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Der Betreiber der New Yorker Börse greift nach Ebay

ICE bestätigt Interesse am elektronischen Handelsplatz. Experten sehen in dem Schritt eine ungewöhnliche Logik.

Jonas Schulze
Zu Beginn der 2000er-Jahre war Ebay noch ein Star auf dem schnell wachsenden Online-Markt: Der deutsche Hauptsitz in Kleinmachnow im Süden Berlins. Foto: Fabrizio Bensch (Reuters)
Zu Beginn der 2000er-Jahre war Ebay noch ein Star auf dem schnell wachsenden Online-Markt: Der deutsche Hauptsitz in Kleinmachnow im Süden Berlins. Foto: Fabrizio Bensch (Reuters)

Das US-Unternehmen Intercontinental Exchange (ICE) betreibt in New York die grösste Wertpapierbörse der Welt, die NYSE. Doch die Firma kann sich vorstellen, auch mit anderen Dingen zu handeln: Wie das «Wall Street Journal» berichtet, hat ICE dem Online-Händler Ebay ein Übernahmeangebot gemacht. Nach Erscheinen des Berichts bestätigte der Börsenbetreiber sein Interesse an Ebay in einer Medienmitteilung.

Die Kunden von ICE sind Hedgefonds und Investoren, der Handel erfolgt in Sekundenbruchteilen, und mitunter werden riesige Summen bewegt. Ebay betreibt einen Online-Marktplatz für Kleinunternehmer und Privatleute. «Das Interesse von ICE ist trotzdem nicht abwegig», sagt Alexander Graf, der das Unternehmen bei E-Commerce berät. «Ebay ist kein klassisches Handelsunternehmen, sondern eine Plattform», so Graf. Da Ebay selbst keine Lagerhäuser oder Waren besitze, sei das unternehmerische Risiko vergleichsweise gering.

Ebay wird an der Börse mit etwa 30 Milliarden Dollar bewertet. Laut dem Zeitungsbericht ist Ebay aber nicht an einer Übernahme durch ICE interessiert. Dennoch sprang der Aktienkurs von Ebay direkt nach der Veröffentlichung um mehr als acht Prozent. Die Aktie von ICE hingegen fiel in ähnlicher Grössenordnung.

Ein ungewöhnlicher Schritt

ICE sei vor allem am Marktplatz von Ebay interessiert, weniger an dessen Anzeigensparte, deren Wert auf zehn Milliarden Dollar taxiert wird. Der Börsenbetreiber könnte daran interessiert sein, sein technisches Know-how beim Ebay-Marktplatz einzusetzen, hiess es. Dennoch wäre der Kauf ein ungewöhnlicher Schritt, da ICE bisher nur Handelsplattformen für Wertpapiere wie Aktien oder Derivate betreibt.

Ebay steht indes unter Druck: Finanzinvestoren und Anteilseigner forderten zuletzt weitere Ausgliederungen und einen stärkeren Fokus auf das Kerngeschäft. «Die Summe der Einzelteile ist mehr wert als der Gesamtkonzern», sagt Handelsexperte Graf. Ausgliederungen seien bei Investoren beliebt, weil so der Börsenwert erhöht werden könne.

2015 wurde der Zahlungsverkehrsanbieter Paypal, das seit dem Jahr 2002 zu Ebay gehörte, aus dem Unternehmen ausgegliedert. Im vergangenen Jahr wurde der Ticketdienst Stubhub für vier Milliarden Dollar an die in Genf ansässige Viagogo verkauft.

Ebay hat keinen Chef mehr

Nun fordern aktivistische Investoren, dass sich Ebay vom Anzeigengeschäft trennt. Im September verliess Ebay-Chef Devin Wenig das Unternehmen, weil er im Clinch mit dem Verwaltungsrat lag. Seitdem ist Ebay ohne Chef. Vergangene Woche vermeldete die Firma enttäuschende Quartalsergebnisse und einen sinkenden Gewinn.

Zu Beginn der 2000er-Jahre war Ebay noch ein Star auf dem schnell wachsenden Online-Markt. Der Börsenwert kletterte rasant, und Ebay übernahm zahlreiche andere Unternehmen. In den vergangenen Jahren verlor es aber viele Marktanteile an den Konkurrenten Amazon. Denn die Käufe durch Auktionen haben stark an Beliebtheit verloren.

Unternehmensberater Markus Fost hält es für möglich, dass sich die Fokussierung auf den Online-Marktplatz für das Unternehmen auszahlen könnte. «Im Vergleich zu Amazon ist Ebay aktuell ein Schnäppchen», sagt Fost. Ebay sei noch immer der zweitgrösste Online-Händler in den USA und Europa. Das Unternehmen müsse aber nutzerfreundlicher werden und die Produktsuche auf der Webseite vereinfachen.

115 Milliarden Aufrufe pro Monat

Im Jahr 2019 wurde die Ebay-Website im Durchschnitt 115 Milliarden Mal pro Monat aufgerufen. Die Besucherzahlen von Amazon lagen etwa fünfmal so hoch. Allerdings sind Unternehmensanteile von Amazon auch um ein Vielfaches teurer: Der Börsenwert liegt bei einer Billion Dollar.

Egal, wie es mit Ebay weitergeht: Die Zeit könnte knapp werden. Denn neue Wettbewerber verschärfen den Online-Handel und bringen Hersteller und Kunden besser zusammen. Und Konzerne aus China könnten Europa und die USA mehr in den Fokus nehmen.

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