Gewinn von Google-Mutter bricht wegen EU-Strafe massiv ein

Der Überschuss des US-Konzerns Alphabet ist nach der dritten Strafe in Milliardenhöhe um knapp 30 Prozent gesunken. Und Google ist nicht das einzige Sorgenkind.

Zum dritten Mal verhängte die EU-Kommission hohe Strafen: Google-Büros in New York. (29. April 2019)

Zum dritten Mal verhängte die EU-Kommission hohe Strafen: Google-Büros in New York. (29. April 2019)

(Bild: Keystone Mark Lennihan)

Eine weitere EU-Milliardenstrafe hat den Google-Mutterkonzern Alphabet zu Jahresbeginn belastet. Verglichen mit dem Vorjahreswert brach der Konzerngewinn unterm Strich um 29 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar ein.

Dies gab der Internetkonzern am Montag nach US-Börsenschluss bekannt. Der Umsatz legte angesichts weiter sprudelnder Werbeeinnahmen allerdings um rund 17 Prozent auf 36,3 Milliarden Dollar zu, blieb damit aber rund eine Milliarde Dollar unter den Erwartungen der Analystenwelt.

Die Entwicklungen kamen bei Anlegern nicht gut an. Die Aktie reagierte nachbörslich zunächst mit deutlichen Kursverlusten und geriet zeitweise mit über fünf Prozent ins Minus.

Steigende Kosten

Googles Umsatzwachstum flaut immer stärker ab - im Vorjahreszeitraum hatte es noch bei 26 Prozent gelegen, im Vorquartal bei 22 Prozent. Diesmal war das Umsatzwachstum so gering wie seit drei Jahren nicht mehr. Die Alphabet-Tochter spürt den zunehmenden Konkurrenzkampf im Markt für Online-Anzeigen, wo seit einiger Zeit beispielsweise auch Amazon grössere Erfolge feiert.

Für Stirnrunzeln bei Investoren sorgten auch die gestiegenen Kosten. Diese erhöhten sich zum Jahresauftakt um 16,5 Prozent auf knapp 30 Milliarden Dollar, wie Alphabet mitteilte. Experten monieren seit längerem einen steigenden Kostendruck bei dem Konzern, der mehr Geld ausgab für den Ausbau seines Netzes an Rechenzentren, neue Immobilien und die Entwicklung von Projekten auf Basis Künstlicher Intelligenz.

Die EU-Kommission hatte im März zum dritten Mal eine hohe Strafe gegen Google verhängt. Wegen Behinderung anderer Anbieter im Geschäft mit Suchmaschinen-Werbung wurde der Konzern zu einer Zahlung von rund 1,5 Milliarden Euro verdonnert. Die Strafe hinterliess nun deutliche Spuren in der Bilanz, auch wenn der Gewinn trotzdem noch vergleichsweise hoch ausfiel.

Verlustreiche andere Geschäfte

«Wir haben ein robustes Quartal geliefert, angeführt von mobiler Suche, Youtube und Cloud-Diensten», sagte Finanzchefin Ruth Porat. Doch auch bei der Video-Tochter Youtube, deren Ergebnisse Alphabet nicht separat ausweist, gab es zuletzt einige Probleme. So stören sich einige Werbekunden am Umgang mit umstrittenen Inhalten, weshalb Analysten schon länger vor möglichen Einnahmeeinbussen warnten.

Alphabets sonstige Geschäfte, die unter der Bezeichnung «andere Wetten» geführt werden, schafften nur einen Erlösanstieg von 150 Millionen auf 170 Millionen Dollar, was in der Gesamtbetrachtung des Konzernumsatzes kaum ins Gewicht fällt. Dabei stieg der operative Verlust der Sparte, zu der beispielsweise der Roboterwagen-Entwickler Waymo zählt, von 571 Millionen auf 868 Millionen Dollar.

Auch bei der Aktienkursentwicklung kann Alphabet nicht mit seinen unmittelbaren amerikanischen Rivalen mithalten. Seit Anfang des Jahres legten die Titel 23 Prozent zu, während Facebook-Aktien knapp 50 Prozent stiegen, Netflix-Papiere um 39 Prozent zulegten und sich die Aktien des iPhone-Herstellers Apple um 30 Prozent erhöhten.

sep/sda

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