Falcon Bank muss in Singapur schliessen

Im Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB gerät eine in der Schweiz angesiedelte Privatbank in Bedrängnis – vor allem in Asien.

Die Bank hat laut der Finanzaufsicht bei Geschäften mit dem malaysischen Staatsfond ungenügende Abklärungen getroffen: Logo der Falcon Bank.

Die Bank hat laut der Finanzaufsicht bei Geschäften mit dem malaysischen Staatsfond ungenügende Abklärungen getroffen: Logo der Falcon Bank.

Unter Druck steht die Falcon Bank mit Hauptsitz in Zürich besonders in Singapur. Die dortige Monetary Authority (MAS) verfügt, dass die dortige Bank schliessen und zudem eine Busse von 4,3 Millionen Singapur Dollar (3,1 Millionen Franken) bezahlen muss.

Die MAS wirft der Falcon Bank gravierendes Versagen gegen lokale Geldwäschereigesetze vor. Zudem wirft die Aufsichtsbehörde dem führenden Management in der Schweiz wie auch in Singapur regelwidriges oder unzulässiges Verhalten («improper conduct») vor. Deswegen schliesst sie die Bank in Singapur und verhängt die Busse, wie die MAS am Dienstagnacht mitteilte.

Gleichzeitig informierte die Behörde, dass Jens Sturzenegger, Chef der Singapurer Niederlassung, bereits am 5. Oktober verhaftet wurde.

Mangelnde Kooperation bei den Ermittlungen

Der Begriff des «improper conduct» seitens des Managements kann gedeutet werden als fehlende Kooperationsbereitschaft im Zuge der Ermittlungen. In der Mitteilung der MAS heisst es denn auch, die Falcon Bank habe dauerhaft und gravierend die Anforderungen an die Geldwäschereigesetzgebung in Singapur missachtet («demonstrated a persistent and severe lack of understanding of MAS' AML requirements and expectations»). Wohl deshalb fällt die Strafe gegen die Falcon Private Bank happig aus.

Die Singapurer Behörde versichert den Kunden der örtlichen Falcon Bank, dass sie vom Hauptsitz in Zürich unterstützt würden. Die Bank als solche sei finanziell gesund.

Zusammenarbeit von MAS und Finma

In der Mitteilung heisst es, dass MAS eng mit der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) zusammenarbeite, sodass die Schliessung der Bank in Singapur in geordneten Bahnen über die Bühne gehe.

Die Finma ihrerseits hatte ebenfalls in der Nacht auf heute informiert, dass sie den ungerechtfertigt erzielten Gewinn aus dem malaysischen 1 MDB-Staatsfonds von 2,5 Millionen Franken einziehe. Zudem darf die Falcon Private Bank für drei Jahre keine Geschäftsbeziehungen mit ausländischen Personen eingehen, die politisch exponiert sind (PEP). Für den Wiederholungsfall droht die Finma mit dem Entzug der Banklizenz.

Der Staatsfonds 1MDB steht im Zentrum von Geldwäschereiuntersuchungen in mindestens sechs Ländern. Es gibt Anhaltspunkte, dass Gelder im Umfang von ungefähr 4 Milliarden Dollar veruntreut wurden. Diese wären für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Malaysias bestimmt gewesen.

Kein Verkauf vorgesehen

Die bestrafte Bank reagierte heute mit einer Medienkonferenz. Dabei wurde bekannt, dass die Falcon Private Bank auch nach der verordneten Schliessung der Aktivitäten in Singapur nicht zum Verkauf stehe. «Unser Eigentümer Aabar steht zu 100 Prozent hinter uns und sieht zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Verkauf vor», sagte Geschäftsführer Walter Berchtold.

Ein Verkauf durch den abudhabischen Investor sei bisher nie diskutiert worden. Für die Zukunft halte sich die Bank aber alle Optionen offen, zum Beispiel auch eine Fusion, ergänzte der CEO. Auf die Kundenbeziehungen habe der Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB keinen Einfluss gehabt. «Wir haben im bisherigen Jahresverlauf Neugeldzuflüsse verzeichnet», erklärte Berchtold. Das Verdikt der Monetary Authority of Singapore, welche die Schliessung der Niederlassung in Singapur festlegt, sei bedauerlich und enttäuschend, so Berchtold weiter.

Es droht eine Strafanzeige

Die Bundesanwaltschaft prüfe derzeit die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen die Falcon Private Bank, schrieb die Ermittlungs- und Anklagebehörde am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Die Behörde hat demnach bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma die Herausgabe des Enforcement-Entscheides beantragt und wird im Anschluss an die Analyse über die Verfahrenseröffnung entscheiden. Weitergehend will sich die Bundesanwaltschaft derzeit nicht äussern.

Im Besitz von Abu Dhabi

Die Falcon Private Bank wurde 1965 in Zürich als Überseebank gegründet. 1998 wurde das Unternehmen in AIG Privat Bank umbenannt. 2009 übernahm die International Petroleum Investment Company (IPIC), ein Staatsfonds von Abu Dhabi, die Privatbank und benannte sie als Falcon Private Bank.

Auf ihrer Homepage bewirbt sie sich selbst als spezialisierter Schweizer Vermögensverwalter «mit grosser Emerging-Market-Kompetenz und direktem Zugang zu den Schwellenmärkten». Die Bank betreibt Niederlassungen in Zürich, London, Abu Dhabi, Dubai und Singapur.

fal/rup/sda

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