Die neue Denkfabrik von Meyer Burger

Die Thuner Solarfirma Meyer Burger hat in Hauterive NE ein neues Entwicklungszentrum eröffnet. Dieses erforscht die Solarzelle der Zukunft.

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Stefan Schnyder@schnyderlopez

Die Berner Solarzulieferfirma Meyer Burger erhielt am Montag hohen Besuch: Bundesrätin Doris Leuthard nahm an der Eröffnung einer neuen Pilotanlage der Thuner Firma in Hauterive NE teil.

Meyer Burger hat sich für den Standort am Neuenburgersee entschieden, weil die Forscher an der Pilotanlage eng mit dem Forschungszentrum Centre Suisse d’électronique et de microtechnique (CSEM) kooperieren. Dieses wird von Industrieunternehmen und dem Kanton Neuenburg getragen und zählt rund 400 Angestellte.

Geld aus Bundesbern

Der Grund für die Anwesenheit von Doris Leuthard ist die Energiewende: Um diese weiter voranzubringen, unterstützt das Bundesamt für Energie Forschungsaktivitäten im Bereich Solarenergie mit Subventionen. So erhielt das CSEM eine Subvention von insgesamt 20 Millionen Franken für eine Laufzeit von vier Jahren.

Mit diesem Geld hat das CSEM ein Zentrum für Solarenergie gegründet, das rund 40 Mitarbeiter beschäftigt. Auch Meyer Burger erhält für die Pilotanlage Bundesgeld – jährlich rund 1 Million Franken während dreier Jahre. Der Bund zahlt rund ein Drittel der entsprechenden Projektkosten.

Das Ziel ist mehr Effizienz

Meyer-Burger-Chef Peter Pauli gab sich überzeugt, dass es den 12 Mitarbeitern des Entwicklungszentrums gelingen wird, entscheidende Innovationen für die Solarenergie hervorzubringen: «Ich gehe davon aus, dass wir dank der Arbeit, die hier geleistet wird, ab dem Jahr 2020 die nächste Generation von Solartechnologie auf den Markt bringen können. Diese wird rund 30 Prozent effizienter sein als die heutige», sagte er.

Technisch gesehen geht es bei den Forschungsarbeiten darum, die ultradünne Beschichtung der Siliziumschicht, aus der die Solarzellen besteht, weiterzuentwickeln. So wird es möglich sein, Solarzellen zu bauen, die einen Wirkungsgrad von 22 Prozent erreichen. Bislang galten rund 18 Prozent als Produktstandard.

Das Herstellungsverfahren für die neuartigen Solarzellen wird auch günstiger sein, da es nur noch Temperaturen von 200 Grad statt von bisher 700 Grad erfordert. Ein weiteres Ziel der Arbeiten besteht darin, die Solarzellen mit einem feinmaschigeren Netz von sehr dünnen Silberdrähten zu versehen.

Diese Drähte dienen dazu, die Elektrizität aus den Zellen abzuführen. So kann die Menge an Silber, die für die Herstellung einer Solarzelle verwendet wird, verringert werden. Das kann ins Gewicht fallen, denn die Kosten für das Edelmetall Silber machen 10 Prozent der Herstellungskosten eines Solarmoduls aus.

Das Hoffen auf Aufträge

Bereits sind gewisse dieser Innovationen marktreif. Bei Meyer Burger wären zusätzliche Aufträge derzeit hochwillkommen. Im ersten Halbjahr 2014 verzeichnete das Unternehmen einen Verlust von 88 Millionen Franken.

Die Unternehmensleitung erwartet jedoch nicht, dass die Kunden diese neuen Produkte sofort stark nachfragen werden. Denn viele Hersteller von Solarmodulen stecken immer noch in einer schwierigen finanziellen Lage und wollen bis auf weiteres ihre angestammten Produktionsanlagen einsetzen.

Berner Zeitung

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