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Die ZKB, eine Eier legende Wollmilchsau

Die Bank der Zürcher Bürger beruft sich auf ihren Gründervater. Die ZKB soll eine Universalbank bleiben, mit Handel und Vermögensverwaltung. Das steht im Widerspruch zu ihrem Leistungsauftrag.

Die ZKB hat drei Hauptpfeiler: das klassische Zinsengeschäft, das Anlagegeschäft  und der Handel. (11. Dezember 2013)
Die ZKB hat drei Hauptpfeiler: das klassische Zinsengeschäft, das Anlagegeschäft und der Handel. (11. Dezember 2013)
Steffen Schmidt, Keystone
Obwohl die ZKB seit ihrer Gründerzeit tatsächlich als Universalbank für das Zürcher Volk auftrat, nimmt die Kritik an ihrer immer umfassenderen Angebotspalette zu.
Obwohl die ZKB seit ihrer Gründerzeit tatsächlich als Universalbank für das Zürcher Volk auftrat, nimmt die Kritik an ihrer immer umfassenderen Angebotspalette zu.
Steffen Schmidt, Keystone
Schluss mit unversteuerten Vermögen: Bis nächstes Jahr will die nur noch versteuertes Geld verwalten. (14. Januar 2009)
Schluss mit unversteuerten Vermögen: Bis nächstes Jahr will die nur noch versteuertes Geld verwalten. (14. Januar 2009)
Reuters
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Martin Scholl rief an der Resultatpräsentation Gründervater Johann Jakob Keller in Erinnerung. Die Zürcher Kantonalbank als reine Hypothekenbank würde den Privatbanken die «Nidel» überlassen, während der Staatsbank die Milch bleiben würde, sagte der ZKB-Chef. «Natürlich ist das keine Legitimation, um als heutige ZKB alles zu machen», meinte Scholl. Doch sich beschränken auf den Kern der Bank – das wollen Scholl und seine Kollegen im Topmanagement auch nicht.

Scholl machte klar, dass die moderne ZKB weiterhin auf drei Beinen stehen will: dem klassischen Zinsengeschäft, das an Bedeutung verliert, dem Anlagegeschäft mit der Beratung der vermögenden Kunden und dem Handel. Dass die ZKB seit kurzem nicht mehr untergehen darf, weil sie wie die beiden Grossbanken offiziell den Status «too big to fail» trägt, ändere nichts an der Dreibeinstrategie. «Auch ohne Handelsbereich hätten wir Systemrelevanz», begründete ZKB-Chef Scholl. Um diesen Zustand wieder loszuwerden, «müssten wir die Hälfte der Hypotheken kündigen». Das, so Scholl, «wollen wir nicht und werden wir auch nicht tun».

Nicht nachvollziehbare Offensive

Obwohl die ZKB seit ihrer Gründerzeit tatsächlich als Universalbank für das Zürcher Volk auftrat, nimmt die Kritik an ihrer immer umfassenderen Angebotspalette zu. Den Widerstand hat sich die Bankführung selbst eingebrockt. Vor ein paar Monaten ging sie ohne nachvollziehbaren Grund in die Offensive und lancierte einen Vorstoss in der Politik, das Kapital um 2 Milliarden zu erhöhen. Was die Bank mit dem Geld machen würde, liess die ZKB-Spitze offen. Man habe weder Pläne, sich in der Schweiz auszubreiten, noch wolle man im Ausland besonders wachsen.

Der Blankocheck, den die ZKB vom Steuerzahler einfordert, ist symptomatisch für ein Finanzinstitut, das nichts mehr mit seinen einstigen Wurzeln zu tun hat. Das offensive Gebaren der Spitze, die überall wachsen und sich ausbreiten will, hat Auswirkungen auf die Kultur. Seit der Finanzkrise vor fünf Jahren stiessen viele Angestellte von der UBS und der CS zur ZKB, darunter auch zahlreiche Händler. Durch die Blutauffrischung kam es zu einem internen Clash. Der typische ZKB-Angestellte, der seit Jahr und Tag für die Bank tätig ist, fühlt sich heute nicht mehr heimisch.

Das Gewissen der Bank

Stellvertretend für die Inkompatibilität zwischen der alten ZKB mit Fokus auf dem Leistungsauftrag und der neuen mit dem Drang nach immer mehr steht der Abgang von Urs Ackermann. Der seit über drei Jahrzehnten für das Staatsinstitut tätige Ackermann leitet seit langem die Pressestelle der ZKB. Ackermann war das Gewissen der Bank. Er hielt der Führung von Martin Scholl und seinem neuen Vize, Private-Banking-Chef Christoph Weber, immer wieder den Spiegel vor. Was passt zur ZKB? Was ist ihre Legitimität? Warum muss die Bank auf die Befindlichkeiten der Bürger und deren Politikern besonders empfindlich reagieren?

Oder auch konkret bezüglich der Vermögensverwaltung: Warum soll nun auch noch die ZKB sich auf das Topsegment der Kunden fokussieren, wie sie das heute in ihrer «Neuausrichtung» kundgetan hat? Die Bank will bis nächstes Jahr nur noch «Weissgeld» verwalten, sprich alle Kundengelder sollen versteuert sein. Zu diesem Zweck zieht sich die ZKB aus mehreren Offshore-Märkten zurück, so wie sie das schon vor längerem mit den USA getan hat. Die neue Aufstellung des ZKB-Private-Banking sieht vor, dass sich der Bereich unter Vize Weber auf wenige Kernmärkte primär in Europa konzentriert, und dort auf die Gutverdienenden. Das soll der Bank ein «stabiles Wachstum» bringen.

Die gleiche Strategie wie Raiffeisen

Mit ihrer Justierung des Visiers in der Vermögensverwaltung verfolgt die ZKB die gleiche Strategie wie die zweite grosse Hypothekenbank des Landes. Auch die Raiffeisen-Gruppe unter ihrem flamboyanten Chef Pierin Vincenz will mit der Tochter Notenstein Privatbank die Abhängigkeit vom Kerngeschäft reduzieren. Bei der Raiffeisen, die als dritte Kraft von Swiss Banking gilt, ist die Einseitigkeit viel stärker als bei der ZKB. Die Zürcher verzeichneten in ihrer Vermögensverwaltung im letzten Jahr mit 551 Millionen Franken Einnahmen einen neuen Rekord. Demgegenüber schrumpfte das wichtige Zinsengeschäft leicht um 3 Prozent auf 1,1 Milliarden.

Gewinn-Diversifikation heisst das im Jargon, oder einfacher: nicht alle Eier in den gleichen Korb legen. Die Führungscrew der ZKB mit CEO Scholl und Vize Weber an der Spitze tritt mit diesem Plan selbstbewusst auf. Das war im Herbst anders, als die Staatsbank-Oberen von der Nationalbank mit deren Too-Big-To-Fail-Entscheid kalt geduscht worden waren. Scholls damaliges Verhalten machte klar: Damit hatten die ZKB-Chefs nicht gerechnet. Nun geben sie sich wieder zufrieden mit sich.

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