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Detailhändler legen sich mit Mastercard an

Gegen neue und höhere Händlergebühren für das Bezahlen mit Plastikgeld an der Ladenkasse regt sich Widerstand. Migros und Coop drohen gar, künftig EC-Karten von Mastercard zu boykottieren.

In der Schweiz häufig genutzt: EC-Karten.
In der Schweiz häufig genutzt: EC-Karten.
Keystone

Kern des Streits sind zwei Gebühren, die der Konzern Mastercard für das Bezahlen mit der Debitkarte Maestro erhebt. Wie die Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz auf ihrer Internetseite schreibt, würden dadurch die Abgaben an Mastercard von total 50 Millionen auf 120 Millionen Franken mehr als verdoppelt - ohne Mehrwert. In der IG sind unter anderem Coop, Migros, Manor und Valora vertreten.

Die Wut bei den Detailhändlern ist gross: «Da zockt einer ab», sagte Migros-Chef Herbert Bolliger im «10vor10» auf Schweizer Fernsehen SF. «Wir lassen uns das nicht gefallen», sekundiert Coop-Chef Hansueli Loosli.

Im Notfall könnten sich die Detailhändler auch einen Boykott der EC-Karten von Mastercard und ein eigenes System vorstellen, wie sie gegenüber «10vor10» sagen. «Wir sind in Abklärung», sagte Manor-Chef Bertrand Jungo. Es gebe noch nichts Spruchreifes.

Wettbewerbskommission ermittelt

Die Detailhändler setzen vorerst auf die Politik und die Wettbewerbskommission (Weko). Die Wettbewerbshüter führen seit Juni Vorabklärungen zum Fall durch, wie Olivier Schaller, Vizedirektor des Weko-Sekretariats, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte. Gibt es Indizien für unzulässige Wettbewerbsbeschränkungen, würde die Weko eine Untersuchung eröffnen.

Stoppen konnte die Weko die höheren Gebühren in der Zwischenzeit nicht, obwohl die Detailhändler dies beantragt hatten. «Die Voraussetzungen für vorsorgliche Massnahmen wurden geprüft, waren aber nicht gegeben», sagte Schaller.

Angaben zum Verlauf des Verfahrens wollte Schaller nicht machen. Die Abklärungen dauerten aber noch mehrere Monate, sagte er. Ausgelöst haben die Untersuchung im übrigen nicht die Detailhändler, sondern SIX Multipay, der Betreiber der Kartenterminals.

Interpellation im Parlament

Das Thema der Gebühren wird auch im Parlament zur Sprache kommen. Nationalrat Otto Ineichen (FDP/LU) will vom Bundesrat wissen, ob nicht staatliche Regeln für den bargeldlosen Zahlungsverkehr nötig wären. Für ihn geht es nicht an, dass eine «amerikanische Monopolistin» das «Volkszahlungsmittel» Maestro beliebig verteuern dürfe.

Mastercard-Sprecher Thorsten Klein erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur SDA, der von den Detailhändlern genannte Betrag sei dem Unternehmen neu. Die Grundlagen, auf denen er beruhe, seien ihm unbekannt. Mastercard werde dem nachgehen. Zudem werde wohl Verschiedenes vermischt.

Sonderfall Schweiz

Zum einen gehe es um Interchange-Gebühren. Diese würden zwischen der Bank des Händlers und der Bank fällig, welche die Karte herausgegeben habe. Die Herausgeber-Bank decke damit ihre Kosten für Ausfallrisiken und Kontobetreuung. Dieses Geld gehe nicht an Mastercard, unterstrich Klein.

Als europäischer Sonderfall kenne die Schweiz keine Interchange-Gebühren. Ein Gesuch von Mastercard für ihre Einführung sei aber bei der Weko hängig.

Eine weitere Gebühr fliesse an einen Innovationsfonds zur Förderung des Karteneinsatzes anstelle von Bargeld. Diese Gebühr werde seit Juli erhoben und fliesse voll in den Markt zurück. Drittens erhebe Mastercard eigene Lizenzgebühren, die aber nicht zur Diskussion stünden. Sie hätten auch nichts mit den Detailhändlern zu tun.

SDA/miw

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