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Expansion bei Loeb momentan kein Thema mehr

Die Berner Loeb-Gruppe ist 2009 in die Gewinnzone zurückgekehrt und spürt die Wirtschaftskrise kaum. Im Interview spricht Chefin Nicole Loeb über den Erfolg, die gescheiterte Expansionsstrategie und ihren Vater.

«Das Thema Expansion wurde von der Traktandenliste gestrichen», sagt Loeb-Chefin Nicole Loeb. Die Warenhausgruppe wolle sich nun auf ihre Hauptstandorte konzentrieren.
«Das Thema Expansion wurde von der Traktandenliste gestrichen», sagt Loeb-Chefin Nicole Loeb. Die Warenhausgruppe wolle sich nun auf ihre Hauptstandorte konzentrieren.
Urs Baumann

3,5 Millionen Franken Gewinn nach einem Verlust von 3,5 Millionen Franken im Vorjahr. Sie dürften mit dem Jahresergebnis 2009 zufrieden sein. Nicole Loeb: Ja, wir sind sehr zufrieden. Das ist das Resultat der letzten Jahre. Die viele Arbeit und die Neupositionierung haben sich gelohnt.

Was ist der Hauptgrund für den Turnaround? 2008 waren wir natürlich sehr stark tangiert durch den Umbau unseres Warenhauses. Den Verlust von damals muss man auch vor diesem Hintergrund sehen. 2009 konnten wir dank effizientem Kostenmanagement und höheren Mieterträgen zulegen.

Als Sie vor fünf Jahren die operative Führung der Loeb-Gruppe übernommen haben, jubilierte die Presse: Dieser Generationenwechsel tue der Warenhausgruppe gut. Heute kann man sagen, Sie haben die Loeb-Gruppe nach schwierigen Jahren zurück in die Gewinnzone gebracht. Sind Sie stolz darauf? Ich bin vor allem stolz auf mein Team. Es ist nie eine Einzelperson, die einen Turnaround schaffen kann. Der gute Jahresabschluss zeigt uns, dass wohl nicht alle Entscheide, die wir gefällt haben, falsch waren.

Nach dem langen und 60 Millionen Franken teuren Umbau sagten Sie, Loeb müsse nun erst das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen. Ist Ihnen das gelungen? Ich glaube schon. Wir konnten 2009 den Umsatz flächenbereinigt gegenüber 2008 steigern und Marktanteile zurückgewinnen. Das widerspiegelt das Vertrauen unserer Kunden.

Haben Sie die Stammkundschaft halten können? Den Grossteil der Kunden konnten wir halten, das sehen wir unter anderem auf Grund der Einkäufe, die mit der Loeb-Karte getätigt werden. Aber es ist natürlich so, dass man nicht alle Kunden hundertprozentig glücklich machen kann – auch wenn wir ständig daran arbeiten. Das ist halt so im Geschäftsleben.

Dem Vernehmen nach führen Sie eine strikte Personalpolitik. Nach dem Verlustjahr 2008 war von einem Stellenabbau die Rede. Wie viele Jobs haben Sie gestrichen? Dass wir im Ruf stehen, eine restriktive Personalpolitik zu betreiben, höre ich so zum ersten Mal. Es ist aber natürlich so, dass wir uns den Entwicklungen anpassen müssen. Je nach Situation kann es sein, dass wir freie Stellen nicht mehr besetzen. Kündigungen im grösseren Rahmen haben wir, abgesehen von der Schliessung der Filiale im freiburgischen Avry, aber letztes Jahr nicht ausgesprochen.

Auffallend ist, dass sich Loeb immer mehr aus dem eigenen Warenhaus zurückzieht. Letztes Jahr ging die Eigenfläche erneut um 1000 Quadratmeter zurück. Mittlerweile sind 50 Prozent der Fläche an Dritte vermietet. Wollen Sie so Risiken auslagern? Wir haben vor fünf Jahren, als wir unsere neue Strategie definiert haben, gemerkt, dass wir als kleiner Player mit den grossen Konkurrenten nicht in allen Sortimentsbereichen gleich gut mithalten können. Deshalb haben wir uns damals entschieden, zusätzliche Partner zu suchen, die in einzelnen Bereichen eine grössere Kompetenz haben als wir. Sie haben natürlich Recht: Wir können so auch unsere Risiken minimieren und zusätzliche Mieteinnahmen generieren. Für uns hat sich diese Strategie bewährt.

