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Der «Stewardessen-Liebling» im Chefsessel

Nach monatelanger Suche ernannte die Lufthansa einen Airbus-Piloten zum Nachfolger von Christoph Franz. Der 47-Jährige ist ein Eigengewächs.

Galt als Favorit: Der 47-jährige Carsten Spohr.
Galt als Favorit: Der 47-jährige Carsten Spohr.
Reuters

Die «Bild»-Zeitung erkannte in Carsten Spohr einst den «Stewardessen-Liebling». Auch der Aufsichtsrat der Lufthansa AG ist von ihm ganz offensichtlich angetan. Das Aufsichtsgremium entschied sich für Spohr als künftigen Vorstandschef der Kranich-Airline. Der 47-Jährige ist ein Lufthansa-Eigengewächs: Vom Praktikanten arbeitete er sich bis in den Chefsessel empor. Carsten Spohrs Geschichte ist die Geschichte eines Luftfahrtfans. Pilot zu werden sei «schon als kleiner Junge mein Traum» gewesen, erzählt Spohr – geboren 1966 in Wanne-Eickel im Ruhrgebiet – einmal im Interview mit seiner ehemaligen Hochschule, der TU Karlsruhe. Während des Studiums zum Wirtschaftsingenieur verbringt er ein paar Monate als Praktikant bei der Lufthansa. Es sollen die entscheidenden Monate für seinen Werdegang sein. «Diese erste Begegnung mit der Lufthansa als Arbeitgeber war für mich sehr prägend – und so bin ich dem Unternehmen bis auf wenige Unterbrechungen treu geblieben», meint Spohr selbst.

Nach seinem Studium wechselt er direkt zur Kranich-Airline. Spohr will das Fliegen lernen. Er durchläuft die Pilotenausbildung, erwirbt bei der Lufthansa seine Verkehrspiloten-Lizenz - nur einen Arbeitsvertrag bekommt er bei der Fluggesellschaft nicht. «Nach meiner Pilotenausbildung war damals bei der Lufthansa absoluter Einstellungsstopp», erzählt er Jahre später. So wechselt Spohr zum Flugzeugbauer Deutsche Aerospace, der später im Luft- und Raumfahrtkonzern EADS aufgehen soll, nach München. Doch nach gerade einmal einem Jahr kehrt er wieder zurück zur Lufthansa.

120'000 Mitarbeiter weltweit

Spohr durchläuft verschiedene Stationen im Konzern. Mitte der 90er Jahre bekommt er erste tiefe Einblicke in die Vorstandsetage: Von 1995 bis 1998 arbeitet er als Referent direkt dem langjährigen Vorstandschef Jürgen Weber zu. Selbst Vorstand nennen darf er sich ab 2004, als er in den Bereichsvorstand bei Lufthansa Passage Airlines aufrückt. 2007 wird er schliesslich Vorstandschef der Luftfracht-Tochter Lufthansa Cargo, seit 2011 sitzt er in der Führungsriege der Lufthansa AG und ist zuständig fürs Passagiergeschäft.

Vom 1. Mai an wird Spohr Chef über das Ganze sein: über einen Konzern mit einem Jahresumsatz von zuletzt 30 Milliarden Euro und 120'000 Mitarbeitern weltweit. Das allein noch nicht genug, durchläuft der Konzern gerade ein umfangreiches und in der Belegschaft ebenso umstrittenes Sparprogramm namens «Score». Mit dessen Hilfe will die Lufthansa bis 2015 gut 1,5 Milliarden Euro sparen.

«An Bord schon mal Begeisterungsstürme»

Erreichen will der Konzern das etwa über einen Stellenabbau in der Verwaltung oder Veränderungen im Fluggeschäft. Stück für Stück gehen alle Deutschland- und Europa-Flüge abseits der Drehkreuze Frankfurt am Main und München an die Billigtochter Germanwings. Es lag noch in Franz' Verantwortung, diesen Konzernumbau zu verkünden. Doch auch Spohr trägt ihn mit und will ihn fortführen, wie er ankündigt.

Lorbeeren wird er dafür bei seiner Belegschaft nicht ernten können. Ansonsten gilt der Vater zweier Töchter aber als durchaus populär im Unternehmen. Den Beinamen des «Stewardessen-Lieblings» verpasste ihm die «Bild» im vergangenen Jahr, weil er angeblich «an Bord schon mal schwärmerische Begeisterungsstürme der Flugbegleiterinnen für sich verbuchen» könne.

Kraft schöpft Spohr nach eigenem Bekunden eher zuhause. «Es gibt für mich keine bessere Balance zu meinem anspruchsvollen Job als meine Familie», verrät er. Er strebe nach der Balance zwischen Beruf, Privatleben und Hobbys, sagt Spohr. Seinen Urlaub übrigens verbringe er am liebsten auf Sardinien – Direktflüge dorthin gibt es schon mal.

AFP/bru

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