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Ex-Manager der Deutschen Bank nimmt sich das Leben

Ein enger Vertrauter von Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain ist tot. Die Polizei fand den ehemaligen Risikomanager erhängt in seiner Londoner Wohnung.

Die Deutsche Bank äussert sich nicht zu den Umständen des Todes von William Broeksmit: Co-Vorstandsvorsitzender Anshu Jain in Frankfurt. (23. Mai 2013)
Die Deutsche Bank äussert sich nicht zu den Umständen des Todes von William Broeksmit: Co-Vorstandsvorsitzender Anshu Jain in Frankfurt. (23. Mai 2013)
Reuters

William Broeksmit sei am Sonntag in seiner Londoner Wohnung gestorben, heisst es in einer der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden internen E-Mail der Bank, die von Jain und seinem Co-Chef Jürgen Fitschen unterzeichnet ist.

Der 58 Jahre alte Broeksmit hatte bis vor einem Jahr als hochrangiger Risikomanager für die Deutsche Bank gearbeitet und war dann vorzeitig in Ruhestand gegangen. 2012 hatte ihn Jain sogar in die Konzernleitung holen wollen, war aber am Widerstand der deutschen Finanzaufsicht gescheitert.

Tot in seinem Haus gefunden

Offenbar hat sich der US-Amerikaner das Leben genommen: Die Londoner Polizei erklärte zu dem Fall, sie sei um die Mittagszeit zu einem Haus im Nobel-Stadtteil South Kensington gerufen worden und habe dort einen 58 Jahre alten Mann erhängt aufgefunden. Sie schloss Fremdverschulden aus.

Die Deutsche Bank äusserte sich nicht zu den Hintergründen von Broeksmits Tod. Jain und Fitschen würdigten ihn in einer internen E-Mail an die Bank-Mitarbeiter als «engen Freund und Kollegen, von dessen Intellekt und Klugheit viele profitiert haben».

Zusammenarbeit seit 1990er Jahren

Broeksmit und Jain hatten bereits in den 1990er Jahren bei der US-Investmentbank Merrill Lynch zusammengearbeitet. 1996 ging Broeksmit zusammen mit rund 100 Investmentbankern zur Deutschen Bank, die damals unter Edson Mitchell ihr Geschäft mit dem Kapitalmarkt auf- und ausbaute, um mit der Konkurrenz aus den USA Schritt zu halten. Jain und Fitschen würdigten ihn in der E-Mail als «einen der Gründer unserer Investmentbank».

Mitchell war im Jahr 2000 bei einem Flugzeugsabsturz ums Leben gekommen. Wenig später verliess Broeksmit die grösste deutsche Bank, um 2008 zurückzukehren. «Viele seiner Kollegen hielten ihn für einen der klügsten Köpfe auf dem Gebiet des Risiko- und Kapital-Managements», schrieben Jain und Fitschen in ihrem kurzen Nachruf.

Anstehende Bilanzpressekonferenz

Broeksmits Tod dürfte auch die Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bank überschatten, in der sich Jain und Fitschen am Mittwoch den Fragen der Journalisten stellen. Sie wollen das Frankfurter Institut nach einer Serie von Skandalen – zumeist aus der Zeit vor der Finanzkrise 2007/08 – umsteuern und haben dazu einen «Kulturwandel» ausgerufen.

Broeksmit, der als Leiter der Risiko- und Kapital-Steuerung zuletzt eine Hierarchiestufe unter der Konzernleitung tätig war, galt als eine der Schlüsselfiguren der Deutschen Bank im Bemühen, die komplexen Transaktionen aus der Finanzkrise zu entwirren. Jain hatte ihn 2012 in seiner Führungsmannschaft eigentlich als Risikochef vorgesehen.

Aufsicht bemängelt fehlende Führungserfahrung

Doch die Finanzaufsicht legte sich quer: Sie zweifelte zwar seine fachlichen Qualitäten nicht an, bemängelte aber seine fehlende Führungserfahrung. Anstelle von Broeksmit wurde Stuart Lewis Nachfolger des Risiko-Managers Hugo Bänziger.

Im vergangenen Jahr beherrschte wochenlang der Selbstmord eines anderen hochrangigen Finanzmanagers die Schlagzeilen. Der Finanzchef des Schweizer Versicherungskonzerns Zurich, Pierre Wauthier, hatte in einem Abschiedsbrief schwere Vorwürfe gegen Verwaltungsratschef Josef Ackermann erhoben - Jains Vorgänger bei der Deutschen Bank.

Ackermann gab seinen Posten daraufhin auf. Eine Untersuchung der Schweizer Finanzmarktaufsicht entlastete Ackermann später von dem Vorwurf, Wauthier unangemessen unter Druck gesetzt zu haben.

SDA

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