Droht nicht die Gefahr, mit diesem Shop-in-Shop-Konzept die Kontrolle über das eigene Warenhaus zu verlieren? Wir machen das schon seit vielen Jahren und haben grosse Erfahrungen mit diesem Modell. Weil die Vermietungen an Dritte aber stetig zugenommen haben, haben wir nun eine Mitarbeiterin eingestellt, die sich aktiv um die einzelnen Mieter kümmert.

50 Prozent der Gesamtfläche haben Sie vermietet, aus dem Einkaufscenter in Bethlehem hat sich Loeb ganz zurückgezogen. Ist zu befürchten, dass im Hauptgeschäft in Bern von Loeb bald nur noch der Schriftzug am Gebäude übrig bleibt? Nein, sicher nicht. Wir haben nicht vor, massgeblich mehr Ladenfläche an Dritte zu vermieten. Das würde unserer heutigen Strategie widersprechen.

Wie sehr spürt Loeb als eher kleiner Player die Konkurrenz von grossen Einkaufszentren und Warenhäusern? Wir spüren zwar die Mitbewerber, haben aber im letzten Jahr Marktanteile gewonnen. Insofern lassen wir uns nicht beunruhigen, beobachten den Markt aber aufmerksam. Ein sehr grosser Pluspunkt und auch ein wichtiges Markenzeichen für Loeb sind die attraktiv gestalteten Schaufenster. Dadurch können wir uns von der Konkurrenz abheben.

Ende 2009 schloss die Filiale in Avry im Kanton Freiburg. Bereits 2005 wurden der Standort in der Stadt Freiburg aufgegeben und die Filiale in Solothurn unter anderem Label weitergeführt. Sind Sie zum Schluss gekommen «Weniger ist mehr»? Es hat sich gezeigt, dass unser Warenhauskonzept auf einer kleineren Fläche mit reduziertem Sortiment nicht ohne weiteres funktioniert. Wir wollen uns deshalb auf unsere Hauptstandorte in Bern, Thun, Biel und im Shoppyland konzentrieren.

Die Idee, zu expandieren, hatte Ihr Vater und Vorgänger, François Loeb. Sie blasen nun zum Rückzug und wollen sich auf die Hauptpfeiler konzentrieren. Belasten diese unterschiedlichen Auffassungen das Verhältnis zu Ihrem Vater? Nein. Mein Vater war mit der Loeb-Gruppe jahrelang sehr erfolgreich. Aus damaliger Sicht war diese Expansion sinnvoll. Nun hat es eben nicht geklappt und wir haben den Kurs korrigiert.

Ist das Thema Expansion nun definitiv von der Traktandenliste verschwunden? In dieser Form ist es sicherlich gestrichen, ja.

Sie stammen aus einer Unternehmerfamilie und verfügten wohl immer über ausreichend Geld. Warum wählten Sie dennoch ein Arbeitsleben, das eben auch mühsam sein kann? Ich vergleiche unser Geschäft immer mit einem Bauernhof: Die Eltern übergeben den Hof eines Tages an ihre Kinder und ziehen ins Stöckli. Für mich war früh klar, dass ich in die Fussstapfen meines Vaters treten will, auch wenn ich von ihm nie dazu gedrängt wurde.

Wo kaufen Sie selber ein? Trifft man Sie auch mal bei der Konkurrenz an? Ich kaufe selbstverständlich nur bei Loeb ein (schmunzelt). Nein, natürlich sehe ich mich auch gerne bei der Konkurrenz um und lasse mich inspirieren. Ich habe auch schon bei Globus eingekauft. Aber natürlich nur wenig (lacht.)

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