Die besten CEOs der Schweiz sind stille Schaffer

Ein Ranking beurteilt die Qualität von Firmenchefs basierend auf Finanzzahlen. Bekannte Namen fehlen bei den Gewinnern –das liegt nicht nur an der Erhebungsmethode.

Beste Investment-­Leistung und top beim Wachstum: Logitech-Chef Bracken Darrell. Foto: Samuel Trümpy/13 Photo

Beste Investment-­Leistung und top beim Wachstum: Logitech-Chef Bracken Darrell. Foto: Samuel Trümpy/13 Photo

Laura Frommberg@lfrommberg
Peter Burkhardt@PeterBurkhardt

Es gibt Manager, deren Namen auch ausserhalb der Wirtschaftswelt bekannt sind – ist von Nick Hayek, Sergio Ermotti und Severin Schwan die Rede, wissen Schweizer meist, dass es um Uhren, die Finanzbranche oder die Pharmaindustrie geht. Doch eine überdurchschnittliche Medienpräsenz und Bekanntheit bedeuten offenbar nicht, dass die Firmenchefs auch im Beruf alle überflügeln – zumindest gemäss einer neuen Untersuchung des Finanzanalyseunternehmens Obermatt.

Jährlich bringt Obermatt ein Ranking der besten Unternehmenschefs der Schweiz heraus. Dabei schauen sich die Analysten Grossunternehmen mit einem Umsatz von über 2 Milliarden US-Dollar, mittelgrosse Firmen mit einem Umsatz von 0,1 bis 2 Milliarden sowie Finanzfirmen an. Und dabei fällt auf: Die Chefs, die von Obermatt auf den obersten Rängen der Kategorie «Gold» für überragende Leistungen geführt werden, sind in der Regel nicht diejenigen, die in Medien und Öffentlichkeit dauerpräsent sind. Bei den Grossunternehmen führt Logitech-Chef Bracken Darrell die Liste an. Bei den mittelgrossen Firmen überflügelte Khaled Bichara von Oras­com Development alle anderen, und bei den Finanzunternehmen ist es Blaise Goetschin, Chef der Banque Cantonale de Genève. Nach grossen und bekannten Namen sucht man auf den ersten Plätzen vergebens.

Ziel war eine Beurteilung aus Investorensicht

Ein Grund dafür dürfte die Analysemethode von Obermatt sein. Das Ranking ist rein zahlenbasiert. Die Analysten haben 218 Schweizer Unternehmen 5286 globalen Vergleichsunternehmen in jeweils drei Kennzahlen gegenübergestellt: der operativen Performance (Veränderung des Betriebsgewinns Ebitda im Verhältnis zum Umsatz), der Aktienrendite (Kursentwicklung mitsamt Dividenden und Kapitalrückzahlungen im Verhältnis zum Anfangskurs der Aktie) und der Wachstumsperformance (Veränderung des Umsatzes im Verhältnis zum Umsatz des Vorjahres). Für Hermann Stern, Chef der Analysefirma, sorgt das für eine fairere Leistungsbeurteilung. Die Methode sei transparenter, weil man keine vertraulichen Daten verwende, objektiver, weil keine Urteile gefällt werden.

Daraus wird dann ein Wert erstellt, der die Leistungen der Chefs im Vergleich mit ähnlichen Unternehmen auf globaler Ebene widerspiegelt. Logitech-Chef Bracken Darrel etwa bringt es auf 73 Punkte. Das heisst, dass er gegenüber 73 Prozent der Konkurrenten besser abschneidet und gegenüber 27 Prozent schlechter. Er überzeugte vor allem in der Kategorie «Investment-Leistung» – er erzielte also im Vergleich mit der Konkurrenz die höchste Aktienrendite. Bei den Kategorien Wachstum und Gewinnsteigerung landete Darrell ebenfalls in den Top Ten. Dort landen auf den ersten Plätzen allerdings Roland Fischer von OC Oerlikon und Antoine de Saint-Affrique von Barry Callebaut.

Zwar fehlt es im Ranking an Beurteilung anderer Qualitäten – etwa die der Personalführung oder der Kommunikation nach aussen. Aber Obermatt-Chef Hermann Stern sieht darin auch einen Vorteil, zumindest, wenn es um die Leistung der Firmenchefs aus Investorensicht geht. «Die meisten Jury-basierten Rankings bilden ab, was man in der Zeitung liest», sagt er. «Wir messen, was an Finanzfakten verfügbar ist. Das bedeutet auch, dass wir manchmal schneller wissen, wie es einem Unternehmen geht, als es in der öffentlichen Meinung ankommt.»

Tidjane Thiam brilliert bei der operativen Leistung

Was er damit meint: Auch wenn ein Unternehmen bessere Zahlen erwirtschaftet, dauert es, bis das auch wirklich in der Öffentlichkeit ankommt – es sei denn, es wird aggressiv kommuniziert. Oft, so berichtet Stern, habe seine Firma erkannt, dass ein Unternehmen es aus der Krise geschafft habe, bevor es in der breiten Öffentlichkeit so angekommen sei. Als Beispiel nennt er das Medienunternehmen Sky in Deutschland. 2013 hatte dessen Chef einen guten Wert erzielt. Gewinn und Aktienpreis waren überdurchschnittlich gewachsen – allerdings auf einem tiefen Niveau. «Die Öffentlichkeit hatte das noch nicht erkannt, da Menschen oft in absoluten Grössen denken und relative Veränderungen übersehen», so Stern.

Auch bei Schweizer Unternehmen gibt es in diesem Jahr Beispiele, welche diese Kriterien erfüllen. Orascom Development etwa hatte lange Zeit zu kämpfen, scheint es aber entsprechend den Werten des Obermatt-Rankings nun aus der Talsohle geschafft zu haben.

Ein prominenteres Beispiel ist Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam. Er landet zwar bei den Finanzunternehmen nicht in den Top 10, doch in der Kategorie operative Leistung erzielt er das beste Ergebnis. Laut Obermatt hat er sein Unternehmen also am effizientesten geführt – ein Hinweis darauf, dass seine Strategie, die Grossbank aus der Krise zu führen, gefruchtet hat.



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