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Finanzkrise: Schweiz sieht keinen Handlungsbedarf

Die Schweizer Behörden begrüssen die Massnahmen der G7-Staaten und der Euroländer. Selber sieht sie vorderhand keinen Handlungsbedarf.

«Die Schweiz begrüsst die Massnahmen der G7-Staaten, der Eurogruppe und der einzelnen Regierungen als wertvolle Beiträge zur Stabilisierung des Finanzsystems», sagte die Sprecherin des Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD), Tanja Kocher, auf Anfrage. Der Bundesrat, die Nationalbank und die Bankenkommission seien auch in den letzten Tagen in Kontakt mit ihren ausländischen Amtskollegen gestanden.

Im Einklang mit der bisherigen Informationspolitik äusserte sich Bern nicht zu möglichen Schritten der Schweiz. Der Bundesrat sei sich seiner Verantwortung für den Finanzplatz bewusst, sagte die Sprecherin und fügte hinzu: «Er wird deshalb alles daran setzen, dass die Stabilität des Finanzsystems, und damit auch die Einlagen der Kunden, durch präventive Massnahmen sichergestellt werden.»

Keine Bankenkrise in der Schweiz

Keinen Handlungsbedarf macht man aus heutiger Sicht bei der Schweizerischen Bankiervereinigung aus. «Wir haben keine Bankenkrise in der Schweiz», sagte Thomas Sutter, Sprecher des Bankendachverbands. Die Banken seien gesund, und die UBS habe sehr früh entscheidende Massnahmen zur Rekapitalisierung ergriffen.

Für den St. Galler Bankprofessor Manuel Ammann gehen die über das Wochenende beschlossenen Massnahmen in die richtige Richtung. «Insbesondere die Eigenkapitalspritzen erachte ich als zielführend und – wenn richtig konzipiert – auch mit vergleichsweise wenig problematischen Anreizen verbunden», sagte Ammann auf Anfrage der AP. Er rechnet nun mit einer Beruhigung der Märkte. Entscheidend für die Rückkehr des Vertrauens sei natürlich die Höhe der zur Verfügung stehenden neuen Eigenmittel.

Kein Handlungsbedarf

Einen unmittelbaren Handlungsbedarf für die Schweizer Behörden sieht der Direktor des Schweizerischen Instituts für Banken und Finanzen an der Universität St. Gallen nicht. Er erinnerte daran, dass die Schweizer Banken im Vergleich zu den ausländischen Banken, die voraussichtlich Hilfe bekämen, stärker kapitalisiert seien. Rekapitalisierungen würden sich erst aufdrängen, wenn substanzielle zusätzliche Abschreibungen auf den Aktiven notwendig würden. Ein Eingreifen des Staats wäre in diesem Fall sinnvoll, wenn eine private Rekapitalisierung nicht mehr möglich sei.

Flächendeckende Hilfsmassnahmen im europäischen Raum könnten allerdings dazu führen können, dass auch die Schweiz Massnahmen treffen müsse, um die Banken nicht zu benachteiligen. Flächendeckende Massnahmen, insbesondere Staatsgarantien, seien mit der Gefahr verbunden, dass alle nachziehen müssten, um wieder gleiche Spiesse zu schaffen. «Keine Einführung solcher Garantien und anderen staatlichen Massnahmen wären allerdings ein starkes Signal für die Stärke und Stabilität des Schweizer Finanzplatzes und hätte langfristig positive Auswirkungen», sagte Ammann und fügte hinzu: «Es muss somit so lange wie möglich versucht werden, auf staatliche Massnahmen zu verzichten.»

Auch der Zürcher Bankenprofessor Hans Geiger sieht keinen Handlungsdruck auf die Schweiz. Er verwies ebenfalls auf die gute Kapitalisierung der Schweizer Banken und das frühzeitige Handeln der UBS. Zudem sei das Schweizer Finanzsystem bezüglich Aufsicht und Geldversorgung nicht mit jenem der Eurozone vergleichbar, in der letztere bei der EZB zentralisiert, die Aufsicht aber bei den einzelnen Ländern verblieben sei. Ein Liquiditätsproblem gebe es in der Schweiz nicht. «Wir sind tatsächlich so etwas wie eine Insel», sagte Geiger.

Beide Professoren verwiesen aber auf das Klumpenrisiko der beiden Grossbanken. Höhere Eigenmittelanforderungen und stärkere Transparenzanforderungen für UBS und Credit Suisse seien deshalb unumgänglich, um die volkswirtschaftlichen Risiken für die Schweiz zu reduzieren.

AP/mbr

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