Eine Kinderkrippe ist Schweizer Wachstumsturbo

Von den 1000 Unternehmen in Europa, die von 2014 bis 2017 das stärkste Umsatzwachstum verzeichneten, stammen fast keine aus der Schweiz.

Die Schweizer Kinderkrippe Little Green House gehört zu den 1000 europäischen Unternehmen mit dem stärksten Umsatzzuwachs.

Die Schweizer Kinderkrippe Little Green House gehört zu den 1000 europäischen Unternehmen mit dem stärksten Umsatzzuwachs.

Robert Mayer@tagesanzeiger

Blue Motor Finance – so heisst das in Grossbritannien beheimatete Unternehmen, das zwischen 2014 und 2017 europaweit am stärksten aus eigener Kraft gewachsen ist. Um durchschnittlich gut 700 Prozent pro Jahr stieg der Umsatz des Anbieters von Autofinanzierungen im beobachteten Vierjahreszeitraum. 2017 haben die Briten 61,4 Millionen Euro eingenommen.

Da bewegt sich das zweitplatzierte, ebenfalls britische Unternehmen Deliveroo in einer anderen Gewichtsklasse: Der Online-Lieferdienst für Mahlzeiten kam 2017 auf einen Erlös von rund 360 Millionen Euro und vermochte seit 2014 um durchschnittlich gut 440 Prozent pro Jahr zu wachsen. Auf Platz drei rangiert die estnische Taxi-App Taxify, die nach einem mittleren Wachstum von knapp 400 Prozent pro Jahr einen Umsatz von annähernd 18 Millionen Euro für 2017 auswies.

Hellofresh ohne Ermüdungserscheinungen

So also beginnt die heute von der britischen «Financial Times» zum dritten Mal publizierte Liste jener 1000 Firmen, die in der jüngeren Vergangenheit das stärkste Wachstum verzeichnet haben. Unter den 15 Bestplatzierten befinden sich sieben britische Unternehmen, drei haben ihren Sitz in Frankreich, zwei in Deutschland, und je eine Firma ist in Spanien, den Niederlanden und Estland ansässig.

Von diesen 15 wachstumsstärksten Firmen haben es deren drei schon in die 1000er-Liste von 2018 geschafft – aber keine einzige figurierte in der Zusammenstellung von 2017. Man muss bis Rang 88 zurückgehen, um auf das erste Unternehmen zu stossen, das in alle drei bislang erstellten Listen aufgenommen wurde. Diese Ehre gebührt Hellofresh in Berlin.

Das börsenkotierte Unternehmen beliefert in mittlerweile elf Ländern private Haushalte mit frischen Essenszutaten, um ganze Menüs selber zu kochen. Mit dem 2017 erzielten Umsatz von über 900 Millionen Euro ist Hellofresh auch der bei weitem grösste Akteur in der jüngsten Liste. Neben den Deutschen sind noch 88 weitere Firmen über mehrere Jahre hinweg so stark gewachsen – und dies ohne Übernahmen –, dass sie in allen drei «Financial Times»-Listen aufgeführt sind.

Beekeeper als beste Schweizer Firma

Wie halten sich die Schweizer im europaweiten Vergleich der am schnellsten wachsenden Firmen? Die Bilanz ist nicht eben beeindruckend, lassen sich doch unter den 1000 Namen gerade mal drei mit Herkunft «Switzerland» herausfiltern. Erstmals fündig wird man auf Rang 247 mit der Zürcher Firma Beekeeper, die ihren Umsatz von 2014 bis 2017 um durchschnittlich knapp 90 Prozent pro Jahr auf zuletzt 2,8 Millionen Euro gesteigert hat. Das 2012 von zwei ETH-Absolventen gegründete Unternehmen hat eine App entwickelt für die interne Kommunikation in Unternehmen; dies vor allem für Mitarbeitende ohne festen Arbeitsplatz, wie etwa in Hotels, im Detailhandel oder in Fabrikhallen.

Auf Rang 863 liegt sodann das Berner Tech-Unternehmen 89Grad. Mit der Entwicklung von kundenspezifischer Software und mit Beratungen bei grösseren IT-Projekten hat die 2010 gründete Firma 2017 einen Erlös von 2,9 Millionen Euro erzielt und dabei über den vorausgegangenen Vierjahreszeitraum ein mittleres Wachstum von 43 Prozent realisiert.

Kinderkrippe in allen Listen mit dabei

Dass Firmen aus den Bereichen E-Commerce, Informationstechnologie und Telekommunikation besonders häufig zu den wachstumsstärksten gehören, überrascht im Zeitalter der Digitalisierung wenig. Wenn aber eine Kette von Kindertagesstätten Eingang in die 1000er-Liste findet – ja in allen drei bisherigen Listen aufgenommen wurde –, lässt das aufhorchen.

Dieses Kunststück ist der Schweizer Firma Little Green House gelungen, die auf Platz 878 geführt wird. Barbara Lax, welche die Krippe 2011 ins Leben rief und heute vier Standorte betreibt (in Zürich Altstetten und am Genfersee), hat dafür 2017 den Veuve-Clicquot-Preis für Unternehmerinnen gewonnen.

Um durchschnittlich gut 42 Prozent pro Jahr konnte Little Green House den Umsatz zuletzt steigern, und 2017 betrug dieser 7,3 Millionen Euro. Um einen Platz auf der Liste der schnellstwachsenden Firmen für 2019 zu ergattern, war eine mittlere jährliche Umsatzsteigerung von 37,7 (Vorjahr: 34,6) Prozent nötig.

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