Die Bedag ist nach turbulentem Jahr auf Schrumpfkur

Kanton Bern

Die kantonale IT-Firma Bedag schrieb 2018 noch einen Umsatz von 83,8 Millionen Franken. Der Gewinn hat sich derweil mehr als halbiert.

Bedag Informatik hatte einen Rückgang und von Umsatz und Gewinn erwartet.

Bedag Informatik hatte einen Rückgang und von Umsatz und Gewinn erwartet.

(Bild: Beat Mathys)

Quentin Schlapbach@qscBZ

Es waren bewegte Monate, welche die Bedag hinter sich hat. Nachdem lange Zeit die Frage im Raum stand, ob das IT-Unternehmen des Kantons Bern privatisiert werden soll, sprach der Regierungsrat im September 2018 ein Machtwort. Der Entscheid: Der Kanton Bern will die Bedag behalten. Die Einschränkung: Die Bedag soll mit Dritten ­­– also mit anderen Kunden als dem Kanton – nur noch maximal 20 Prozent des Umsatzes erzielen. Der Verband Berner KMU und andere kritisierten zuvor immer wieder, dass die Bedag private IT-Firmen auf dem freien Markt unfair konkurrenziert.

Der Entscheid hatte Folgen. Felix Akeret, der im September 2017 Chef des IT-Dienstleistungsunternehmens wurde, schied im Dezember 2018 Knall auf Fall aus dem Unternehmen aus. Als Grund nannte die Bedag «unterschiedliche Auffassungen über die Geschäftsführung». Klar ist: Als Akeret seinen Posten antrat, standen die Zeichen bei der Bedag noch klar auf Expansion. 2016 hatte sie rund 40 Prozent oder rund 40 Millionen Franken von anderen Auftraggebern als dem Kanton erhalten.

Neuer Chef ist Fred Wenger

In der Bekanntgabe der Jahreszahlen stellt das Unternehmen die Turbulenzen der letzten Monate positiv dar. «Die Bedag kann auf ein Geschäftsjahr zurückblicken, das für die Zukunft wegweisend ist», heisst es in der Mitteilung. Der Entscheid des Regierungsrates sei «ein klares Bekenntnis zur Bedag als wesentlichem Träger von Informatik-Dienstleistungen für den Kanton.» Er behalte damit die Hoheit über die Bearbeitung und Speicherung der sensiblen und geschäftskritischen Daten der Kantonsverwaltung.

Die Bedag erzielte 2018 einen Umsatz von 83,3 Millionen Franken, sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Auch der Gewinn ging deutlich zurück, von 11 Millionen Franken im Jahr 2017 auf noch 5,3 Millionen Franken. 3,7 Millionen Franken davon fliessen als Dividende zurück an den Kanton. Der tiefere Umsatz sei vor allem «auf die Konzentration auf das Kerngeschäft» zurückzuführen, heisst es im 25-seitigen Geschäftsbericht. Dennoch: Die Schrumpfkur ist noch nicht ganz abgeschlossen. Der Umsatzanteil mit dem Kanton Bern erhöhte sich zwar von 68 Prozent im Vorjahr auf 73 Prozent. Aber gegenüber der Zielgrenze von 80 Prozent besteht noch Aufholbedarf – oder aber: Schrumpfbedarf bei den Drittkunden.

Die von der Berner Regierung verordnete Strategie ausführen, das soll Fred Wenger. Er wurde Ende März zum neuen Chef der Bedag ernannt. Er war als Leiter des Rechenzentrums bereits im Unternehmen tätig. Auf die Anzahl Mitarbeiter hatte die Neuausrichtung bislang keine Auswirkungen. Die Bedag beschäftigt wie im Vorjahr 369 Arbeitnehmer.

Berner Zeitung

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