H&M macht die Grössen grösser

Nach Beschwerden von Kundinnen passt die Kette ihre Kleidergrössen in Grossbritannien an.

Kundinnen reklamierten über zu kleine Klamotten: H&M in London.

Kundinnen reklamierten über zu kleine Klamotten: H&M in London.

(Bild: Reuters Luke MacGregor)

Caroline Freigang@c_freigang

«Ich bin vor ein paar Monaten in einen H&M-Laden gegangen, um Jeans anzuprobieren. Ich habe sie nicht mal über die Waden gekriegt», erzählt die Britin Rebecca Parker. Normalerweise trage sie die Grösse 14 (40 in der Schweiz). Bei H&M sei ihr diese Konfektionsgrösse zu klein.

Parker wandte sich auf Facebook in einem offenen Brief an die schwedische Modekette. Darin schrieb sie, sie sei sehr stolz auf ihren Körper. Es habe lange gedauert, aber sie sei mit ihren «grossen Hüften, wabbeligen Oberschenkeln und ihrem kleinen Bäuchlein sehr zufrieden». Weiter merkt sie an: «Ich trage schon seit jeher die Grösse 12/14 (38/40) und bin zufrieden damit. Aber als ich eine eurer Jeans anprobierte, war ich verärgert und frustriert. Die Jeans ist eindeutig nicht für eine Frau meiner Statur gemacht. Warum ist das so? Warum ist es für eine Marke in Ordnung, ein Kleidungsstück mit einer Grösse zu kennzeichnen, die es eindeutig nicht hat?»

«Haltung ist heuchlerisch»

Sie habe nur eine enttäuschende Entschuldigung von H&M erhalten. Damit war sie nicht zufrieden: «Was mich am meisten störte, ist, dass H&M mit ihrer Haltung heuchlerisch ist», sagt sie. «Man kann ein T-Shirt kaufen, auf dem Feminismus steht. Aber die Marke stellt immer noch Klamotten her, die eine Frau dazu bringen können, sich schlecht zu fühlen.»

Die 24-Jährige ist nicht die Einzige mit dieser Erfahrung. Die Britin Laura Finnemore war laut eigener Aussage schockiert, nachdem sie bei H&M sechs verschiedene Kleidungsstücke in ihrer normalen Grösse anprobierte und diese deutlich zu klein waren, sagt sie gegenüber der BBC. Sie habe seither nicht mehr bei H&M eingekauft und den Glauben an die Marke verloren. «Es muss Tausende von Leuten geben, die wie ich wegen der Grössenpolitik von H&M ziemlich verärgert sind», so die 34-Jährige.

Auch auf sozialen Medien äussern sich Kundinnen:

H&M passt Grössen an

H&M hat unterdessen reagiert und angekündigt, ihre Grössen in Grossbritannien zu ändern. «Wir werden die Masse unserer Damenbekleidung an die Grössen in Grossbritannien anpassen», sagte ein Sprecher der schwedischen Kette. Kleidung, die jetzt mit einer Grösse 12 (38) angeschrieben sei, würde in Zukunft etwa mit der Grösse 10 (36) gekennzeichnet. Damit passt sich die Kette der Konkurrenz vor Ort an.

Es werde allerdings eine Übergangsphase geben. Kunden sollten in dieser Zeit die Grössenanleitungen auf der Website nutzen oder sich von Mitarbeitern beraten lassen. H&M sehe keine Notwendigkeit, die Grössen auch in der Schweiz anzupassen, sagte ein H&M-Sprecher auf Nachfrage von berneroberlaender.ch/Newsnetz.

«Alle Körper sind unterschiedlich»

Kundin Ruth Clemens ist noch immer nicht zufrieden: Es sei zwar gut, dass H&M seine Grössenpolitik anpasse. Es müsse aber mehr gemacht werden, um das Verständnis zu ändern, dass es eine richtige und eine falsche Grösse gebe.

Das Problem sei nicht nur das von H&M. «Diese Art von Billigklamotten werden so günstig wie möglich produziert, die Qualität ist nicht überall gleich.» Die Standardgrössen in den meisten Läden liessen keine Diversität zu. «Alle Körper sind unterschiedlich, es gibt nicht nur extrem dick oder dünn, jeder ist anders.»

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