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Europas Banken driften ab

Die Banken der aufstrebenden Märkte laufen jenen in Europa den Rang ab. Zu sehr werden deren Gewinne von der Schuldenkrise in Europa belastet. Eine Übersicht, wo Sie Ihr Geld besser nicht anlegen sollten.

Die schlechte Nachricht zuerst: Wichtige Bankentitel der Länder Frankreich und Italien haben sich innert sechs Monaten mehr als halbiert. Im Schnitt haben BNP Paribas, Société Générale, Credit Agricole, Unicredit und Intesa Sanpaolo von März bis zum Stichtag 22. September an der Börse 61 Prozent an Wert verloren. Deren Engagements in Griechenland sind offenbar zur Last geworden. Die französischen Banken halten überdies nicht nur griechische Staatsanleihen, sondern haben auch Niederlassungen vor Ort. Das verstärkt den Trend steigender Verlustpositionen in den Büchern der Finanzhäuser.

IWF: Kapitalnot greift über

Und mit schlechten Nachrichten geht es weiter: Der Internationale Währungsfonds kommt zu dem Schluss, dass die Kapitalnot der Banken und deren Verluste auf mit diesen geschäftlich verbundene Finanzinstitute unweigerlich übergreifen werden (Redaktion Tamedia berichtete). Diese Einschätzung ist auch der Grund für die Ratingagenturen, immer mehr Problembanken zu erfassen und in der Folge herabzustufen.

Zuletzt wurden sowohl europäische Banken als auch die grössten US-Institute herabgestuft. Die Ratingagentur Moody's geht davon aus, dass die US-Regierung die Bank of America, Wells Fargo und die Citigroup im Notfall nicht mehr auffangen könnte. In Griechenland wurden gleich acht Bankinstitute um zwei Noten herabgestuft. Darunter die Emporiki Bank (eine Tochter der Crédit Agricole) sowie die National Bank, die EFG Eurobank, die Alpha Bank, die Piräus Bank, die Attica Bank und die ATE. Die französischen Banken Société Générale und BNP Paribas haben ebenfalls schlechtere Bonitätsnoten erhalten. Frankreichs Finanzinstitute sind abgesehen von jenen in Griechenland derzeit am stärksten unter Druck.

Miese Zahlen für französische Banken

Laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) haben Frankreichs Banken Forderungen in der Höhe von 647 Milliarden Euro gegenüber den sogenannten Piigs-Staaten (Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien). Das ist mehr als in Deutschland, dessen Banken Forderungen von 533 Milliarden Euro aufweisen. Rund 20 Milliarden Euro in den Büchern der französischen Banken sind unmittelbar von einem Verlust betroffen. Die BNP Paribas musste bereits 534 Millionen Euro infolge ihres Griechenland-Engagements abschreiben und den Abzug von Geldanlangen in der Höhe von rund 500 Millionen Euro durch den Grosskonzern Siemens verschmerzen. Der Grund für diesen Geldabzug ist die zunehmende Instabilität der Bank aus Sicht des Siemens-Konzerns.

Der Abwärtstrend trifft nicht nur auf Frankreichs Banken, sondern auf nahezu alle Finanzinstitute in Europa zu. Das britische Banken-Fachmagazin «The Banker» gibt alljährlich ein Ranking der 1000 wichtigsten Banken weltweit heraus. Das Resümee des Studienautors Guillaume Hingel: «Die Gewinne der westlichen Welt sind im Jahr 2010 zwar wieder auf ein Niveau von knapp fünf Prozent unter dem Niveau von 2007 zurückgekehrt. Unterm Strich werden die ‹richtigen› Gewinne aber in anderen Teilen der Erde gemacht und definitiv nicht mehr in Europa.» Europa bleibe zwar der grösste Bankenmarkt der Welt, werde aber immer unbedeutender und verliere zunehmend an Einfluss. Unter den Top Ten der Banken nach Kernkapital befinden sich weltweit nur zwei europäische Banken, das sind die HSBC und die Royal Bank of Scotland.

Asien überholt Europa

Beim Anteil an den weltweiten Bankgewinnen haben chinesische Banken ihren Anteil von zehn auf 20 Prozent verdoppelt, wohingegen europäische Institute im einstelligen Prozentbereich bleiben. Die Vermögensbestände der europäischen Banken sind unterm Strich um 0,5 Prozent geschrumpft. Alle anderen Weltregionen konnten im Bankensektor ein Plus verzeichnen.

Überraschend ist gemäss Hingel auch, dass Lateinamerika und Osteuropa – also im Grunde die Emerging Markets – sehr aktiv am Kreditmarkt auftreten. Die Gewinnsituation in diesen Ländern erlaube es den Banken, in einem grösseren Stil Geld zu verleihen, als das in Europa der Fall sei. Sein Fazit: Die Bankenwelt hat sich zweigeteilt, und zwar in eine westliche mit Europa und den USA auf der einen Seite – und auf der anderen Seite in eine mit den Emerging Markets China, Lateinamerika und Osteuropa.

Keine guten Nachrichten

Wer auf die gute Nachricht gewartet hat – es gibt sie offenbar nicht. Analysten der UBS etwa gehen davon aus, dass die Situation europäischer Banken noch prekärer wird. In einer Bestandsaufnahme der Analysten wird vor dem Kauf von Bankentiteln ausdrücklich gewarnt. Die Schweizer Banker finden beschönigende Worte für die Aktien der Euroraum-Banken: «Langfristig sollten Investoren ihr Risiko in europäischen Finanztiteln nicht erhöhen.»

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