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«Endlich nimmt die Geschichte einen anderen Lauf»

Der US-Ölkonzern Chevron wird wegen schweren Umweltschäden im Amazonasgebiet von Ecuador zur Kasse gebeten. Chevron weist jedoch jegliche Verantwortung zurück.

Mit Öl beschmiert: US-Schauspielerin Daryl Hannah macht auf die Umweltschäden im Amazonasgebiet von Ecuador aufmerksam.
Mit Öl beschmiert: US-Schauspielerin Daryl Hannah macht auf die Umweltschäden im Amazonasgebiet von Ecuador aufmerksam.
Keystone

Der US-Ölmulti Chevron soll im südamerikanischen Ecuador Schadenersatz in Höhe von rund 8 Milliarden Dollar für schwere Umweltschäden im Amazonasgebiet bezahlen. Das habe der Richter Nicolas Zambrano im Ort Lago Agrio entschieden, teilt der Klägeranwalt Pablo Fajardo mit. «Endlich nimmt die Geschichte einen anderen Lauf», lobte der Vertreter der klagenden Gemeinden aus den Amazonas-Regionen Ecuadors die Entscheidung. Seit Jahren sickern grosse Mengen Öl aus einer alten Förderstätte in den Boden und verseuchen die Region.

Chevron fühlt sich jedoch nicht zuständig und kündigte Widerstand an. Das Urteil sei «unrechtmässig und nicht durchsetzbar», teilte der Konzern am Firmensitz im kalifornischen San Ramon mit. Nach Angaben des «Wall Street Journals», das Einblick in das noch unveröffentlichte Urteil hatte, soll Chevron sogar mehr als 8,6 Milliarden Dollar zahlen. Sollte sich der Konzern in Zeitungsanzeigen in Ecuador und den USA nicht binnen 15 Tagen entschuldigen, drohte der Richter demnach damit, die Strafe zu verdoppeln.

Zog sich in den 1990er-Jahren zurück

Ursprünglich hatten die Kläger 27 Milliarden Dollar gefordert und erwägen deshalb ebenfalls, das Urteil anzufechten. Der Prozess hatte 1993 zunächst gegen den US-Ölkonzern Texaco vor einem Gericht in New York begonnen. Später übernahm Chevron Texaco. Die Kläger, die für etwa 30'000 Menschen, darunter viele Ureinwohner, auftreten, riefen daraufhin die Justiz in Ecuador an. Sie machen geltend, dass Texaco in den 1970er und 1980er Jahren giftige Abwässer in die Amazonasregenwälder im Norden des Landes abgeleitet habe.

Chevron argumentiert, dass Texaco mögliche Umweltschäden beseitigt habe. Anfang der 1990er Jahre hatte sich der Ölmulti aus Ecuador zurückgezogen. Texacos früherer nationaler Partner, das staatliche Ölunternehmen Petroecoador, habe hingegen auch später noch die Umwelt verschmutzt.

Trinkwasser und Fische mit giftigen Rückständen

Tatsächlich sind die Urwälder, in denen Öl gefördert wird, vielerorts stark mit Ölresten verschmutzt. Auch das Trinkwasser und die Fische in vielen Flüssen sind mit giftigen Rückständen belastet. Die Kläger sehen Chevron in der Pflicht. Doch der US-Konzern steht auf dem Standpunkt, dass die Ölfelder wie vereinbart übergeben wurden und die Verantwortung nun bei Ecuador liege.

SDA/jak

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