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Der Aktienkurs von Implenia implodiert

Der Bauriese korrigiert innerhalb von vier Monaten die Gewinnprognose zweimal nach unten. Grund sind Probleme im Auslandsgeschäft.

Verluste in einem boomenden Land: Implenia übernahm in Norwegen Projekte, die zu aggressiv kalkuliert waren. Foto: Kristofer Ryde
Verluste in einem boomenden Land: Implenia übernahm in Norwegen Projekte, die zu aggressiv kalkuliert waren. Foto: Kristofer Ryde

Die Übung gehört zum Standardrepertoire von Topmanagern: Nach Amtsantritt säubert der neue Chef die Bilanz, um die Altlasten noch dem Vorgänger anzuhängen. Im Fall von André Wyss, der seit Oktober den grössten Schweizer Baukonzern Implenia leitet, ging dieser Schuss aber gründlich nach hinten los.

So hat Wyss laut Impenia die «unternehmerischen und wirtschaftlichen Risiken» überprüft. Und wurde fündig: Implenia kündigte infolgedessen an, dass der Konzern im Auslandsgeschäft Wertberichtigungen auf Bauprojekte von 70 bis 90 Millionen Franken erwartet.

Damit dürfte der Betriebs­gewinn vor Zinsen und Steuern in diesem Jahr wohl nur noch 40 bis 60 Millionen Franken betragen. Dabei hatte Ende August der damalige Chef Anton Affentranger, der Ende September nach ­erbitterten Machtkämpfen im Unternehmen den Hut nahm, noch 130 Millionen Franken in Aussicht gestellt. Und selbst diese Gewinnerwartung war bereits um 10 Millionen nach unten korrigiert worden, schon damals wegen Zusatzlasten in der Problemsparte International.

Probleme verschwiegen?

Zwei böse Überraschungen innert knapp vier Monaten, das ist zu viel. Anleger flohen in Scharen aus der Implenia-Aktie, die 27 Prozent ihres Werts verlor. ­André Wyss muss jetzt Vertrauen zurückgewinnen, denn Finanzexperten zweifeln offen die Begründung für die erneute Wertberichtigung an.

Langzeitchef Affentranger wollte Implenia von der Abhängigkeit des Heimatmarktes Schweiz befreien. 2011 kaufte er einen norwegischen Tunnel­spezialisten, zuletzt erwarb Implenia Teile des deutschen Wettbewerbers Bilfinger.

Der Gang ins Ausland bereitet dem Konzern aber Probleme, vor allem in Norwegen. Statt vom ­Investitionsboom im erdölreichen Staat zu profitieren, übernahm Implenia Projekte, die zu aggressiv kalkuliert waren. Wegen daraus folgender Verluste korrigierte Affentranger die Gewinnaussichten für dieses Jahr im Sommer nach unten. Doch die Korrektur reichte nicht. Womit die Frage im Raum steht, ob Affentranger bei seinem letzten Auftritt im August das volle Ausmass der Probleme verschwieg. Ein Sprecher betont, dass die nun aufgetauchten neuen Schwierigkeiten in Süddeutschland und Polen im August noch nicht erkennbar gewesen seien.

«Diese Begründung überzeugt mich nicht», sagt Bernd Pomrehn, Analyst bei der Bank Vontobel. «Ich kann in der Baubranche keine neuen Faktoren erkennen, die solch eine starke Wertkorrektur rechtfertigen würden.»

Auch Bauingenieur Daniel Löhr, der als Privataktionär regelmässig an der Generalversammlung von Implenia als Mahner auftritt, sieht sich bestätigt: «Seit Jahren weise ich an der GV und in persönlichen Gesprächen auf die ungenügende Performance und die grossen, nicht kalkulierbaren Projektrisiken hin», sagt er. «Nun ist offensichtlich ein kleiner Teil davon an die Oberfläche gekommen. Aus meiner Sicht ist das erst der Anfang.»

Auf die Frage, wie gross das Risiko von weiteren Wertberichtigungen sei, verweist Implenia darauf, dass der Konzern beim Sonderabschreiber mit einer Bandbreite rechne und auf diese Weise die Unsicherheit herausnehme. Allerdings heisst es in der Mitteilung auch, dass die Erwartung eines Abschreibers von 70 bis 90 Millionen Franken «vom heutigen Kenntnisstand» ausgehe.

Zweifel an der Finanzstärke

Neben dem Vertrauensverlust kommen jetzt auch Zweifel an Implenias finanzieller Solidität auf. Denn aufgrund der Wert­berichtigung sinkt die Eigen­kapitalquote auf rund 20 Prozent; das ist weniger als im Branchenschnitt. «Meiner Ansicht nach wäre eine Kapitalerhöhung wirtschaftlich sinnvoll», sagt Vontobel-Experte Pomrehn.

Denn Implenia biete um den Bau von Grossprojekten mit. So ist der neue Gotthardtunnel eines der Vorzeigeprojekte des Konzerns. «Hier wollen die Kunden mit kapitalstarken Firmen zusammenarbeiten», erklärt Bernd Pomrehn.

Trotz aller Probleme will der neue Implenia-Chef André Wyss an der Auslandssparte festhalten. Details zur neuen Strategie will er Ende Februar verkünden. Dann hat er hoffentlich erfreulichere Nachrichten im Gepäck.

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