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Ehrwürdiges Woolworths soll zerstückelt werden

Die berühmte englische Supermarkt-Kette leidet, die Verkaufszahlen sind massiv eingebrochen. Jetzt will ein Investor den altehrwürdigen Konzern zerlegen.

Schnäppchen: 1 Pfund bietet Hilco UK für die Supermarktkette.
Schnäppchen: 1 Pfund bietet Hilco UK für die Supermarktkette.
Keystone

Es gab eine Zeit, in der Woolworths zentraler Bestandteil der britischen High Street, ein aus den Grossstädten des Vereinigten Königreichs nicht wegzudenkender Name war. Auf der Höhe ihres Erfolgs, in den Sechzigerjahren, verfügte die Ladenkette über mehr als tausend florierende, einträgliche Supermärkte auf der Insel.

Nun, ein halbes Jahrhundert später, und kurz vor ihrem 100. Geburtstag, ist die alte Tante «Woolies» offenbar am Ende. Die letzten Jahre brachten massive Geschäftseinbrüche. Die Kundschaft ist abgewandert, die beginnende Rezession nagt an den Fundamenten.

Hilco UK bietet ein symbolisches Pfund Sterling

Ein auf Beutezüge im Einzelhandel spezialisiertes «Restrukturierungs»-Unternehmen, Hilco UK, hat diese Woche angeboten, Woolworths mit seinen restlichen 815 Filialen für insgesamt 1 Pfund Sterling, einen symbolischen Preis, zu übernehmen - um es dann profitabel zu zerkleinern.

Der grösste Woolworths-Aktionär, Ardeshir Naghshineh, sucht das schmachvolle Anerbieten zwar abzutun und mit einem alternativen Kaufplan aufzuwarten. Für Naghshineh, einen iranischstämmigen Immobilienhändler, ist die Sache nicht gelaufen: «Wir brauchen Zeit.» Der neue Generaldirektor Steve Johnson sei «ein fähiger Mann». Zeit aber ist, was Johnson am meisten fehlt. Experten in London geben Woolworths wenig Chancen auf Erholung.

25'000 Beschäftigte

Ältere Briten, in der Kriegs- und Nachkriegszeit mit Woolworths aufgewachsen, haben den Niedergang des einstigen Billigwaren-Empires mit Bedauern verfolgt. In Liverpool hatte 1909 der erste Laden seine Tore geöffnet. US-Geschäftsmann Frank Woolworth, der in den Staaten bereits eine kleine Kette von Billigläden betrieb, sah in Britannien eine Gelegenheit zum grossen Auftritt. Am Eröffnungstag wand sich eine Menschenschlange um den Block in der nordwestenglischen Hafenstadt. Vor Ladenschluss schon war der Laden ratzekahl leergekauft.

Seinem Prinzip, dass keine Ware mehr als Sixpence kosten solle, also nur sehr wenig, blieb Woolworth bis zur Mitte des Jahrhunderts treu. Wesentlich erfolgreicher als Woolworths US-Läden, löste sich der britische Zweig des Konzerns in den Dreissigerjahren vom US-Stamm und ging an die Londoner Börse.

Der Abstieg begann in den Siebzigern. Bemühungen um «hochgradigere Kundschaft» schlugen fehl. In den letzten drei Jahren begannen die Aktien bedenklich abzusacken. Mittlerweile ist der Kurs auf wenig mehr als 2 Pence pro Aktie gefallen. Die Verschuldung des Unternehmens soll bei insgesamt fast 300 Millionen Pfund liegen. Zumindest einen Teil davon müsste Hilco UK bestimmt übernehmen, wenn es Woolworths zum Nulltarif erstünde. Was dann vom einst stolzen Namen, den Läden und den heute 25'000 Beschäftigten übrig bliebe, wagt niemand vorauszusagen.

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