«Ich brauche keine Almosen, ich habe genug Geld verdient»

Josef Ackermann gibt sich in einem Interview geläutert. Er will nun beweisen, dass das Banking einen wichtigen Beitrag zum Wohlstand der Gesellschaft leisten kann.

  • loading indicator
Andreas Möckli@AndreasMoeckli

Was macht Josef Ackermann bloss auf Zypern? Diese Frage stellten sich viele, als vor rund einem Jahr bekannt wurde, dass der Schweizer Verwaltungsratspräsident der Bank of Cyprus werden soll. Schliesslich gilt er trotz seiner durchzogenen Bilanz als Chef der Deutschen Bank als bestens vernetzter Banker und ausgewiesener Kenner der Finanzbranche. Die deutsche Kanzlern Angela Merkel liess sich von ihm beraten, die Zurich Insurance holte ihn zwischenzeitlich als Verwaltungsratspräsidenten.

Der «New York Times» gab er kürzlich Einblick in seine Beweggründe. «Wenn ich den Menschen oder der Gesellschaft etwas zurückgeben könnte, dann würde ich das gerne tun.» Werde die angeschlagene Bank die Kehrtwende schaffen, so werde er davon in keiner Weise profitieren. Er besitze weder Optionen, noch sei er anderweitig beteiligt, um von einer allfälligen Erholung der Bank zu profitieren. Er habe in seinem Leben genug verdient, er brauche keine Almosen.

«Ich denke, wir haben viel Gutes getan»

Offenbar versucht Ackermann mit seinem Einsatz in Zypern zu zeigen, dass Banker besser sind als ihr Ruf. «Ich will beweisen», sagt Ackermann im Interview, «dass wir nicht nur für uns selber Geld verdienen wollen, sondern dass das Bankgeschäft einen äusserst wichtigen Beitrag zum Wohlstand der Gesellschaft als Ganzes leistet.» Ein schlechtes Gewissen habe er auf keinen Fall. «Ich denke, wir haben viel Gutes getan» – ohne zu sagen, wen er mit «wir» meint.

Möglicherweise spielt das schlechte Gewissen aber doch eine Rolle für seinen Entscheid, Präsident der Bank of Cyprus zu werden. Als Chef des Internationalen Bankenverbandes hat er Anfang 2012 den griechischen Schuldenschnitt eingefädelt, bei dem die privaten Gläubiger und damit vor allem die Banken gut die Hälfte ihrer Forderungen abschreiben mussten.

Die Einigung brach den zypriotischen Banken das Genick. Lange realisierte das niemand. Die Bank of Cyprus und die Nummer 2 Zyperns hatten zusammen 5,5 Milliarden Euro in griechische Staatsanleihen investiert – und damit fast das gesamte Eigenkapital der beiden Geldhäuser. Im Gegensatz zur Konkurrentin konnte die Bank of Cyprus zwar gerettet werden. Dennoch mussten die Kunden beider Banken auf sehr viel Geld verzichten.

Volkes Zorn

Der Empfang Ackermanns auf der Insel war denn auch alles andere als freundlich. «Wir wollen unser Geld zurück», skandierten rund 300 Demonstranten, als die Bank vergangenen November in ihrem Hauptsitz in der Hauptstadt Nikosia ihre Generalversammlung abhielt. Während er drinnen mit 99 Prozent der Stimmen gewählt wurde, flogen draussen die Steine.

Volkes Zorn erfuhr auch der operative Chef der Bank, der Ire John Hourican. «Sie verbrannten mein Auto», berichtete er der «New York Times» nüchtern. Man habe ihm damit so etwas wie eine Botschaft gesendet. Er verstehe zwar die Wut, «ich hätte es jedoch bevorzugt, wenn man mein Auto nicht angezündet hätte».

Auch Hourican, seit 2013 im Amt, zeigt sich reuig. «Ich denke, wir können uns nicht aus der kollektiven Verantwortung der Finanzkrise stehlen.» Es sei schön, in der Lage zu sein, vergangene Fehler wie etwa in Zypern zu korrigieren.

Der neue Chef der Deutschen Bank übt Kritik

Hourican blickt wie Ackermann auf eine Karriere bei einer international tätigen Grossbank zurück. Vor seiner Zeit in Zypern war er Chef des Investmentbanking bei der Royal Bank of Scotland. Dort übernahm er mit seinem Rücktritt die Verantwortung für die betrügerischen Manipulationen des Referenzzinssatzes Libor, obwohl er selber nicht direkt involviert war.

Derweil macht die Deutsche Bank einen neuerlichen Anlauf, sich strategisch neu aufzustellen und Altlasten zu bereinigen. Konzernchef John Cryan konkretisierte diese Woche seine «Strategie 2020», die einen Abbau von 9000 Stellen zur Folge hat. Der ehemalige UBS-Finanzchef kritisierte an der Medienkonferenz seine Vorgänger und damit auch Ackermann.

Die Deutsche Bank habe zwar kein Strategieproblem. Doch es hapere in der Umsetzung. «In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind zahlreiche Strategien und Ziele verkündet worden, aber selten wurden sie konsequent realisiert», sagte Cryan. Damit waren nicht nur seine direkten Vorgänger Anshu Jain und Jürgen Fitschen gemeint, sondern auch Ackermann. Letzterer hatte in seiner Amtszeit einen Gewinn von zehn Milliarden Euro in Aussicht gestellt, das Ziel aber nie erreicht.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt