Hochbezahlte Risiko-Manager

Die Grossbank UBS gibt viel Geld aus für ein Komitee, das Risiken minimieren soll – den neusten Devisenskandal aber nicht verhindern konnte. Haben die Verantwortlichen versagt?

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Franziska Kohler@tagesanzeiger

Der britische Ex-Banker David Sidwell hat bei der UBS einen lukrativen Posten inne: Mehr als eine Million Franken pro Jahr bekommt er laut der SRF-Sendung «Eco»für seinen Einsitz im Verwaltungsrat. Sidwell ist unter anderem zuständig für das Risikomanagement, er ist seit 2008 Vorsitzender des Risk Committee. Dabei ist es ihm scheinbar nicht gelungen, alle Risiken zuverlässig zu erkennen, wie der Devisenskandal zeigt, der die UBS letzte Woche erschütterte. Er ist laut der Finanzmarktaufsicht Finma auch eine Folge mangelnder Risikoerfassung.

Dabei ist Sidwell nicht der Einzige, der von der UBS fürstlich entlöhnt wird, damit er eben solche Skandale verhindert. Seinem Risk Committee gehören vier weitere, teilweise prominente Wirtschaftsakteure an: der ehemalige BMW-Chef Helmut Panke (Vergütung: 625'000 Franken), Axel Lehmann, Risikochef der Zurich-Versicherungen (525'000 Franken), der Hongkonger Wirtschaftsprofessor Joseph Yam (575'000 Franken) und die Schweizer Wirtschaftsprofessorin Beatrice Weder Di Mauro (725'000 Franken). Etwa die Hälfte ihrer Honorare kassieren sie für den Einsitz in jeweils zwei Ausschüssen. Sidwell zum Beispiel erhält 500'000 Franken allein für den Vorsitz im Risikokomitee und die Mitgliedschaft in einem weiteren Ausschuss.

Laut dem Geschäftsbericht der UBS haben die Mitglieder der Risikokommission die Aufgabe, geeignete Risikomanagement- und Kontrollprinzipien festzulegen und dabei die «potenziellen Auswirkungen der genannten Risiken auf die Reputation des Konzerns zu berücksichtigen». Dass auch der neuste Skandal dem Image der UBS schaden wird, versteht sich von selbst. Vor allem Sidwell und Panke hätten schon früher auf die Machenschaften im Devisenhandel aufmerksam werden können: Sie gehören dem Risk Committee seit 2008 an, die Devisenmanipulationen betreffen mindestens den Zeitraum von 2008 bis 2013.

«Eine Schande»

Haben Sidwell & Co. also in ihrer Funktion als Risikomanager versagt? Ja, sagt Marc Chesney, Professor für Banking and Finance an der Universität Zürich. «Es ist eine Schande, dass Verwaltungsräte so viel Geld einstreichen und ihren Pflichten dann doch nicht richtig nachkommen.» Der Verwaltungsrat und das Risikomanagement hätten laut Chesney zusammen ein Kontrollkonzept entwickeln und umsetzen sollen, um das illegale Verhalten der Devisenhändler früher zu bemerken. Zudem hätten sie das Wertesystem der Händler und der Bank genauer unter die Lupe nehmen sollen.

Dem widerspricht Anita Greil, Pressesprecherin bei der UBS. Sie weist darauf hin, dass die Arbeit des Risikoausschusses des Verwaltungsrats von den Behörden nicht infrage gestellt wird. Auch attestierten sie der Bank, im Devisenhandel die richtigen Massnahmen getroffen zu haben. «Laut der Finma wurden die Organisation und die Kontrollen im Bereich Devisen- und Edelmetallhandel verbessert. Und die US-Kontrollbehörde CFTC anerkennt, dass wir signifikante Schritte unternommen haben, um die internen Kontrollen und Leitlinien im Devisenhandel zu stärken.»

Laut Greil hat sich bezüglich Unternehmenskultur zudem viel verändert. «Boni werden heute länger einbehalten als bei den meisten Wettbewerbern, die Investmentbank wurde verkleinert und Kontrollen wurden massiv verstärkt.»

Gewinne abgeben statt Strafen zahlen

Laut Chesney reichen diese Bemühungen jedoch nicht aus, um ähnliche Skandale in Zukunft zu verhindern. Er kritisiert insbesondere die zu laschen Strafmassnahmen, die gegen die UBS ergriffen wurden. An die amerikanischen und britischen Behörden muss die Bank zwar Strafzahlungen leisten, die Finma hat sie allerdings nur zur Rückzahlung der Gewinne verdonnert. «Wenn die Bank Gewinne abgeben muss, die sie ohne Betrügereien gar nie gemacht hätte, erleidet sie de facto keinen Verlust – geht also auch kein Risiko ein», so Chesney. Solange die Finma keine Bussen einziehen könne, habe die UBS zu wenig Anreiz, diese «Risiken» tatsächlich in den Griff zu bekommen und fehlbares Verhalten zu unterbinden.

Chesney kritisiert zudem, dass lediglich die Mitarbeiter für ihr Fehlverhalten zur Verantwortung gezogen werden: Im Fall des Devisenskandals wurden einige Händler entlassen und rechtlich verfolgt, nicht aber deren Vorgesetzte. «Zu einem tiefgreifenden Kulturwandel wird es so nicht kommen. Es ist deshalb nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Skandal aufgedeckt wird.»

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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