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Deutschland und Frankreich einigen sich im Streit um EADS

Weil sich Daimler und Lagardère zurückziehen, mussten beim Luftfahrtkonzern die Besitzverhältnisse neu geordnet werden. Mit dem Einstieg des deutschen Staates soll die Machtbalance bestehen bleiben.

Frankreich und Spanien halten neu je zwölf Prozent am Aktienkapital des Konzerns: Logo von EADS.
Frankreich und Spanien halten neu je zwölf Prozent am Aktienkapital des Konzerns: Logo von EADS.
AFP

Der staatliche Einfluss beim europäischen Luft- und Raumfahrtriesen EADS wird zurückgefahren: Nach monatelangem Ringen einigten sich Deutschland und Frankreich auf eine neue Aktionärsstruktur für den Konzern, wonach beide Staaten künftig jeweils zwölf Prozent des Kapitals halten.

EADS erklärte , damit werde der seit zwölf Jahren geltende Aktionärspakt durch ein «normales Konzernführungsmodell» ersetzt. Die Vereinbarung ziele auf eine «Normalisierung und Vereinfachung der Konzernführung ab», erklärte EADS. Zugleich ermögliche sie, dass Frankreich, Deutschland und Spanien ihre «berechtigten strategischen Interessen» schützen. Spanien wird künftig rund vier Prozent der Anteile halten. Die Einigung soll in der ersten Hälfte des kommenden Jahres bei einer ausserordentlichen Hauptversammlung abgesegnet werden.

Private ziehen sich zurück

Bisher halten Deutschland, Frankreich und Spanien – direkt oder indirekt – gemeinsam rund 50 Prozent an EADS. Auf deutscher Seite sind 22,5 Prozent im Besitz des Autoherstellers Daimler und des Dedalus-Konsortiums aus öffentlichen und privaten Banken. Auf französischer Seite sind es ebenfalls 22,5 Prozent, die dem Staat (15 Prozent) und dem französischen Lagardère-Konzern (7,5 Prozent) gehören. Spanien hält derzeit 5,5 Prozent an dem Konzern. Künftig werden die drei Staaten gemeinsam nur noch knapp unter 30 Prozent der Aktien halten – aber dafür direkt.

Sowohl Daimler als auch Lagardère werden ihre Beteiligungen laut EADS «weitgehend» reduzieren. EADS will bis zu 15 Prozent der ausstehenden Aktien aufkaufen. Für den deutschen Staat wird die bundeseigene Förderbank KfW bei EADS einsteigen, wie EADS mitteilte. Die KfW soll die privat gehaltenen Anteile des Dedalus-Konsortiums sowie Teile der Daimler-Anteile aufkaufen. Daimler teilte am Abend mit, seinen Anteil noch in diesem Jahr über ein beschleunigtes Platzierungsverfahren um etwa 7,5 Prozent zu reduzieren.

Merkel und Hollande begrüssen die Einigung

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüsste die Einigung, mit der die deutsch-französische Partnerschaft bei EADS «in Balance weitergeführt» werde. Damit werde dem Gründungsgedanken des Unternehmens Rechnung getragen. Auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) begrüsste die «hervorragende Nachricht».

Frankreichs Staatschef François Hollande erklärte, die Einigung garantiere «den Schutz der Interessen Frankreichs, Deutschlands und Spaniens in dem Konzern und gibt dem Unternehmen zugleich die Freiheit, die es für seine weitere Entwicklung braucht».

Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber erklärte, es handle sich um einen «grossen Schritt in eine marktwirtschaftlichere Aktionärsstruktur» und erweitere die «unternehmerischen Handlungsspielräume der EADS». «Wir begrüssen die Neuordnung der Aktionärsstruktur der EADS mit einem beschränkten Staatseinfluss, für den wir uns stets eingesetzt haben.»

AFP/mw

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