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Der Fall Weil dürfte einige weitere Schweizer Banker nervös machen

Vergleichsabkommen hin oder her: Der Konflikt mit den USA ist nicht ausgestanden. Nach Raoul Weil kann es weitere Banker treffen – wenn sie sich erwischen lassen.

2008 angeklagt, 2013 in Bologna verhaftet: Der ehemalige UBS-Konzerleiter Raoul Weil, hier mit seinem Anwalt David Mandel (links). Foto: J Pat Carter (Keystone)
2008 angeklagt, 2013 in Bologna verhaftet: Der ehemalige UBS-Konzerleiter Raoul Weil, hier mit seinem Anwalt David Mandel (links). Foto: J Pat Carter (Keystone)

2008 angeklagt, 2009 international zur Fahndung ausgeschrieben, von der UBS in der Folge fallengelassen, 2013 in Bologna verhaftet, an die USA ausgeliefert, gegen Kaution in Halbfreiheit versetzt, ohne Schweizer Pass und mit GPS-Monitor versehen – das ehemalige UBS-Konzernleitungsmitglied Raoul Weil zahlt einen hohen Preis für das praktizierte Geschäftsgebaren der Bank mit US-Kunden. Viele Schweizer Banker, Treuhänder und Juristen werden den Prozessverlauf genau beobachten – vor allem jene, die selbst US-Kunden betreut und beraten haben, aber auch Kaderleute, die wie Weil wohl mehr über die Geschäftspraktiken ihrer Untergebenen gewusst haben dürften, als sie sich im Nachhinein zu erinnern vermögen.

Von drei Dutzend Leuten ist bekannt, dass sie sich in einem vergleichbaren Status befinden wie Weil bis zum Tag seiner Verhaftung. Sie gelten als angeklagt und – weil sie sich den US-Behörden nicht stellen – als flüchtig. Mit jedem Schritt, den sie über die Schweizer Grenze machen, laufen sie Gefahr, verhaftet und an die USA ausgeliefert zu werden. Nicht in jedem Fall ist den Betroffenen klar, dass sie auf der Fahndungsliste der USA stehen. Es kann also auch jemanden erwischen, der sich auf der sicheren Seite des Atlantiks wähnt.

Verhaftung droht fast überall

Wie real die Möglichkeit einer Verhaftung noch immer ist, zeigt gerade der Prozess gegen Weil. Seine Verteidigung hat erreicht, drei Entlastungszeugen per Videoübertragung aus London zuschalten zu lassen. Die US-Regierung sicherte ihnen – vermutlich Schweizer – freies Geleit nach London zu. Sonst hätten sie sich kaum als Zeugen hergegeben.

Ehemalige Topleute der UBS dürften dem Prozess einigermassen gefasst entgegenblicken. Ihnen droht aus zwei Gründen kaum neues Ungemach. Erstens ist Weil der erste verhaftete Schweizer Banker, der auf nicht schuldig plädiert. Er versucht nicht – wie alle andern vor ihm –, mit kooperativem Verhalten, Ausplaudern von Insiderwissen und Anschwärzen von Vorgesetzten den eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Zweitens hat Weil als ehemaliger Verantwortlicher für das weltweite Vermögensverwaltungsgeschäft der UBS die Möglichkeit nicht, den Schwarzen Peter an höhergestellte Verantwortungsträger weiterzugeben. Peter Kurer, ehemaliger Rechtschef der Grossbank und Nachfolger Marcel Ospels als Verwaltungsratspräsident, sagte dem «Tages-Anzeiger» schon vor einem Jahr, er reise ohne Furcht ins Ausland. Um Kurer und andere ehemalige Topleute der Bank in Schwierigkeiten zu bringen, müsste Weil im Prozess bisher unbekannte belastende Aussagen machen.

Der Prozess gegen Weil führt vor Augen, dass ein Abkommen zwischen einer Bank und den US-Behörden einzelne Banker nicht vor Verfolgung schützt. Die UBS verglich sich vor gut fünf Jahren und zahlte damals eine Busse von 780 Millionen Dollar. Der Eindruck vieler, dass damit der Steuerstreit mit den USA erledigt sei, erwies sich als Illusion. Nicht nur verfolgt die Grossmacht bis heute Einzelfiguren, die vermeintlich oder effektiv in die Beihilfe zur Steuerflucht verwickelt waren. Auch ist die Liste jener Banken, gegen welche die US-Behörden ermitteln, noch immer lang. Auch die Vertreter dieser Institute werden genau beobachten, was sich im Gerichtssaal in Fort Lauderdale in den kommenden Tagen und Wochen abspielen wird.

Auch Finma im Rampenlicht

Indirekt wird das Geschworenengericht in Florida auch über die Qualität der schweizerischen Finanzmarktaufsicht (Finma) befinden. Der Bericht der Finma über das US-Geschäft der UBS wird in der Verteidigungsstrategie von Weils Anwälten eine gewichtige Rolle spielen. Der veröffentlichte Kurzbericht entlastete Weil weitgehend. Die Vollversion des Berichts, die bis heute unter Verschluss ist, soll gemäss «SonntagsZeitung» die US-Geschäfte der UBS wesentlich kritischer darstellen. Sollte das US-Gericht den Weil ausgestellten Persilschein nicht ernst nehmen, dürfte das ein nicht eben gutes Licht auf die Untersuchungsarbeit der Finma werfen.

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