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Europäer aus Krisenländern kaufen Schweizer Apotheken leer

Immer mehr Medikamente sind knapp oder nicht mehr erhältlich – nun auch Ritalin. Zahlungsschwierigkeiten in einigen Ländern treiben Menschen auf der Suche nach Medikamenten in die Schweiz.

«Immer mehr Personen aus Griechenland, Spanien, Portugal und England kaufen in der Schweiz Medikamente»: Eine Apothekerin bedient einen Mann, hier in Nussbaumen AG. (21. Mai 2012)
«Immer mehr Personen aus Griechenland, Spanien, Portugal und England kaufen in der Schweiz Medikamente»: Eine Apothekerin bedient einen Mann, hier in Nussbaumen AG. (21. Mai 2012)
Keystone

Das von Novartis zur Behandlung von Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität eingesetzte Medikament Ritalin ist derzeit in der Schweiz nicht lieferbar. Eine Konzernsprecherin bestätigt gegenüber der «SonntagsZeitung», dass aus «logistischen Gründen» Ritalin LA (Lange Wirkdauer) derzeit nicht verfügbar sei. «Wir erwarten eine Wiederaufnahme der Auslieferung per 17. Dezember. Alle anderen Produkte stehen zur Verfügung».

Neben Ritalin werden auch weitere Medikamente rar, schreibt die «SonntagsZeitung» unter Berufung auf Listen von Grossisten, Apothekern und dem Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic. Bereits seit einiger Zeit herrscht bei gewissen Krebsmedikamenten ein Engpass. Die Lage ist weiterhin angespannt. Das Unispital Basel müsse immer noch einzelne Medikamente importieren, bestätigt eine Sprecherin gegenüber der Zeitung.

Lieferstopp in Krisenländer – weltweite Knappheit

Mindestens zwei Gründe sind für die Verknappung verantwortlich. Zum einen kaufen viele Touristen aus europäischen Ländern vor allem in Zürich Medikamente. «Wir stellen fest, dass immer mehr Personen aus Griechenland, Spanien, Portugal, aber auch England in der Schweiz Medikamente kaufen», sagt Lorenz Schmid, Präsident des Zürcher Apothekerverbandes. Die Touristen kaufen ihre Medikamente in der Schweiz, weil die Pharmaunternehmen wegen Zahlungsproblemen die Lieferung in diese Länder stoppen. Einige Ausländer deckten sich für mehrere Tausend Franken mit Präparaten ein, sagen Apotheker, die anonym bleiben wollten.

Zum anderen verschärft sich der Medikamentenmangel weltweit. Einer der Treiber sei der Kostendruck. Spitäler und Pharmakonzerne reduzierten ihre Lagerkapazitäten. Ausserdem lohne sich bei einigen älteren Präparaten die Herstellung kaum mehr, erklärt Ueli Haudenschild vom Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung gegenüber der «SonntagsZeitung».

Zur Entschärfung der Lage könnte ein Meldesystem beitragen. In der EU ist ein solches im Aufbau. In der Schweiz hofft man, daran teilnehmen zu können. Morgen Montag soll dazu zwischen dem Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung, dem Bundesamt für Gesundheit und Swissmedic eine Sitzung stattfinden.

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