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Eine begnadete Netzwerkerin

Die Medienfrau Arianna Huffington verkauft ihre «HuffPo» an den Medienkonzern AOL.

Mischt im grossen Medienzirkus mit: Arianna Huffington.
Mischt im grossen Medienzirkus mit: Arianna Huffington.
Keystone

Oft schon hat Arianna Huffington ihrer Karriere eine neue Wende und ihrer Person eine neue Schattierung gegeben. Sie versuchte sich als Buchautorin, als Politikerin, als Komikerin, als Fernsehmoderatorin, als Bloggerin. Einmal stand sie politisch rechts, als ihr Ehemann (erfolglos) für den Senat kandidierte, dann links, als sie selber (erfolglos) ein Amt anstrebte. Jetzt wird sie Managerin beim kriselnden Medienkonzern AOL, dem sie ihre vor fünf Jahren gegründete Internetzeitung «The Huffington Post» für satte 350 Millionen Dollar verkauft.

Die «HuffPo» ist ganz ihr Kind. Die Internetsite ist ein ständig aufgefrischter Warenkorb von querbeet gesammelten News, Gerüchten, Meinungsartikeln sowie Bilderstrecken; eine Mischung, die über 25 Millionen Besucher pro Monat anzieht. Huffington gibt Hunderten von Bloggern eine Plattform; überwiegend arbeiten diese ohne Entschädigung. Die meisten ihrer gut 200 Angestellten sind damit beschäftigt, die Website von Quatsch, Drohung und übler Nachrede rein zu halten, die sich in den Kommentarspalten breitmachen. Kaum eine Internetsite in den USA wird häufiger frequentiert; mehr als 3 Millionen Kommentare pro Monat sind zu überwachen und zu kanalisieren.

Vorwurf: Alles nur kopiert

Als sie 2005 begann, setzte sich die nun dezidiert liberale Huffington dem Vorwurf aus, den Stoff gnadenlos abzukupfern. Mit dem wachsenden Erfolg verstummte die Kritik: An ihrer Internet-News-Plattform kommt heute niemand mehr vorbei. Dazu beigetragen hat auch die Anstellung etablierter Journalisten der «New York Times» oder von «Newsweek». Gewinn macht sie erst seit kurzem.Die 60-jährige geborene Griechin ist eine begnadete Netzwerkerin und unermüdliche Promotorin der eigenen Sache. Mit ihrem schläfrigen griechischen Akzent, den sie bewusst kultiviert, ist sie in Talkshows und an internationalen Konferenzen ständig präsent. Berühmtheiten aus Politik, Unterhaltung und Sport lassen sich mit ihr sehen. Seit ihrer Scheidung lebt sie zusammen mit ihrer Schwester und ihren zwei Töchtern in Südkalifornien. Ihren vollen Terminkalender bewältigt sie nur mithilfe eines Privatjets.

Die Übernahme durch den Internetprovider AOL ist ein klassisches Huffington-Manöver. Tim Armstrong offerierte ihr den Kauf, nachdem die Übernahme durch Yahoo nicht zustande gekommen war. AOL braucht eine breitere Nutzerbasis, um die Erosion im Internetprovider-Markt wettzumachen. Die Verhandlungen dauerten nur wenige Wochen und wurden am Sonntagabend – in der AOL-Loge an der Superbowl in Texas – unterschrieben. Bemerkenswert ist, dass AOL 350 Millionen Dollar auf den Tisch legt und Huffington zu einer sehr reichen Frau macht, sie aber die volle Kontrolle über die AOL-Medienaktivitäten bekommt, inklusive der Online-Kartensite Mapquest.

Visionen kommen zusammen

Finanzielle Motive seien für sie nicht entscheidend gewesen, beteuert sie. «Es geht um eine Zusammenführung von Visionen.» Tim Armstrong und sie passten perfekt zusammen. Seit der Gründung der «HuffPo» habe sie sich überlegt, wie sie dem «Dilemma des Erfinders» ausweichen könne, der Gefahr des Scheiterns eines Jungunternehmens, das zu lange der ersten Idee anhängt und erstarrt. Mit der Übernahme durch AOL sieht sie die Beschleunigung und Neuerfindung ihrer selbst gelungen. «Wir steigen vom Schnellzug in einen Überschalljet um.»

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