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Der «perfekte Sturm» über den Schweizer Banken

Aufgeweichtes Bankgeheimnis, strengere Regeln, starker Franken: Die Schweizer Vermögensverwalter haben derzeit viele Feinde. Vertreter der Branche sehen eine Schrumpfkur auf sich zukommen.

Es wird ungemütlich: Wolken über dem Zürcher Paradeplatz.
Es wird ungemütlich: Wolken über dem Zürcher Paradeplatz.
Keystone

Die traditionsreiche Schweizer Vermögensverwaltungsbranche befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch. Lange konnten Institute auch mit mässigen Leistungen komfortabel leben, nun hat der Wind gedreht: Die Aufweichung des Bankgeheimnisses hat gerade kleinere Banken ihrer Geschäftsmodelle beraubt.

Ausserdem nagen der starke Franken und zunehmende regulatorischen Vorgaben an den Gewinnen. Kommt es nicht zu einem Aktien-Aufschwung, dürften weitere Schweizer Banken verschwinden und Tausende von Stellen wegfallen.

«Alle Ampeln auf rot»

In den vergangenen Monaten habe sich über den Schweizer Vermögensverwalter der «perfekte Sturm» zusammengebraut, sagt Credit-Suisse-Investmentbanker Marco Illy. Angesichts der Verwerfungen an den Finanzmärkten verzichten viele Anleger auf Börsengeschäfte. Statt der für die Bank lukrativer Anlagen in Fonds oder Aktien horten die Kunden Barmittel. Die tiefen Zinsen und der starke Franken drücken die Erträge weiter. «Beim Umfeld sind alle Ampeln auf rot», sagt ein anderer Investmentbanker.

Gleichzeitig steigen die Kosten für Personal und Informatik, weil immer höhere Anforderungen der Aufsichtsbehörden erfüllt werden müssen. Die Folge ist eine historisch schlechte Rentabilität: Der entscheidende Gradmesser, der Kosten-Ertragssatz, verschlechterte sich einer Studie der Universität Zürich zufolge in nur drei Jahren um mehr als einen Viertel auf 77 Prozent.

Privatbanken «leiden brutal»

Besonders betroffen sind kleinere Banken mit einem verwalteten Vermögen von weniger als zehn Milliarden Franken. Sie müssen die Kosten mit geringeren volumenabhängigen Erträgen decken. Zudem haben sie traditionell einen grösseren Anteil an Kunden, die ihr Geld vor dem heimischen Fiskus verstecken wollen.

Gemäss einer Umfrage der Unternehmensberatung Booz dürften in Zusammenhang mit neuen Steuerabkommen über ein Viertel der nicht deklarierten Gelder aus Deutschland und Grossbritannien in den nächsten zwei Jahren abfliessen. «Die kleinen Privatbanken sind brutal am Leiden», sagt der Investmentbanker. «Die Hälfte dürfte dieses Jahr rote Zahlen schreiben. Viele sind nicht in der Lage, sich auf die neue Welt einzustellen.»

Erste Übernahmen

Während viele Kunden früher in erster Linie den Schutz vor dem Fiskus suchten und dabei auch hohe Gebühren und mässige Renditen akzeptierten, verlangen sie heute mehr für ihr Geld.

Das schwierige Umfeld hat aber auch bei den mittelgrossen Anbietern Bewegung ausgelöst. Mitte November kündigte die Grossbank Credit Suisse an, die bisher unabhängig geführte Privatbank Clariden Leu vollständig zu integrieren und in Zukunft gänzlich auf die älteste Schweizer Bankmarke zu verzichten.

Credit Suisse hält Clariden Leu mit verwalteten Vermögen von zuletzt 94 Milliarden Franken für zu klein. Die fast doppelt so grosse Julius Bär wollte sich Sarasin einverleiben, um Skaleneffekte zu erzielen, hatte aber gegen die brasilianische Safra aber das Nachsehen.

Stellen werden gestrichen

Investmentbanker rechnen im kommenden Jahr mit weiteren Übernahmen und Zusammenschlüssen. Einem Fusionsberater zufolge sind derzeit rund 20 Vermögensverwalter auf dem Markt. Dabei handelt es sich vornehmlich um kleinere Häuser.

«Wenn das Umfeld so schwierig bleibt, ist es aber auch möglich, dass der eine oder andere Eigentümer von mittelgrossen Instituten wie BSI, Union Bancaire Privée (UBP) oder EFG in den nächsten zwei Jahren die Nerven verliert», sagt der Investmentbanker.

Bevor es soweit kommt, werden viele Banken versuchen, an der Kostenschraube zu drehen. Weil rund zwei Drittel der Kosten auf das Personal entfallen, dürfte an Stellenstreichungen kein Weg vorbei führen. Vorgemacht haben das etwa die Bank Bär oder die Genfer UBP, die hunderte von Stellen abbauen.

Zurück zu den Wurzeln

«Bei Bankern rechne ich im kommenden Jahr mit anhaltenden Entlassungen», erklärt Oliver Traxel, Bankenspezialist beim Personalberater Wilhelm Kaderselektion. Das sehen viele andere Experten ähnlich. Beschäftigten die Schweizer Banken Ende des Vorjahres 108'000 Mitarbeiter in der Schweiz, dürfte diese Zahl Schätzungen zufolge in einigen Jahren auf gut 80'000 sinken.

Die Branche wird nicht nur weniger, sondern auch andere Mitarbeiter beschäftigen. «Es muss eine neue Generation von Frontleuten herangebildet werden, die echte Kundenberatung betreibt», erklärt ein Führungskräftevermittler. Gerade im Private Banking sei das in den vergangenen Jahren stark vernachlässigt worden.

Viele Banken waren stark darauf ausgerichtet, Produkte zu verkaufen und Transaktionsgebühren einzustreichen. Die Kunden goutierten das nicht. «Die Vermögensverwaltungsbranche muss zu ihren Ursprüngen zurückkehren», fordert der Headhunter. Exemplarisch betrieben das immer noch einige Genfer Banken. Dort wisse der Kunde, dass der Bankier das eigene Geld gleich anlegt wie das der Kunden.

(SDA)

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