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Elon Musk schiesst verbal um sich

«Blöde Fragen», ätzte der Tesla-Boss jüngst. Nun knöpft er sich in einem Twittersturm die Medien vor.

Sein «Elektroauto fürs Volk» will nicht starten: Für Tesla-Chef Elon Musk sind die Medien schuld. Foto: John Raoux
Sein «Elektroauto fürs Volk» will nicht starten: Für Tesla-Chef Elon Musk sind die Medien schuld. Foto: John Raoux

Die Feindseligkeit von Elon Musk gegenüber den Medien reicht schon längere Zeit zurück, die Beziehung erreichte dieser Tage aber einen neuen Tiefpunkt. In einem Twitter-Sturmlauf attackierte er das angesehene Center for Investigative Reporting und dessen kritischen Bericht über die Arbeitsbedingungen im Tesla-Werk. Es handle sich um eine «ideologisch motivierte Attacke einer extremistischen Organisation», so Musk.

Er stellte seinen Twitter-Fans die rhetorische Frage nach der Glaubwürdigkeit der Medien. Das Ergebnis konnte nicht überraschen: 12 Prozent der Musk-Anhänger finden die Medien «wunderbar», 88 Prozent stellen deren Fairness infrage.

Mindestens ein Ziel hat Musk nach seinen Worten erreicht. Sein Ärger ist verflogen. «Irgendwie habe ich mich seit langer Zeit nicht mehr so gut gefühlt», teilte er nach seinem Rundumschlag mit. Die letzten Monate waren nicht einfach. So publizierte der Consumer Report einen negativen Testbericht zum Modell 3, unter anderem wegen der langen Bremswege, die am hohen Qualitätsanspruch von Tesla kratzen können.

Analysten machen Druck

Ärger hatte Musk auch mit den ihm in der Regel gut gesinnten Analysten. Sie löcherten ihn mit Fragen zur angespannten Finanzlage und wollten wissen, ob er doch noch zusätzliches Kapital aufnehmen müsse, um die Produktion zu sichern. «Langweilige, blöde Fragen», gab er zurück. Das verschaffte ihm nicht mehr Kredit. Auch die Anleger waren verstimmt, die Tesla-Aktie fiel um 5 Prozent.

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Darüber hinaus machen Elon Musk mehrere Untersuchungen zu schaffen. Der Dachverband der Gewerkschaften geht gegen ihn vor, weil er angeblich die Arbeiter bedrohte, die sich gewerkschaftlich organisieren wollen. Das bestreitet er. Das nationale Arbeitsaufsichtsgremium hatte zuvor Tesla beschuldigt, die Rechte der Arbeiter zu verletzen, weil sie sich vertraglich verpflichten müssen, nicht öffentlich über die Arbeitsbedingungen und Sicherheitsvorkehrungen im Fertigungswerk in Kalifornien zu sprechen.

Der Stress in den Fabrikhallen ist allerdings enorm, da Tesla permanent weniger Wagen ausliefern kann als versprochen und deswegen tief in den roten Zahlen steckt. Wie dramatisch die Lage ist, zeigt die jüngste, höchst ungewöhnliche Hauruckübung. Tesla transportierte in sechs Flugzeugen Robotermaschinen aus Europa in die Batteriefabrik in Nevada, um die Produktion des Modells 3 zu beschleunigen. «Wie immer bei Tesla muss alles in grösster Eile getan werden», zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Insider. «Geld spielt offenbar keine Rolle.»

Musks Zorn spiegelt die Polarisierung des Landes und das barsche Klima im Silicon Valley wider.

Der Rückstand in der Produktion zwang Elon Musk zu einem Geständnis. Das Modell 3 könne bis auf weiteres nicht zum versprochenen Preis von 35'000 Dollar geliefert werden, sagte er, weil «das Tesla Verluste und den Tod bescheren» würde. Das bedeutet: Die mehr als 400'000 Interessenten, die jeweils einen Vorschuss von 1000 Dollar für den «Volks-Tesla» zahlten, müssen warten. Es sei denn, sie bezahlen bis zu 78'000 Dollar für eine Luxusvariante des Modells.

Aber das wäre dann nicht das günstige Elektroauto, das Tesla-Chef Musk vollmundig versprochen hatte. Und der Schritt würde gemäss dem «Wall Street Journal» die extrem hohe Be­wertung des Unternehmens infrage stellen. Der Börsenwert von Tesla erreichte im Jahr 2017 pro produziertem Wagen 450'000 Dollar. Das ist 16-mal mehr, als die Investoren für einen der rasch aufholenden Konkurrenten, BMW, zahlen müssen.

Bilder – Mama Musk

Maye Musk zog ihre drei Kinder im Alleingang auf: Ein Bild aus Maye Musks Portfolio.
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mayemuskmodel.com
Im Alter von 15 Jahren startete sie in Südafrika ihre Modelkarriere. Dieses Bild stammt aus den 1960er Jahren.
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mayemuskmodel.com
Am 19. April feiert Maye Musk ihren 70. Geburtstag. Ein Modemagazins wird diesen Anlass mit einer Sonderbeilage würdigen.
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Twitter/mayemusk
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Musks Zorn spiegelt die Polarisierung des Landes und das barsche Klima im Silicon Valley wider. Wer die Besserwissenden infrage stellt, wird schlecht­geredet. Was nicht passt, wird ignoriert. Facebook-Chef Mark Zuckerberg tat Berichte über die russische Infiltration der Wahlen zunächst als Quatsch ab, bevor er sich widerwillig korrigieren musste. Der Investor Peter Thiel trieb ein ihm kritisch gesinntes Onlinemedienportal in den finanziellen Ruin, und Risikokapitalist Marc Andreessen wünschte der «New York Times» bereits vor zehn Jahren den Tod.

Lösen will Musk seine Probleme mit einem technokratischen Ansatz – dem Wundermittel im Silicon Valley. Er will eine Onlineplattform aufziehen, wo das Publikum, sein Publikum, die Glaubwürdigkeit «aller Journalisten, Medien und Verleger» beurteilen kann. Das Projekt heisst «Pravda» (Wahrheit), und Musk meint das offenbar ohne jede Ironie. Er hat bereits die Rechte am Namen des kommunistischen Parteiblattes der Ex-Sowjetunion erworben und will das Projekt nun mittels eines Crowdsourcings finanzieren. Ob er wirklich glaubt, damit Kritiker mundtot machen zu können, ist seine Sache. Wenn er aber – wie US-Präsident Donald Trump – die Medien zu unterminieren versucht, so ist das absolut kein Zeichen der Stärke.

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