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Für Schweizer Hoteliers wird es ungemütlich

Hoteliers bläst ein kalter Wind entgegen: Die anstehende Wintersaison wird laut Prognosen sehr harzig verlaufen. Auch die vergangene Sommersaison verlief in der Schweiz alles andere als strahlend.

Eine schwierige Saison droht: Eingeschneites Hotel Kulm in St. Moritz.
Eine schwierige Saison droht: Eingeschneites Hotel Kulm in St. Moritz.
Keystone

Die Konjunkturforscher von Bakbasel prognostizieren dem Hotel-Sektor einen Rückgang um 2,6 Prozent. Die Übernachtungen von Ausländern dürften gar um 4,2 Prozent zurückgehen.

Die Binnennachfrage zeigt sich stabiler, wie den heute veröffentlichten Prognosen im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) zu entnehmen ist. Aber auch die Übernachtungen der Einheimischen dürften mit Minus 0,4 Prozent leicht rückläufig sein.

Deutlich weniger Amerikaner

Den deutlichen Rückgang beim Geschäft mit ausländischen Gästen führt Bakbasel auf den starken Franken zurück. Zudem verstärkt die langsamere Gangart der Weltkonjunktur den Dämpfer. Vor allem aus den traditionellen westeuropäischen Märkten und den USA sind deutliche Rückgänge zu befürchten.

Das ändert sich nicht so schnell: Bakbasel rechnet in der Sommersaison 2012 mit einem Logiernächterückgang von 1,4 Prozent. Damit dürfte das Tourismusjahr 2012 mit einem Minus von 1,9 Prozent enden.

Vier magere Jahre

Auch die vergangene Sommersaison wird nicht als strahlend in die Geschichte eingehen. Für sie gehen die Konjunkturforscher von einem Rückgang um 2,5 Prozent aus. Vor allen im Alpenraum war die Saison mit einem Rückgang von 4,8 Prozent schwierig. Zum starken Franken hatte sich dort noch widriges Wetter in den wichtigsten Sommermonaten gesellt.

Nachhaltig auf den Wachstumspfade zurückkehren sollte die Schweizer Tourismusbranche 2013 mit einem Übernachtungsplus von 2,1 Prozent. Noch kräftiger zulegen sollte die Branche im Tourismusjahr 2014 mit einem Wachstum von 3,4 Prozent.

Auch Bergbahnen leiden

Bakbasel erklärt diese Dynamik mit einem Aufholprozess bei der Auslandnachfrage nach vier mageren Jahren. Zusätzlich sollten sich 2014 die gesteigerten Investitionen in der Schweizer Hotellerie auszahlen.

Ebenso düster wie bei den Hotels sieht es bei den Bergbahnen aus. Ihre Verkehrserträge dürften sich Tourismusjahr 2011 um 4,8 Prozent geschmälert haben. Vor allem das Frühjahr war wegen des späten Osterzeitpunkts zusammen mit sommerlichen Temperaturen schwierig.

2012 müssen die Bergbahnen mit einer weiteren Delle von 0,6 Prozent rechnen. Allerdings rettet die Bahnen hier der günstigere Ostertermin, so dass die Einbusse wegen der gesunkenen Nachfrage nicht so stark ausfällt wie bei den Hotels.

Sporthändler stehen vor schwierigem Winter

Der anhaltend starke Franken dürfte auch Sporthändlern in der Schweiz eine schwierige Wintersaison bescheren. Zum einen werden weniger Schneetouristen aus dem Euro-Raum erwartet, zum anderen kaufen Schweizer immer öfter jenseits der Grenze oder übers Internet ein.

«Unsere Branche spürt den Einkaufstourismus massiv», lässt sich etwa der Chef von Intersport Schweiz, Urs Müller, in einem Artikel der «NZZ am Sonntag» zitieren. Um dem Trend entgegenzuwirken, sehe sich Intersport Schweiz unter anderem dazu veranlasst, bei einer landesweiten Werbekampagne mitzuwirken, sagte Müller auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Diese soll darauf hinweisen, wie sehr Schweizer Konsumenten dem Wirtschaftsstandort Schweiz schaden, wenn sie im grenznahen Ausland oder übers Internet durch den starken Franken verbilligte Waren beziehen, so Müller. Lehrlingsstellen, Arbeitsplätze sowie das Einkommen von in dieser Branche tätigen Schweizern hingen ganz konkret davon ab.

Preissenkungen nicht kurzfristig möglich

Wieso senkt Intersport Schweiz im Hinblick auf die Wintersaison denn nicht einfach die Preise? Dies sei in der Sportartikelbranche zwar schrittweise erfolgt, aufgrund ihres stark saisonalen Charakters sei dies aber nicht so leicht zu bewerkstelligen wie in anderen Branchen, erklärt Müller.

So hätten die Intersport-Lieferanten ihre Bestellungen für die kommende Wintersaison etwa bereits im Februar zu einem damals noch markant höheren Eurokurs tätigen müssen und könnten die aktuell günstigen Wechselkursverhältnisse daher nur bedingt weitergeben. Intersport Schweiz habe jedoch seine Lieferanten in einem Schreiben dazu aufgefordert, dennoch Preisanpassungen in Betracht zu ziehen.

Wetter und Währung am einflussreichsten

Was die Schweizer Tourismusbranche als Ganzes betrifft, so befinde auch sie sich derzeit in einer angespannten Lage. Neben dem Faktor Währung sei aber der Faktor Wetter geradeso entscheidend für den Verlauf der kommenden Wintersaison, so Müller.

Beides werde einen gleichermassen starken Einfluss darauf haben, ob und wie zahlreich die Gäste aus dem Ausland, insbesondere dem Euro-Raum, in die Schweizer Bergorte strömen werden, schätzt der Chef von Intersport Schweiz. Den Einfluss der gesamtwirtschaftlichen Lage auf das Besucherverhalten sieht er noch hinter jenem der Werbeaktivitäten an vierter Stelle.

SDA/bru

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