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Der beste Arbeitgeber der Welt

Die Silicon-Valley-Firma Netflix hält nichts von Vorschriften und Regelungen. Sie setzt maximales Vertrauen in ihre Mitarbeiter und bietet ihnen deswegen Urlaub à discretion.

Gute Idee: Netflix-CEO und -Gründer Reed Hastings 2004 in Beverly Hills.
Gute Idee: Netflix-CEO und -Gründer Reed Hastings 2004 in Beverly Hills.
Reuters

Es ist der heimliche Wunsch eines jeden Arbeitnehmers: Urlaub so viel man will. Beim US-Unternehmen Netflix ist dieser Traum zum Greifen nah: Die Netflix-Mitarbeiter haben kein beschränktes Ferien-Kontingent, sondern können unbegrenzt Urlaubstage einziehen. Dahinter steckt eine sehr liberale Unternehmens-Philosophie, die auf Vertrauen basiert.

In einer Power-Point-Präsentation, die derzeit in Blogs kursiert und gefeiert wird, erläutert Netflix seine Richtlinien – oder eben, das Fehlen von Richtlinien. Alles steht unter dem Kredo «Freiheit und Verantwortung». Was zählt, sind Resultate, wie und in welcher Zeit man eine Leistung erbracht hat, ist gemäss Netflix-Management sekundär.

«Richtlinien, Vorschriften, Regelungen und Bestimmungen sind Innovationskiller», sagt Netflix-Sprecher Steve Swasey gegenüber dem «Daily Telegraph».«Denn in der Zeit, in der du deine Arbeitszeit berechnest, bist du nicht innovativ.»

Warum Arbeitstage zählen?

Die Firma, welche in den USA Video-on-Demand bereitstellt, zählt rund 600 Angestellte. Knapp 15 Millionen Mitglieder leihen sich bei Netflix DVDs per Post oder schauen sich Filme via Streaming an.

Das Unternehmen war aber nicht von Beginn weg ohne Urlaubsregelung. 1997 gegründet, regelte Netflix bis ins Jahr 2004 den Urlaub, wie jede andere US-Firma: Die Freitage waren gezählt und jeder Urlaubsantrag wurde geprüft. Das bewahrte die Mitarbeiter jedoch nicht davor, am Wochenende ihre Mails zu checken oder bis tief in den Abend hinein zu arbeiten.

Das änderte sich erst, als Angestellte beim Chef erschienen. Sie fragten ihren Vorgesetzten, warum zwar ihre Arbeitstage, jedoch nicht die geleistete Arbeitszeit gezählt werden. Als Chef Reed Hastings darauf keine Antwort hatte, beschloss er, das System zu überdenken.

Nur eine Maxime

Ab da nahm sich Netflix vor, seinen Mitarbeitern möglichst viel Verantwortung zuzuschreiben, sie ernst zu nehmen und «wie Erwachsene» zu behandeln. Nicht nur die Urlaubstage können sie seitdem nach Belieben einziehen, sondern auch die Spesen nach eigenem Gutdünken berechnen. Einzige Maxime dabei: «Handle in Neflix’ bestem Interesse!»

Geschadet hat dies Netflix bisher nicht. Im Gegenteil: In den letzten Jahren verzeichnet der Videoverleiher ein rasantes Wachstum, das ihn sogar sicher durch die Krise bringt. Im Jahr 2010 wird mit einem Umsatz zwischen 2,11 und 2,16 Mrd. Dollar gerechnet. ausserdem hat Netflix kürzlich einen Riesen-Deal mit drei grossen Hollywood-Filmverleihern geschlossen, deren Filme Netflix in den nächsten fünf Jahren als Stream nutzen darf.

15 Tage Urlaub ist Durchschnitt

Auch Dozent und Web-Kenner Clay Shirky glaubt, dass es sich lohnt, Vertrauen in die Mitarbeiter zu setzen. Systeme, welche von einem Grundmisstrauen gegenüber dem Angestellten ausgehen, würden diese Gefühle beim Arbeitnehmer nur verstärken. Die Mitarbeiter würden in diesem Fall alle Grenzen ausreizen, um Kontrollen zu umgehen.

So gut sich die Idee auch anhört, ganz so paradiesisch ist sie nicht. Denn in den USA gibt es kein Gesetz, das einen Mindesturlaub regelt. Im Schnitt gewähren US-Firmen ihren Mitarbeitern darum nur rund 15 Tage Urlaub. Auch ohne Beschränkung beziehen Arbeitnehmer ergo nicht gleich 12 Wochen. Wie viele es tatsächlich sind, lässt sich jedoch nicht mehr festmachen, da ja nicht mehr gezählt wird.

Und auch der Nachahmereffekt ist nicht besonders hoch: Gemäss einer Umfrage lassen nur rund ein Prozent der befragten US-Firmen ihre Mitarbeiter unbegrenzt Urlaub beziehen.

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