema Informationsgesellschaft diskutierte er unter anderem mit Siemens-Chef Joe Kaeser und Lubna Olayan. Die Geschäftsfrau vertritt die Firmengruppe Olayan aus Saudiarabien. Dabei handelt es sich um einen wichtigen Aktionär der CS.

Das ungeklärte Verschwinden des saudischen regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi in Istanbul wirft nun aber einen zusehends längeren Schatten auf den mit viel saudischem Prestige verbundenen Grossevent.

Namhafte Absagen

Wie am Wochenende bekannt wurde, hat Jamie Dimon, Konzernchef der grössten US-Bank J.P. Morgan Chase, seine Teilnahme am «Wüsten-WEF» abgesagt, ohne dies bislang zu begründen. Gleichzeitig strich auch der Verwaltungsratspräsident des US-Autobauers Ford, Bill Ford, eine geplante Reise nach Saudiarabien und andere Destinationen im Mittleren Osten.

Am Montag ist die Liste der Absagen noch länger geworden: Mit Larry Fink, Chef des weltgrössten Vermögensverwalters Blackrock, und Stephen Schwarzman, der die Private-Equity-Firma Blackstone leitet, wollen zwei weitere Schwergewichte aus dem US-Finanzsektor der saudischen Investorenkonferenz nun ebenfalls fernbleiben, wie die «Financial Times» berichtete.

Vor allem dem Rückzieher von Dimon kommt erhebliche Signalwirkung zu. Er ist der bisher bei weitem prominenteste Firmenchef, der einer Begegnung mit Salman aus dem Weg geht. Auf eine Teilnahme verzichtet hatten vor dem Wallstreet-Banker unter anderem schon Uber-Chef Dara Khosrowshahi – obwohl der saudische Staatsfonds Public Investment Fund an dem Fahrdienstvermittler beteiligt ist – sowie der britische Milliardär Richard Branson. Sollte sich das, was über das Verschwinden von Khashoggi in der Türkei berichtet worden sei, als wahr herausstellen, so sagte Branson letzte Woche, «würde dies die Fähigkeit von uns allen im Westen, Geschäfte mit der saudischen Regierung zu machen, zweifellos ändern».

US-Aussenminister Pompeo trifft König Salman in Riad

US-Aussenminister Mike Pompeo ist in der Affäre um den verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi in Saudiarabien mit König Salman zusammengetroffen. Bilder zeigten Pompeo zusammen mit dem Staatsoberhaupt im Palast in der saudischen Hauptstadt Riad. Über die genauen Inhalte des Gesprächs wurde zunächst nichts bekannt.

US-Präsident Donald Trump hatte seinen Aussenminister in das islamisch-konservative Königreich geschickt, um Licht in den rätselhaften Fall um den im saudischen Konsulat in Istanbul verschwundenen Journalisten und Regimekritiker Khashoggi zu bringen. Wenn es notwendig sein sollte, wird Pompeo etwa in die Türkei weiterreisen. Die türkischen Behörden gehen gemäss Medienberichten davon aus, dass der Journalist von einem aus Saudiarabien angereisten Spezialkommando getötet wurde.

cpm/sda

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