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«Dieses Telefongespräch bestätigt die schlimmsten Befürchtungen»

Was machten die Chefs der Anglo Irish Bank, als diese kurz vor dem Bankrott stand und von der EU mit 30 Milliarden gerettet wurde? Sie rissen Witze und amüsierten sich prächtig, wie Tonaufnahmen zeigen.

Zog ein ganzes Land in die Krise: Sitz der Anglo Irish Bank in Dublin.
Zog ein ganzes Land in die Krise: Sitz der Anglo Irish Bank in Dublin.
AFP

Ende 2008 stand die Anglo Irish Bank vor dem Bankrott. Nur dank Geldspritzen und Milliardengarantien überlebte sie die Bankenkrise, 2009 wurde sie verstaatlicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) beteiligte sich an der Rettung mit rund 30 Milliarden Euro, die irische Regierung muss diesen Betrag begleichen. Die Folge: Irlands Budgetdefizit explodierte, die Bürger müssen Jahr für Jahr Milliarden erwirtschaften, um für den Banken-Bailout zu bezahlen.

Rund vier Jahre später veröffentlicht die irische Zeitung «Irish Independent» haarsträubende Tondokumente aus dem September 2008. Darauf zu hören ein internes Telefongesprächzwischen John Bowe, dem damaligen Direktor Capital Markets, dem Ex-CEO David Drumm und anderen Bankmitarbeitern. Die Banker amüsieren sich dabei prächtig über die Notlage der Bank und lachen über ihre Retter.

«Dann hängt sie mit drin»

Sieben Milliarden Euro verlangten die Banker damals in einem ersten Schritt vom Staat, um die Pleite der Anglo Irish Bank zu verhindern. Dabei war ihnen schon zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass dieser Betrag nicht reichen würde. Doch sie spekulierten darauf, dass der Staat keinen Rückzieher mehr machen kann, sobald er die ersten Finanzspritzen geleistet hat.

«Natürlich brauchen wir mehr als das, aber unsere Strategie ist es, sie (die Zentralbank) an Bord zu ziehen, sie dazu zu bringen, einen grossen Check zu schreiben, und dann hängt sie mit drin, dann muss sie ihr eigenes Geld absichern, ihr wisst schon», sagt Bowe. Man brauche dem Staat bloss weiszumachen, dass man die sieben Milliarden zurückzahlen werde, «was nie passieren wird», so Bowe weiter. «Unter dem Vertragspunkt Rückzahlung schreiben wir: Nein!» Alle lachen, ein Mitarbeiter meint, er müsse «sich gleich die Unterwäsche wechseln».

«Grauenvolle Frotzelei»

Wie Bowe denn auf diese sieben Milliarden Euro gekommen sei, will ein anderer Chefbanker wissen. Dieser lacht: «Ich habe mir die Zahl aus dem Arsch gezogen.» Drumm wiederum amüsiert sich prächtig, als ein Mitarbeiter beginnt, die deutsche Nationalhymne zu singen, «Deutschland, Deutschland ubber alles» – auch Deutschland hat Millionen in die irische Bankenrettung investiert.

«Dieses Telefongespräch bestätigt die schlimmsten Befürchtungen und Theorien, warum unser Land bankrott ging», schreibt der «Independent». «Grauenvoll» sei es, dieser Frotzelei zuzuhören, dem lockeren Tonfall, in dem die Banker ihre Witzchen machten. Die irische Bevölkerung werde noch lange für die Rettung der Bank aufkommen – die Anglo Irish Bank sei darum gerade zur «Anger Irish Bank» geworden.

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