Hut ab, Starbucks!

Die US-Kette schliesst zwei von 29'324 Filialen. Nein, das ist kein Grund zur Schadenfreude.

Gibt es auf der ganzen Welt: Ein Frappuccino von Starbucks, gekauft in einer von fast 30'000 Filialen. Foto: Lucy Nicholson (Reuters)

Gibt es auf der ganzen Welt: Ein Frappuccino von Starbucks, gekauft in einer von fast 30'000 Filialen. Foto: Lucy Nicholson (Reuters)

Edgar Schuler@Edgar_Schuler

Die Schliessung von zwei Starbucks-Filialen in Zürich hat die Häme-Schleusen geöffnet: Endlich, endlich darf man ungestraft über den durchglobalisierten Selbstbedienungs-Kaffeehaus-Multi herziehen, seine sündhaft teuren Fantasiekaffee-Kreationen (schon einen Java Chip Frappuccino probiert?), die künstliche Aufgekratztheit des schlecht bezahlten Personals. Und das Interieur… da fangen wir gar nicht erst an.

Nun braucht man aber gar kein Fan von Starbucks zu sein, um das Unternehmen zu bewundern. Die Geschichte wurde ja schon oft erzählt: wie der Kaffeeliebhaber Howard Schulz mit seiner Idee einer Konzeptgastronomie die USA und die Welt derart dicht mit Ablegern zupflasterte, bis man nicht mehr wusste: Bin ich jetzt in diesem Starbucks oder in jenem hundert Meter weiter hinten?

Vor 18 Jahren brachte der Unternehmer Beat Curti das Konzept in die Schweiz. Er hatte persönlich bei Schulz darum gebettelt. Die erste Filiale am Zürcher Central war, nun ja, keine Offenbarung, aber doch eine erfrischende Neuerung in einem Land, wo einem damals normalerweise noch ein lieblos abgezapftes «Kafi Grem» von einer schlecht gelaunten Bedienung hingeknallt wurde.

Curti scheiterte spektakulär. Schulz’ steile Ziele waren hier nicht zu erreichen. Starbucks aber blieb und schuf sich eine treue Kundschaft. Die liebt es, ungestört den Laptop aufzuklappen, eine Teamsitzung oder einen Tratsch abzuhalten. Dass der Latte überzuckert und überzahlt ist, spielt für sie keine Rolle. Das Gesamtpaket stimmt. Nicht jedermanns Fall, klar. Aber doch so attraktiv, dass die Zahl der Filialen immer noch steigt. Auf bisher 29324 weltweit, mal ein paar weniger, wohl bald wieder mehr.

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