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Griechenlands wertloser Goldschatz

Europas Krisenstaaten verfügen über beträchtliche Goldreserven: 111,4 Tonnen Gold hortet Griechenland, Italien gar 2452 Tonnen. Doch gegen die Staatsverschuldungen nützen diese Vermögen nichts.

In Krisenzeiten ist Gold ein sicherer Wert – und betrachtet man die Goldreserven der kriselnden südeuropäischen Staaten, müsste man für die Schuldenländer auf den ersten Blick eigentlich zuversichtlich sein: In der griechischen Zentralbank lagern immerhin 111,5 Tonnen Gold, das Land liegt damit an 30. Stelle auf der Liste der Länder mit den weltweit grössten Goldreserven. Portugal (Rang 14) und Spanien (Rang 19) verfügen mit 382,5 beziehungsweise 281,6 Tonnen über mehr Gold als beispielsweise Österreich (280 Tonnen). Italien bunkert mit 2451,8 Tonnen sogar mehr als doppelt so viel Gold wie die Schweiz.

Die Hilferufe aus dem Süden muten angesichts dieser Zahlen paradox an. Ein Rechenbeispiel der «Financial Times Deutschland» zeigt aber am Beispiel Deutschland, weshalb die Goldreserven den einzelnen Ländern bei der Schuldenfrage wenig nützen. Deutschland hat mit rund 3400 Tonnen die zweitgrössten Goldreserven der Welt. Nach aktuellen Marktpreisen, schreibt die Wirtschaftszeitung, entspricht dies einem Wert von 196 Milliarden Dollar. Das tönt nach viel, doch Deutschland könnte damit nicht einmal seine Schulden tilgen, die sich auf 2000 Milliarden Dollar belaufen. Zudem lag gemäss dem Blatt die Gesamtgoldnachfrage im Jahr 2010 lediglich bei 3999 Tonnen.

Obergrenze für Goldverkäufe

Was für Deutschland im Grossen gilt, trifft auch für Griechenland im Kleinen zu: Der Staat könnte selbst mit dem Verkauf seiner 111,4 Tonnen seine Schulden von 320 Milliarden Euro nicht tilgen. Bei einem Goldpreis von 1780 Dollar pro Unze würde der Staat lediglich 6,4 Milliarden Dollar lösen. Würden zudem sämtliche Schuldenstaaten oder gar die grossen Vier – die USA, Deutschland, Italien und Frankreich – ihre Vorräte auf den Markt werfen, würden die Preise einbrechen.

Aus diesem Grund haben sich die Zentralbanken der EU, von Schweden und der Schweiz 2009 auf eine Obergrenze geeinigt: Keine Notenbank soll mehr als 400 Tonnen Gold pro Jahr verkaufen dürfen. Doch ans Verkaufen denken ohnehin die wenigsten Staaten – im Gegenteil: Die Zentralbanken kaufen zum Teil sogar im grossen Stil ein: China etwa erhöhte seine Reserven seit 2000 von 395 auf 1054 Tonnen, Mexiko erhöhte seinen Vorrat von 6,8 auf 100 Tonnen. Den Griechen hingegen fehlte für eine Einkaufstour das Geld.

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